Emre und Eren: Immer im Doppelpack unterwegs

Verwechslungen sind für Emre und Eren an der Tagesordnung.

Lüdenscheid - „Ihm vertraue ich mehr als allen anderen“, erklärt Eren und sieht dabei zu seinem älteren Zwillingsbruder Emre Bayat. Als Emre und Eren vor 18 Jahren das Licht der Welt erblickten, trennte sie gerade mal eine Minute voneinander. Seit ihrer Geburt sind die Brüder nun unzertrennlich.

Von Julia Chodkowska

Schon immer haben sie alles gemeinsam gemacht. Ihre Geburtstage feiern sie immer zusammen, besuchen dieselbe Schulen und Klassen, haben dieselben Hobbys und Freunde und werden nicht selten wegen ihres Aussehens miteinander verwechselt. Die längste Zeit, die die 18-Jährigen voneinander getrennt waren, war gerade mal eine Woche und das auch nur notgedrungen, als Eren im Krankenhaus lag.

Doch wie genau fühlt es sich an, nie so richtig allein zu sein, ein zweites „Ich“ zu haben? „Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, ohne meinen Bruder zu sein. Es würde einfach etwas Wichtiges fehlen – ein Teil von mir“, erklärt Emre.

Es überrascht nicht, dass die eineiigen Zwillinge häufig verwechselt und mit falschem Namen angesprochen werden. „Da wir gemeinsam in dieselbe Klasse gehen, werden wir von den Lehrern fast immer verwechselt. Am Anfang hatte ich noch Verständnis dafür, aber nach einiger Zeit wird das echt nervig. Unsere Eltern und Freunde erkennen uns problemlos. Aber gerade wenn unsere Eltern sich mal vertun, ist das irgendwie enttäuschend“, erklärt Eren.

Ihre starke Ähnlichkeit haben die Zwillinge schon gegen andere ausgespielt, erzählt Eren: „Als wir in verschiedenen Mannschaften Fußball gegeneinander gespielt haben, habe ich die Gegner glauben lassen, ich wäre Emre und habe den Ball zugepasst bekommen.“ Fußball ist das große Hobby der beiden Jungs. Gemeinsam spielen sie im gleichen Verein und trainieren regelmäßig.

Eines der markantesten Details, das die Brüder äußerlich voneinander unterscheidet, ist die Narbe an Emres Rücken, die er bereits von Geburt an hat. Doch Emre ist in Bezug auf das angeblich so identische Äußere der Zwillinge ganz anderer Meinung: „Ich finde gar nicht, dass wir uns so ähnlich sehen.“

Gemeinsamkeiten finden sich aber nicht nur im Äußeren, sondern im Charakter. „In verschiedenen Situationen denken oder sagen wir gleichzeitig dasselbe“, erklärt Eren. Auch ihren Führerschein haben die Brüder bei dem gleichen Fahrlehrer gemacht und am gleichen Tag ausgehändigt bekommen. Ihr Auto müssen sich die beiden jedoch teilen. Das Abwechseln geht dabei nicht immer friedlich vonstatten. Eine weitere Schattenseite des Zwillingsdaseins ist es, ständig mit einem anderen Menschen verglichen zu werden. „Erens Noten sind häufig um eine Tendenz besser als meine. Wenn er aber in einer Klausur viel besser ist, kann ich mit Vorwürfen von meinen Eltern rechnen“, erklärt Emre.

Aber ansonsten hat es nur Vorteile, Zwillinge zu sein, beteuern die Brüder. Besonders im Schulleben ergänzen sie sich blendend. „Wenn es um Schule geht, verlasse ich mich meistens auf Eren. Er schreibt alles mit. Zuhause lernen wir zusammen, dann fühle ich mich viel vorbereiteter als wenn ich alleine lernen würde“, berichtet Emre.

Konkrete Zukunftspläne haben die beiden noch nicht. Eren will später studieren – doch Genaueres weiß er noch nicht. Ein Studium kommt für Emre hingegen nicht in Frage. Die Möglichkeit, in Zukunft voneinander getrennt zu sein, übersteigt die Vorstellungskraft der Brüder. Auf die Frage, was das Schönste daran ist, Zwilling zu sein, antworten erneut beide mit demselben Satz: „Man ist nie allein.“

Quelle: wa.de

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