Allergien auf Vormarsch: Tipps vom Hammer Experten

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HAMM - Es ist mal wieder so weit: Die Pollen machen den Allergikern das Leben schwer. Aber auch Nahrungsmittel oder die Hausstaubmilbe können bei einigen Menschen Reaktionen auslösen.

Wie man sich am besten schützt und wie es überhaupt zu Allergien kommen kann, erklärt der Allergologe und Kinder- und Jugendmediziner Dr. Johannes Jeßberger yourzz-Reporterin Carolin Drees im Interview.

Zwischen welchen Allergien muss man unterscheiden? Was sind die ersten Anzeichen für eine Allergie?

Dr. Jeßberger: Man kann auf Stoffe allergisch reagieren, die man einatmet, über die Haut aufnimmt oder in Form von Lebensmitteln zu sich nimmt. Erste Anzeichen sind häufig Schwellungen, Hautveränderungen und Juckreiz. Das kann überall auftauchen: auf der Haut, im Mund, in der Nase oder den Ohren und an den Augen. Besonders schlimm wird es, wenn nach der Aufnahme von Nahrungsmitteln die Mundschleimhaut anschwillt.

Was sind die häufigsten Allergien?

Dr. Jeßberger: Am häufigsten sind Allergien gegen Pollen und die Hausstaubmilbe. Aber auch das Gift von stechenden Insekten wie Bienen, Wespen, Hummeln und Hornissen kann bei einer Reaktion hochgefährlich sein. Eine zunehmende Rolle spielen auch Allergien gegen Nahrungsmittel, vor allem gegen Erdnüsse und Soja.

Wie kommt es, dass ein Mensch plötzlich allergisch auf einen Stoff reagiert?

Allergologe Dr. Johannes Jeßberger gibt Tipps zum Leben mit Allergien.

Dr. Jeßberger: Allergien kommen nicht plötzlich. Allergien machen sich erst beim zweiten Kontakt bemerkbar. Einige Menschen haben gewisse Neigungen zu allergischen Reaktionen. Diese liegen häufig in der Familie. Nimmt der Körper einen Stoff auf, wird dieser vom Immunsystem untersucht. Sollten dann Antikörper gegen diesen Stoff entwickelt werden, kommt es beim nächsten Kontakt zu einer allergischen Reaktion. Die Umstände können natürlich auch komplizierter sein. Allergien sind vor allem deshalb auf dem Vormarsch, weil wir mehr darüber wissen und sich die Lebensumstände ändern, siehe Feinstaubbelastung, die die Allergie auf Pollen fördert. So viele Allergien, wie die Gesellschaft denkt, gibt’s jedoch längst nicht.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Dr. Jeßberger: Bei Luftproblemen, Schwellungen, starker Erschöpfung, Kribbeln im Mund und intensiven Hautreaktionen nach Insektenstichen sollte man die Situation von einem Arzt checken lassen.

Wenn man nicht zum Arzt geht, was sind die Folgen? Was kann schlimmstenfalls passieren?

Dr. Jeßberger: Es kann zu einem allergischen Schock mit Todesfolge kommen. Vor allem bei Husten, Schwellungen im Mund und Insektenstichen kann das vorkommen. Juckende Augen sind zwar nervig, alles andere jedoch gefährlicher.

Wie kann man sich als Allergiker am besten helfen beziehungsweise schützen?

Dr. Jeßberger: Reagiert jemand auf Nahrungsmittel allergisch, ist das einfach: Man muss die Allergene, also die Nahrungsmittel, meiden. Allergien gegen die Hausstaubmilbe sind auch ganz gut in den Griff zu kriegen: Kopfkissen und Bettdecke häufiger waschen. Bei Pollen ist es schon mit mehr Aufwand verbunden. Man muss seine Lebensumstände anpassen. Zum Beispiel erst abends lüften, wenn die Pollen aufhören zu fliegen. Oder abends duschen und so die Pollen aus den Haaren waschen. Wenn es gar nicht anders geht, muss man Medikamente geben. Gerade Patienten, die auf Stiche allergisch reagieren, sollten immer ein Notfall-Kit dabei haben. Bei einer starken allergischen Reaktion hilft ansonsten nur, einen Notruf abzusetzen und den Kreislauf zu stabilisieren, bis Hilfe da ist.

Hyposensibilisierung und Co.: Was hilft wirklich?

Dr. Jeßberger: Die Hyposensibilisierung dauert etwa drei bis vier Jahre und ist eine bewährte Methode. Man bringt das Immunsystem dazu, das Allergen zu akzeptieren. Die meisten Patienten haben danach keine oder nur noch wenig Beschwerden.

Quelle: wa.de

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