Internetsucht: Smartphones können eine Gefahr sein

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Immer etwas zum Ablenken: Einige Jugendliche haben hunderte Apps auf ihrem Smartphone und nutzen sie auch.

HAMM - Wir leben in einer Zeit, in der man moderne Medien wie die Luft zum Atmen braucht. Den Eindruck bekommt man zumindest, wenn man auf die Straße guckt und so ziemlich jeden mit einem Smartphone in der Hand sieht.

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Auf der einen Seite können die Medien im Alltag helfen. Problematisch wird es jedoch, wenn man sie exzessiv nutzt. Das ist dem 15-jährigen Julian (Name geändert) passiert. Im Interview mit yourzz-Reporterin Carolin Drees erzählt der Schüler, wann ihm bewusst wurde, dass er ein Problem hat und warum die Jugend(Sucht)Beratungsstelle ihm eine große Stütze ist.

Beschreibe das World-Wide-Web mit einem Satz.

Julian:  Das World-Wide-Web ist eine große Medienplattform.

Wie bist du an das Internet herangeführt worden und wie hat sich dein Konsum entwickelt?

Julian: Als ich mein erstes internetfähiges Handy mit 13 Jahren bekommen habe, hab’ ich das Internet entdeckt und das ist dann durch YouTube immer mehr geworden. Vor etwa einem Jahr hab ich noch sechs Stunden YouTube-Videos gesehen, dazu kamen vier Stunden Konsolenspiele und zwei bis drei Stunden WhatsApp. Das war zu viel.

Wann hast du gemerkt, dass du ein Problem hast und Hilfe brauchst? Wie ist es aufgefallen?

Julian: Als ich gemerkt habe, dass ich enorm viel Zeit am Handy verbringe, ist mir klar geworden, dass irgendwas nicht passt. Meine Mutter hat mich dann gedrängt, in die Jugendsuchtberatung zu gehen. Ich war erst nicht so überzeugt.

Hattest du Schwierigkeiten in deinem Freundeskreis?

Julian: Nein, eigentlich nicht. Die sitzen selber alle viel vor dem Handy.

Wie sind deine Freunde und Familie mit dem Thema umgegangen? Bekommst du Unterstützung?

Julian: Ja, in der Jugendsuchtberatung bekomme ich Unterstützung. Mit meiner Mutter hatte ich Streit, wenn ich das Handy ausmachen musste. Deshalb wollte sie auch, dass ich in die Beratung gehe.

Wo kann man sich Hilfe holen und wie sieht diese aus?

Julian: Bei der Jugendsuchtberatung kann man sich Hilfe holen. Die setzen sich mit mir zusammen und ich versuche dann, mir Ziele zu setzen, die ich erreichen will. Mein erstes Ziel war, dass ich öfter mal wieder was mit meinen Freunden mache. Das hat auch geklappt.

Ist die Internetsucht vergleichbar mit einer Alkoholsucht? Einmal „trocken“ und man darf nie wieder das Internet benutzen?

Julian: Es gibt keine Möglichkeit, das Internet nicht zu nutzen, außer für ganz alte Leute. Ist ja so. Man kann nicht darauf verzichten. Also ist das schon was anderes als mit Alkohol. Weil ich aufs Internet nicht verzichten kann, muss ich eben lernen, damit umzugehen. Deshalb versuche ich ja auch jetzt wieder mehr andere Sachen zu machen, BMX fahren und so.

Denkst du, dass es hätte vermieden werden können?

Julian: Eher nicht, durch meine nicht so schöne Kindheit mit meinem Vater, hab’ ich mich in der digitalen Welt versteckt.

Was ist beim Konsum des Internets zu beachten? Gibt es etwas, dass du Usern raten würdest?

Julian: Erstens, dass man auf die Zeit achten sollte, dass man jetzt nicht von 20 Uhr plötzlich bei 24 Uhr landet. Außerdem sollten kleinere Kinder keine internetfähigen Handys haben. Facebook finde ich schlimm. Da mache ich nicht mit wegen Datenklau, Cybermobbing und der ganzen Werbung. Ich habe meine Aggressionen damals mit gewalttätigen Spielen verarbeitet, zum Beispiel „GTA“ oder „Call of Duty“. Ich hätte vielleicht stattdessen auch mehr Sport machen können.

Quelle: wa.de

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