Generation respektlos: "Jugendlichen fehlen Vorbilder"

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Recep Aktas beobachtet, dass sich der Umgang zwischen Älteren und Jüngeren verändert hat.

HAMM - „Generation respektlos“ – diese Bezeichnung müssen sich Jugendliche mehr oder weniger häufig anhören. Zum Beispiel, weil sie einem Rentner den Platz im Bus nicht freimachen. Aber auch unter nahezu Gleichaltrigen herrscht ein zum Teil respektloses Verhalten, das sich in den vergangenen Jahren entwickelt hat.

Warum es zu Spannungen zwischen Jugendlichen kommt und wie man gewisse Situationen am besten ohne Stress lösen kann, erfuhren die yourzz-Reporterinnen Annalena Michalski, Anna-Lena Schienbein und Carolin Drees im Interview mit Sarah Gißübel (16), Schülerin des Elisabeth-Lüders-Berufskollegs, Vanessa Krause (16), Schülerin des Märkischen Gymnasiums, und Recep Aktas (22), Student der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Der Respekt zwischen den älteren und jüngeren Jugendlichen hat sich im Laufe der letzten Jahre geändert. Wo liegt der größte Unterschied?

Sarah Gißübel findet vor allem die Jüngeren respektloser als früher.

Sarah: Meiner Meinung nach sind die älteren Jugendlichen heutzutage viel respektvoller als die jüngeren. Ich finde, die Jüngeren sind anders geworden. Früher in der Schule habe ich mich den älteren Schülern gegenüber immer respektvoll verhalten und mir gedacht, so möchte ich später auch werden. Die heutigen Fünftklässler sind eher respektlos und halten einem nicht mal die Tür auf oder ähnliches.

Recep: In diesem Zusammenhang verstehe ich „Respekt“ als tolerieren und wertschätzen der Mitmenschen. Man konnte auf jeden Fall beobachten, dass sich der Umgang zwischen den Älteren und Jüngeren in den letzten Jahren verändert hat. Aber wie heißt es doch so schön? „Man erntet, was man sät“. Ich denke, dass das Problem darin besteht, dass die Älteren etwas fordern, das sie selbst nicht zeigen. Die Jüngeren haben dann das Nachsehen, obwohl sie lediglich imitieren, was andere ihnen vorleben.

Vanessa Krause spricht im yourzz-Interview über die "Generation respektlos".

Vanessa: Ich denke, der größte Unterschied liegt in der Zeit, aber auch in den Menschen, da viele Jugendliche von anderen Jugendlichen unter anderem unter Druck gesetzt werden beziehungsweise andere Jugendliche als eine Respektperson ansehen, und sich wiederum viel von einander abgucken.

Kannst du dir vorstellen, woran es liegt, dass die Fünftklässler früher Respekt vor der Oberstufe hatten und heute nicht mehr?

Va nessa: Ich denke nicht, dass die heutigen Fünftklässler keinen Respekt mehr vor den Oberstufenschülern haben. Ich würde es eher eine Art von „sich wehren“ nennen. Sie wollen meiner Meinung nach nur zeigen, dass sie auch mit einem gewissen Respekt behandelt werden wollen. Nur tun sie dies nicht immer auf eine gerechtfertigte Art und Weise.

Sarah: Ich denke, dass die Jüngeren heutzutage viel mehr Kontakt mit elektronischen Dingen wie Handys oder dem Internet haben. Umgehen mit diesen Dingen können sie aber eigentlich nicht, aber sie benutzen sie trotzdem. Wahrscheinlich verstehen sie den Sinn davon gar nicht und deuten manche Spielsituationen ganz anders als sie gemeint sind. Ich kann mir vorstellen, dass es an dem elektronischen Umgang liegt.

Recep: Das Ergebnis der Respektlosigkeit ist kein Produkt der vergangenen Jahre. Ihre Anfänge nahm diese Entwicklung vor langer Zeit, als Eltern anfingen, die Erziehung ihrer Kinder Institutionen wie Kindertagesstätten und Schulen zu überlassen. Leider kann sich ein Erzieher nicht um die vernünftige Erziehung einer ganzen Klasse kümmern. Manchen Jugendlichen fehlt es daher wahrscheinlich an Vorbildern und sie bekommen den Eindruck, dass man sich Respekt erst erarbeiten muss. Aber Respekt sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Statt den Standpunkt „respektiere den, der es sich verdient“ zu vertreten, sollten wir uns eher nach dem Konzept „respektiere, damit du respektiert wirst“ richten.

Stell dir vor, ein Oberstufenschüler steht vor der Tür, durch die du gerade gehen musst. Wie hättest du die Situation früher gelöst, wie begegnen sich die Menschen heute?

Recep:  Ich würde höflich fragen, ob man mich durchlassen könnte. Bekäme ich eine patzige Antwort, würde ich die Person respektvoll auf ihre Respektlosigkeit aufmerksam machen. Wenn ich provoziere, lässt man mich erst recht nicht durch. Letzten Endes sollte man versuchen, immer respektvoll zu bleiben, damit man auch denselben Respekt vom Gegenüber erwarten kann.

Vanessa: Ich frage nach wie vor noch ganz neutral und höflich, ob der Schüler, der mir den Weg versperrt, mir Platz machen könnte. Wiederum gibt es viele Schüler beziehungsweise Jugendliche, die sich sofort in der Stimmlage vergreifen oder auch beleidigen.

Sarah: Früher hätte ich den Oberstufenschüler nett gefragt, ob ich bitte mal durch kann. Heute würde ich es auch noch so machen. Doch die jüngeren Schüler rennen einen heute einfach um, ohne zu fragen oder überhaupt was zu sagen.

Quelle: wa.de

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