Interview mit Hundeschule: "Der Mensch ist das Problem"

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HAMM - Wenn sie noch klein sind, sind sie zum Kuscheln, doch später können sie zum Problem werden: Haustiere. Was macht man also, wenn man zum Beispiel mit seinem einst so süßen Hund nicht klarkommt? Man sucht sich Hilfe bei einer Hundeschule.

„Die häufigsten Probleme sind, dass der Hund an der Leine zieht und einfach nicht hört“, erklärt Uwe Kundrun, Besitzer der Hundeschule Kundrun in Hamm. Warum nicht der Hund, sondern der Mensch das Problem darstellt, erzählte er yourzz-Reporterin Carolin Drees im Interview.

Was sind die Aufgaben einer Hundeschule?

Kundrun: Die erste Aufgabe einer Hundeschule ist es, die Wesensmerkmale des einzelnen Hundes zu erkennen. Das bedeutet, dass man sich fragen muss, warum ein Hund wie gezüchtet wurde. So findet man rassenspezifische Merkmale heraus und erkennt, ob das Verhalten des Hundes eigentlich normal ist oder ob man ihn therapieren muss. Auf dieser Erkenntnis basiert sowohl das Trainingsprogramm, das die Hundehalter zu Hause mit ihrem Tier durchführen sollen, als auch das Gruppentraining in der Hundeschule.

Mit welchen Problemen kommen die Hundehalter zu Ihnen und wie kann man diese beheben?

Kundrun: Die häufigsten Probleme sind, dass der Hund an der Leine zieht und einfach nicht hört. Man kann aber nicht pauschal sagen, wie man diese Probleme beheben kann. Jede Hunderasse ist anders und verhält sich demnach auch anders. Allerdings muss jeder Hund seiner Triebneigung nach gefördert werden.

Ist wirklich der Hund immer das Problem oder liegt das Fehlverhalten des Hundes häufig am falschen Verhalten des Besitzers?

Kundrun: Die Erziehung des Menschen bringt das Verhalten des Hundes mit sich. Daher ist das Problem nicht der Hund, sondern der Mensch. Das ist in 99 Prozent aller Fälle so. Deshalb ist es auch meine Aufgabe, zunächst den Menschen zu erziehen. Ich führe also eine Art Gesprächstherapie durch und sage den Besitzern, was sie falsch machen. Das A und O ist, dass der Mensch lernt, wie er mit seinem Tier umzugehen hat und dass jede Rasse anders ist und daher anders erzogen und gefördert werden muss.

Finden Sie es wichtig, dass man mit einem Hund bereits im Welpenalter eine Hundeschule besucht? Sollten auch Jugendliche dies mit ihrem Tier tun?

Kundrun: Meiner Meinung nach sind Hundeschulen sehr wichtig. Es schadet weder Mensch noch Tier, diese schon sehr früh zu besuchen. Die Welpenschule steht dem Besitzer beratend zur Seite und man lernt spielerisch den Umgang mit seinem Hund. Der Mensch kann sich mit seinem Tier beschäftigen. Das ist vor allem in der Prägephase sehr wichtig, da dort das Leben vorbestimmt wird. Viele Hundebesitzer besuchen die Hundeschule aber auch später weiter, einfach weil sie Spaß daran haben, neue Freunde gefunden haben und diese nicht aufgeben wollen.

Was sind die Folgen für die Hunde, wenn die Besitzer, trotz aller Bemühungen, nicht mit ihnen klarkommen?

Kundrun: Die Hunde werden abgegeben und finden sich im Tierheim wieder. Und dort sind die meisten Menschen nicht mal ehrlich und schieben irgendwelche erfunden Gründe vor, die sie angeben: eine plötzliche Hundehaarallergie oder eine Scheidung beispielsweise. Wenn man sich ein Tier anschafft, sollte man vorher gut über diese Entscheidung nachdenken. Ein Tier bedeutet Verantwortung und man sollte es nicht bei einem kleinen Problem, für das man selber verantwortlich ist, abschieben. Das Problem kann man beheben, man muss aber vorher wissen, dass dies eine Menge Arbeit bedeutet und dazu muss man bereit sein.

Was wollen Sie abschließend sagen?

Kundrun: Ich zitiere Franz von Assisi: „Dass mir mein Hund das Liebste sei, sagst du, oh Mensch, sei Sünde, mein Hund ist mir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde.“ Das stimmt wirklich. Der Hund ist dem Menschen bedingungslos treu, der Mensch dem Hund gegenüber aber nicht. Wenn man den Hund aber von Anfang an richtig erzieht, gibt es keine Probleme und man kann sein Tier genauso bedingungslos durch das Leben begleiten, wie das Tier den Menschen.

Quelle: wa.de

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