Seko Vural im Interview

Hammer hat 400.000 Follower auf Facebook und Instagram

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Seko Vural, hier in der Zentralbibliothek mit dem Bahnhof im Hintergrund, ist auf Facebook und Instagram gefragt.

HAMM - 250.000 auf Facebook und 150.000 auf Instagram – so viele Leute folgen dem 23-jährigen Seko Vural in sozialen Netzwerken. Was für den Hammer, der in Bielefeld Wirtschaftsrecht studiert, mit einem Spaß anfing, ist heute nicht nur sein größtes Hobby, sondern auch ein lukratives Geschäft. Darüber sprach er mit yourzz-Reporter Sharr Jakupi im Interview.

Mittlerweile erreichst du mit deinen Posts über 400 000 Leute. Wie kam es eigentlich dazu? Wie hat alles angefangen?

Vural: Angefangen hat alles vor nur sechs Monaten. Ich mag die Öffentlichkeit und wollte Menschen mit meinen Beiträgen zum Lachen bringen. Instagram habe ich erst nur als Bearbeitungsprogramm für Fotos genutzt, bis meine Schwester meinte, ich solle es doch mal aktiver nutzen, weil Facebook ihrer Meinung nach total out wäre. Instagram ist eine Seite, die hauptsächlich junge Leute nutzen. Auch ist die Hemmschwelle dort nicht so groß wie auf Facebook. Das gab mir den Ruck und so nahmen dann die Dinge ihren Lauf.

Sechs Monate ist keine lange Zeit, wie hast du es geschafft, von 0 auf 350 000 zu kommen?

Vural: Ich entdeckte die sogenannten „shout-out“-Seiten, das sind Accounts, die tausende von Followern haben, die ausschließlich Bilder von ihren Followern teilen, damit die „Geteilten“ einen kleinen Schub bekommen und so vielleicht an Followern gewinnen. Ich habe dann meine eigene „shout-out“-Seite kreiert. Ich teilte Bilder von Leuten und ab und zu etwas lustiges und bekam dadurch immer mehr Follower. Irgendwann bekam ich dann ein Video zugeschickt, etwas, wo ich persönlich angegriffen wurde und das öffentlich. Daraufhin teilte ich das erste Mal etwas von mir selbst. Ein Video, in dem ich der Person, die mich dort anprangerte, eine ziemlich ironisch und humorvoll Antwort gab. Und wie aus dem nichts stieg meine Abonnentenzahl dann täglich um circa 300 Personen.

Was teilst du denn da alles, was die Leute so beeindruckt? Wer ist deine Zielgruppe?

Vural: Es kommt immer auf die Person an, aber es folgen mir überwiegend Leute in dem Alter von zwölf bis 20 Jahren. Ich bin sehr vielfältig was die Posts angeht. Ich teile alles. Von Personen bis zu lustigen Bildern und Videos. Besonders gut kommen die sogenannten Vines an. Das sind kurze Videos, meistens nicht länger als sieben Sekunden. Diese mache ich manchmal von mir selbst, filme andere oder suche mir etwas besonderes raus.

Du hast mehrere verschiedene Seiten. Teilst du dort dieselben Dinge parallel?

Vural: Meistens, es kommt immer auf die Seite an. Bei Instagram habe ich sechs Seiten – unter anderem: whatsappvideo, richtigplus, ich_liebe_türken1 und meine Privatseite 1seko. Auf Facebook Funny Vines und „Ich liebe Türken“. Man muss immer aktiv sein, damit man an Followern gewinnt, täglich sind das bei mir 1 000 bis 5 000 pro Seite. Was mir auch viele Follower gebracht hat, war ein Chat, den ich mit einem Telefonanbieter eingerichtet habe.

Das hört sich ja alles ziemlich zeitaufwendig an. Wie viele Bilder und Videos teilst du pro Tag und wie viel Zeit investierst du darin?

Vural: Es ist sehr zeitaufwendig. Am Anfang saß ich teilweise acht Stunden pro Tag daran, mittlerweile sind es nur noch zwei bis drei. Pro Tag sind es an die fünf bis sechs Bilder oder Videos. Diese Bilder müssen teilweise gefunden oder selbst entworfen werden. Das ist dann auch noch mal zeitaufwendig.

Wie reagieren die Leute auf deine Posts? Liest du dir auch mal die Kommentare durch?

Vural: Ab und zu lese ich die Kommentare, das ist aber sehr selten. Es ist unmöglich, sich alle anzuschauen und zu antworten, wenn ich dann aber zufällig etwas sehe, was meine Aufmerksamkeit erregt, antworte ich auch. Außerdem habe ich Gruppen erstellt, in der meine Follower Kritik ausüben können.

Das hört sich nach so viel Arbeit an! Du machst das ja alles freiwillig, was springt für dich dabei raus?

Vural: Ja, es ist sehr viel Arbeit. Ich habe fünf Leute, die mir unter die Arme greifen und bestimmte Seiten und Gruppen verwalten. Ich glaube, kein Mensch würde sich so etwas antun, wenn er da privat keinen Nutzen raus zieht. Mittlerweile habe ich mehrere Sponsoren. Mein Hauptsponsor ist eine Kosmetikfirma, die auf Haarprodukte spezialisiert ist. Wenn ich etwas teile, sehen es allein in der ersten Minute um die 7 000 Menschen und von so etwas wollen auch meine Sponsoren profitieren. Ich mache Werbung für diese Firmen und die decken zum Beispiel mein Eigenbedarf an Produkten oder finanzieren Reisen. Ich erhalte außerdem freien Eintritt in viele Clubs und Diskotheken und werde dann auch dort von denen versorgt. Diese verlangen als Gegenleistung, dass ich auf Instagram oder Facebook öffentlich mache, wo ich gerade bin und was ich dort tue.

Das hört sich ja fast nach einem kleinen Promileben an! Wie stellst du dir deine Zukunft vor?

Vural: Mir ist klar, dass ich nicht ewig weitermachen kann und dass ich mein Vermächtnis irgendwann ablegen muss, man lernt ja auch viele Leute kennen und man sieht den einen oder anderen potenziellen Nachfahren. Ich will mit festen Beinen im Leben stehen, und das als Steuerberater. Das Gute ist, meine Follower werden irgendwann auch erwachsen und vielleicht will irgendjemand mal von ihnen Hilfe bei deren Steuererklärungen. Das ist dann eine Win-Win-Situation, denke ich mal.

Quelle: wa.de

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