Dilâra Dayakli macht ein Auslandssemester in Spanien

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HAMM – Ein Schüleraustausch über den Internationalen Club Hamm brachte die 22-jährige Dilâra Dayakli 2010 nach Mazatlan in Mexiko. Zurück kam die damalige Abiturientin nicht nur mit acht Kilo zusätzlichem Gepäck und vieler neuer Freundschaften, sondern auch mit einem konkreten Studienwunsch.

Heute studiert die Hammerin an der Universität zu Köln „Regionalstudien Lateinamerika“, Spanisch und Sozialwissenschaften und absolviert seit Anfang Februar ein Auslandssemester in Spanien. Was man in ihrem Studienfach lernt und warum Spanier die Hammerin für eine Latina halten, erzählte sie Marc Borgmann im Interview.

Dilâra, wo bist du gerade, mit wem wohnst du zusammen und was machst du zurzeit?

Dilâra: Momentan bin ich in Sevilla, Spanien. Ich mache hier mein Auslandssemester an der Universidad Pablo de Olavide (UPO), weil ich ein Erasmus-Stipendium erhalten habe. Nach meiner Heimkehr muss ich nachweisen, dass ich gewisse Kurse erfolgreich absolviert habe. In Sevilla wohne ich mit einer Spanierin, einer Belgierin und einer Italienerin zusammen in einer 4er-WG. Wir haben eine schöne Wohnung in der historischen Altstadt mit schmalen Gassen, so wie man sie aus den Filmen kennt.

Sevilla gehört zur Region Andalusien. Was gefällt dir da am meisten?

Dilâra: Sevilla an sich ist eine wunderschöne, historische und einzigartige Stadt. Man sieht überall die arabischen Einflüsse aus der Zeit der Mauren: in der Konstruktion der Städte, in der Architektur und den typischen Gärten im maurischen Stil. Ebenso ist auch die jüdische Geschichte zum Greifen nah. Jüdische Viertel verleihen der Altstadt ihre besondere Schönheit. Sevilla liegt zwar nicht am Strand, aber die geografische Lage ist dennoch optimal. Den Strand erreicht man in einer Stunde, in Portugal ist man in zwei Stunden, ebenso wie zur Fähre nach Afrika. Ohne alle anderen Städte zu kennen, erlaube ich es mir mal zu behaupten, dass Sevilla wirklich die perfekte Stadt ist für einen Auslandsaufenthalt. So wie ein spanisches Lied und die Sevillanos zu sagen pflegen: „Sevilla tiene un color especial“ - Sevilla hat eine besondere Farbe.

Du studierst „Regionalstudien Lateinamerika“ – welche Fächer beinhaltet dieser Studiengang und was genau lernt ihr dort?

An der Universidad Pablo de Olavide macht Dilâra ihr Auslandssemester.

Dilâra: An der UPO kann ich nur an einer Fakultät studieren, sodass ich quasi nur einen Bereich meiner Schwerpunkte hier belegen kann. Das Prinzip hier ist anders als in Deutschland. Meine Kurse hier sind unter anderem Spanische Literatur und Sprachwissenschaft Spanisch. Audiovisuelle Übersetzung ist beispielsweise ein sehr interessantes Seminar. Wir lernen, wie man Untertitel für Serien und Filme programmiert und wie man diese Untertitel optimal übersetzt.

Wie sieht dein Uni-Leben in Sevilla aus? Wie müssen wir uns die Uni, Professoren und Fächer dort vorstellen?

Dilâra: Das Uni-System hier ist anders als in Deutschland. Man merkt, dass die Professoren versuchen sich Mühe zu geben, aber es läuft nicht immer so, wie sie es sich vorstellen. Der Stundenplan ist individuell, jeder wählt seine Kurse selbst aus. Mein Uni-Leben sieht insgesamt sehr locker aus. Ich habe das Glück, nur zweimal die Woche Veranstaltungen zu haben. Allerdings habe ich dafür dann von morgens zehn bis um 20 Uhr Kurse - dienstags Vorlesungen und Seminare, donnerstags die dazugehörigen praktischen Übungen. Das Verhältnis zwischen den Studenten und Professoren ist ziemlich locker und persönlich. Es erinnert alles mehr an eine High School. Man sitzt in Klassenräumen, bekommt ziemlich viele Hausaufgaben und auf einzelne Fragen wird ausführlich eingegangen.

Du reist sehr viel und gern - ist das der einzige Grund, warum du dich für ein Auslandssemester entschieden hast?

Kurztripp nach Marokko: Dilâra in der Sahara.

Dilâra: Nein. In einem Auslandssemester lernt man viel fürs Leben. Ich habe viele Leute kennengelernt, die noch bei ihren Eltern wohnen. Für diese Leute ist das der erste große Schritt in die Selbständigkeit. Man knüpft weltweite Kontakte, verstärkt seine interkulturellen Kompetenzen, welche in unserer Zeit eine bedeutende Rolle spielen, und das aller Wichtigste für mich: Man lebt die Sprache. Als ich damals in Mexiko das erste Mal angefangen hatte auf Spanisch zu träumen, war das ein unbeschreibliches Gefühl.

Die Spanier halten dich oft für eine Latina. Wie erklärst du dir das?

Dilâra: Nun ja, zunächst liegt es wahrscheinlich an meinem südländischen Typ. Da ich einen türkischen Migrationshintergrund habe, falle ich dort mit meinen dunklen Haaren und dunkler Haut nicht auf. Von den Einheimischen bekomme ich ständig Komplimente, dass ich "perfekt" Spanisch spreche. Für eine Latina halten sie mich, weil man den mexikanischen Akzent anscheinend sehr stark raushört.

Quelle: wa.de

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