"Von Tierfreundlichkeit enttäuscht": Gerda Bierkemper über Tierschutz

+
Gerda Bierkemper (links) ist Vorstandsmitglied des Tierschutzvereins Hamm und Umgebung e.V.

HAMM - Wie tierfreundlich ist Hamm? In welchen Fällen greift der Tierschutz ein? Und was können Jugendliche eigentlich zum Thema Tierschutz beitragen? Gerda Bierkemper (60), Vorstandsmitglied des Hammer Tierheims, konnte alle Fragen von yourzz-Reporterin Carolin Drees beantworten: 

Wie sieht die Arbeit im Tierschutzverein aus? 

Bierkemper: Der Tierschutzverein hat sich das Tierheim sozusagen geleistet. Deshalb besteht unsere Hauptaufgabe darin, dieses zu erhalten, da wir keine finanzielle Unterstützung bekommen. Ansonsten finden Tiere in Not bei uns eine Unterkunft. Wir helfen mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln. Die Tiere werden von uns betreut, versorgt und manchmal sogar erzogen.

In welchen Fällen greift der Tierschutz ein? 

Bierkemper: Wir haben einmal den Hund einer obdachlosen Frau aufgenommen, weil ihr die finanziellen Mittel fehlten, um sich weiter um das Tier zu kümmern. Wir haben mit ihr vereinbart, dass sie im Monat nur für das Futter aufkommen muss, das ist der minimalste Satz, den wir verlangen. Nun meldet sie sich nicht mehr und wir können sie auch nicht finden. Das Tier war in einem wirklich schlechten gesundheitlichen Zustand, aber durch unsere Hilfe konnten wir das ändern. Ansonsten helfen wir natürlich, wenn Leute wegen eines Alkohol- oder Drogenproblems in Therapie müssen und nicht wissen, wohin sie ihr Tier geben können. Ganz häufig müssen wir auch Tiere aufnehmen, weil die Halter krank sind und plötzlich ins Krankenhaus oder Altenheim müssen.

Woher nehmen sie den Ehrgeiz für den Tierschutz? 

Bierkemper: Es ist einfach ein schönes Gefühl zu helfen. Wenn man für den Tierschutz tätig ist, muss man nicht nur tatenlos zugucken, wie grausam das Schicksal sein kann. Man kann Weichen für eine bessere Zukunft stellen. Man bewirkt einfach etwas und das ist ein tolles Gefühl. Außerdem geben die Tiere einem so viel zurück. Ich habe meine Entscheidung zu keinem Zeitpunkt bereut.

Wie tierfreundlich ist Hamm? 

Bierkemper: Von der Tierfreundlichkeit in Hamm sind wir sehr enttäuscht. So ist die Hundesteuer zum Beispiel sehr hoch. Außerdem muss man für Auslaufflächen in Parks kämpfen, weil sich die Bürger beschweren. Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass auch Hunde einen Platz haben, wo sie toben und spielen können. Aber es gibt auch Positives. Besucher des Tierparks dürfen ihre Hunde mitnehmen. Außerdem gibt es Gemeinschaften wie die Hammer Hundefreunde, die sich regelmäßig treffen, um mit ihren Hunden spazieren zu gehen.

Was muss sich verändern? 

Bierkemper: Wir brauchen dringend mehr tierfreundliche Vermieter. Außerdem sollte jeder vorher nachdenken, ob man wirklich genug Zeit und Geld für ein Tier hat. Ein Tier bedeutet nämlich Verantwortung. Ein Tier zu schenken ist auch ganz schlecht. Das geht meistens nach hinten los und nach ein paar Wochen landet das Tier hier.

Wie können Jugendliche dem Tierschutzverein helfen? 

Bierkemper: Wenn Jugendliche sehen, dass es einem Tier schlecht geht, sollten sie die Augen nicht verschließen, sondern handeln. Wenn sie mit ihren Eltern über die Situation reden oder sich mit uns in Verbindung setzen, können wir Missständen vorbeugen. Im Alter von 16 Jahren können sie bei uns auch selber aktiv helfen. Wir nehmen auch sehr gerne Schulpraktikanten auf. 

Was haben Sie abschließend zum Thema „Tierschutz“ zu sagen? 

Bierkemper: Tiere können nicht selbst für sich einstehen, deshalb ist es wichtig, dass wir stellvertretend für ihre Rechte kämpfen. Wir brauchen die Tiere und die Tiere brauchen uns, das ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Ich finde es beschämend, dass es den Tierschutz überhaupt geben muss. Eigentlich müsste es selbstverständlich sein, den Tieren mit Respekt entgegenzutreten.

Diese Hunde suchen ein Zuhause: 

Xarodin: 

Emma: 

Luis: 

Charlie:

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare