Gefühl von Grenzenlosigkeit

Interview: Finnin Meeri Piispa studiert in Hamm

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HAMM – 1817 Kilometer und 25 Autostunden liegen derzeit zwischen der 21-jährigen Meeri Piispa und ihrer Familie. Vor gut zwei Jahren hat sich die Finnin nämlich dazu entschieden, einige Zeit ihres Lebens in Deutschland zu verbringen, und heute ist sich die Studentin der Hochschule Hamm-Lippstadt gar nicht mehr sicher, ob sie überhaupt zurück möchte.

Von Carolin Drees

In der 50.000 Einwohner Stadt im finnischen Provoo wurden im September 2012 die Koffer gepackt. Ihre Reise führte Meeri zunächst nach München: „Dort habe ich als Au-pair gearbeitet.“ Das sei im ersten Moment die einfachste Möglichkeit gewesen, um ins Ausland zu kommen. „Unbedingt was mit Kindern musste es nicht zu tun haben.“

Nach ihrem Jahr als Au-pair kellnerte die junge Frau in einem englischen Pub in München. „Auf Lebzeiten kellnern wollte ich aber trotzdem nicht. Deshalb hab ich mich zunächst in Regensburg und München an den Universitäten beworben.“ Für die Zulassung zum Studium hat es jedoch nicht gereicht. „Irgendwie musste ich dann ausweichen. Im Internet habe ich den Studiengang Sport- und Gesundheitstechnik an der HSHL gefunden und er hat mich sofort interessiert“, erklärt die Studentin, die ohnehin von Sport begeistert ist.

Genau zwei Jahre, nachdem Meeri Finnland verlassen hat, zog sie also im September 2014 nach Hamm. In eine reine Männer-WG. „Das ist aber gar kein Problem“, erklärt sie, „Die Jungs sind total unkompliziert.“ Was man von ihrem Studiengang nicht gerade behaupten kann: „Es ist schon alles sehr technisch. Und ohne zu lernen kommt man auf gar keinen Fall durch.“ Trotzdem zeigt sie sich froh, in Deutschland studieren zu können: „In Finnland ist das Studium zwar kostenlos, aber es gibt nur sehr wenige Universitäten. Deshalb ist die Konkurrenz zwischen den Bewerbern auch sehr hoch. Alle haben zwar die gleiche Möglichkeit zu studieren, aber nur die Besten bekommen einen Platz.“ Das einzige, was Meeri in Deutschland manchmal Probleme bereitet, ist ihre finnische Sozialversicherung: „Ansonsten läuft alles super.“

Einer der größten Unterschiede zwischen Deutschland und Finnland seien die hohen Steuern: „Dafür haben wir aber auch viele Vorteile, gerade im sozialen Bereich. In Finnland gibt es immer genug Kitaplätze. Und jeder Student bekommt BaföG, unabhängig vom Einkommen der Eltern und es muss vor allem auch nicht zurückgezahlt werden.“

Wieder zurück in ihr Heimatland zu ziehen, kann Meeri sich derzeit jedoch nicht vorstellen: „Meine Familie und meine Freunde fehlen mir schon. Aber ich hab mich in Finnland nicht wohlgefühlt.“ Vor allem die dunklen Monate hätten die 21-Jährige oft deprimiert. „Natürlich wäre ein Leben in Finnland sicherer für mich. Aber was bringt mir Sicherheit, wenn ich mich nicht wohl und zu Hause fühle?“ Nachdem sie ihr Heimatland verlassen hat, habe es sich so angefühlt, als gebe es keine Grenzen mehr, erklärt Meeri.

In Hamm möchte die Studentin aber auch nicht bleiben: „München fänd ich als Heimatstadt schon toll. Aber mein Traum von der Zukunft ist es, ganz woanders zu wohnen. Ideal wäre ein Job, in dem ich viel reisen und ganz viel von der Welt sehen kann.“

Quelle: wa.de

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