Interview: Wenn Schüler Einspruch erheben

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HAMM - Zwölf Jahre seines Lebens verbringt der Durchschnittsschüler in der Schule. Dort kommt es immer wieder zu Situationen oder Verhaltensweisen, die nicht toleriert werden. Mit einer Beschwerde landen Schüler dann häufig bei der Bezirksregierung in Arnsberg.

Warum Schüler, die sich ungerecht behandelt fühlen, nicht schweigen sollten und welches der richtige Weg zur Beschwerde ist, erzählte Ralf Budden, Jurist und Dezernent bei der Bezirksregierung Arnsberg, im Interview mit yourzz-Reporterin Carolin Drees.

Wenn Schüler beziehungsweise Eltern mit etwas an der Schule unzufrieden sind, an welche Stelle können sie sich dann wenden? Sollte die erste Anlaufstelle eine andere als die Bezirksregierung Arnsberg sein?

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Budden: Als allererstessollte man sich an die Ansprechpartner in der Schule wenden. Dort gibt es einige Stellen, zum Beispiel die Schülervertretung oder die Schülersprecher, die vielleicht sogar einen guten Draht zu den Lehrern und dem Direktor haben. Für Eltern sollte die erste Stelle die Eltern- oder Schulpflegschaft oder die Beratungslehrer sein. Wenn man dort nicht weiterkommt, kann man sich selbstverständlich an uns wenden. Man sollte schon in der Rangordnung unten anfangen und sich dann langsam hocharbeiten und sich nicht direkt beim Schulministerium melden.

Beschwerden welcher Art finden ihren Weg am häufigsten zu Ihnen? Wie oft wird sich über Lehrpersonal beschwert?

Budden:Am häufigsten erreichen uns Widersprüche, also wenn jemand mit einer Note nicht zufrieden ist. Die Note wird dann natürlich von den Pädagogen in unserem Haus geprüft. Es kommen aber auch Beschwerden gegen Ordnungsmaßnahmen rein, beispielsweise wenn ein Schüler entlassen oder suspendiert wurde. Und hin und wieder wird sich auch über das Lehrpersonal beschwert, das gibt es aber in jedem Berufsstand. Für diese Beschwerden ist jedoch das Dienst- und Arbeitsrechtliche Dezernat zuständig. Da vermitteln wir dann an den richtigen Ansprechpartner im Haus.

Sind diese immer begründet? Was sind die absurdesten Beschwerden und zu welchem Ergebnis kann man kommen? Gibt es ein Ergebnis, das am häufigsten ist?

Ralf Budden.

Budden: Immer begründet sind diese Beschwerden natürlich nicht. Aber alles, was zu uns kommt, nehmen wir ernst. Und es wird auch alles bearbeitet. Es ist nämlich auch nicht alles unbegründet. Über die häufigsten Ergebnisse kann ich nichts sagen. Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Aber natürlich kommt es vor, dass Noten geändert werden.

Welchen Weg geht die Beschwerde?

Budden: Zunächst muss die Schule die Beschwerde prüfen. Dann prüft noch mal die nächsthöhere Stelle, das ist die Bezirksregierung Arnsberg. Hier wird der fachliche Sachverstand mit einbezogen. Das ist auch das Besondere: Hier arbeiten Leute mit den unterschiedlichsten Ausbildungen: Juristen, Pädagogen und so weiter. So können wir einen gebündelten und großflächigen Sachverstand garantieren.

Wie oft kommt es vor, dass Schüler Hilfe und Rat bei Ihnen suchen?

Budden: Bei mir gehen viele Telefongespräche ein. Eltern und Schüler sind dabei jedoch nicht so häufig vertreten. Ich telefoniere besonders häufig mit Schulleitern, die sich an mich wenden, um sich juristisch abzusichern und zum Beispiel Rat bei Ordnungsmaßnahmen suchen. Ich denke, dass die Hemmschwelle bei den Schülern einfach sehr hoch ist, mit einer Behörde wie der Bezirksregierung zu sprechen.

Sind Sie der Meinung, dass es richtig ist, wenn Schüler sich zu Wort melden, oder ist das Stichwort eher aushalten?

Budden: Schüler sollen sich schon zu Wort melden und nicht nur von hinten meckern. Das System kann man mit einer politischen Stadt vergleichen: Jeder hat die Möglichkeit, seine Meinung zu sagen und sollte das auch wahrnehmen.

Was wollen Sie Schülern, die mit Dingen an ihrer Schule nicht zufrieden sind, gerne mit auf den Weg geben?

Budden: Ich rate ihnen, nicht den Mund zu halten und ihren Standpunkt zu vertreten. Das sollte jedoch wie im ordentlichen Staatswesen laufen: Man trägt seine Kritik vor und wenn sich daraufhin keine Besserung zeigt, kann man sich Hilfe von außen holen.

Quelle: wa.de

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