FSK: Kinder nicht überfordern oder verängstigen

+
Stefan Linz.

HAMM - Gerade die unter 18-Jährigen müssen auf die FSK-Beschränkungen bei Filmen achten. Und nicht immer dürfen sie den Film oder die Kinokarte kaufen, weil die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft GmbH (FSK) sie für zu jung hält beziehungsweise den Film nicht altersgerecht findet. Doch nach welchem Verfahren wird überhaupt entschieden, ab welchem Alter man sich welchen Film angucken darf?

Über diese Frage unterhielt sich yourzz-Reporterin Carolin Drees mit Stefan Linz, der Sprecher der Film- und Videowirtschaft bei der FSK ist.

Warum benötigen Filme und Computerspiele eine Altersfreigabe?

Linz: Nach dem Jugendschutzgesetz ist eine gesetzliche Altersfreigabe für filmische Inhalte erforderlich, wenn diese Kindern oder Jugendlichen im Kino oder auf DVD und Blu-Ray zugänglich gemacht werden sollen. Das Gleiche gilt für Spiele, welche auf einem Datenträger vertrieben werden. Ziel ist es, Minderjährige vor Inhalten zu schützen, die ihre Entwicklung oder ihre Erziehung „zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit“ (§ 14 Abs. 1 Jugendschutzgesetz) beeinträchtigen. Filme und Spiele ohne gesetzliche Altersfreigabe dürfen nur Erwachsenen zugänglich gemacht werden. Während die FSK die Altersfreigaben für Filme ausspricht, ist die USK, die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle, für die Freigabe von Spielen zuständig.

Was bedeutet FSK genau?

Linz: Die Abkürzung steht für Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft GmbH. Die FSK ist eine Einrichtung der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft e.V. (SPIO), dem Dachverband von derzeit 16 film- und videowirtschaftlichen Verbänden. Freiwillig ist die Vorlage von Filmen zur Prüfung, da keine gesetzliche Vorlagepflicht besteht. An der Kinokasse, im Geschäft oder der Videothek sind die FSK-Altersfreigaben jedoch verbindlich. Einzige Ausnahme im Kino ist die Freigabe ab zwölf Jahren. In Begleitung der Eltern dürfen laut Jugendschutzgesetz schon Kinder ab sechs Jahren Filme mit der Freigabe ab zwölf Jahren sehen.

Nach welchem Verfahren wird entschieden, welche FSK-Freigabe Filme bekommen?

Linz: Auf der Basis des Jugendschutzgesetzes und der FSK-Grundsätze wird in pluralen, transparenten und unabhängigen Prüfverfahren über die Freigabe entschieden. Die Prüferinnen und Prüfer sind ehrenamtlich tätig und kommen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen und Berufsfeldern. Viele haben Erfahrung in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. In regelmäßigen Fortbildungen werden aktuelle Erkenntnisse aus dem Bereich der Medienwirkungsforschung sowie der Entwicklungspsychologie vermittelt. Ein Spielfilm wird in einem Ausschuss bestehend aus fünf Prüferinnen und Prüfern geprüft. Nach der Sichtung des gesamten Filmes diskutieren die Prüferinnen und Prüfer über die Wirkung auf Kinder und Jugendliche und entscheiden im Rahmen einer Abstimmung mehrheitlich über die Altersfreigabe. Wichtig ist festzuhalten, dass mit der Altersfreigabe keine pädagogische Empfehlung oder ästhetische Bewertung verbunden ist. Es gibt auch keinen fest gefügten Kriterienkatalog für die Beurteilung der Wirkung. Jeder Film wird individuell und ausschließlich im Hinblick auf eine mögliche Entwicklungsbeeinträchtigung für Kinder und Jugendliche beurteilt.

Entscheidet nur die FSK, ab welchem Alter ein Film freigeben wird, oder gibt es noch andere Prüfstellen?

Linz: Für die Altersfreigabe von Filmen im Kino sowie auf DVD und Blu-Ray ist nur die FSK zuständig. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien kann Filme, welche nicht von der FSK freigegeben wurden, indizieren. Diese Filme unterliegen dann weitergehenden Verbreitungsbeschränkungen beziehungsweise dürfen gar nicht vertrieben werden. Für TV-Inhalte, die im privaten Rundfunk ausgestrahlt werden, ist die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen zuständig.

Für wie wichtig halten Sie persönlich Altersfreigaben?

Linz: Ich glaube, dass die FSK-Altersfreigaben in zweifacher Hinsicht eine sehr wichtige Funktion erfüllen. Zum einen schützen sie Kinder und Jugendliche vor Inhalten, die sie überfordern, verängstigen, belasten oder negativ beeinflussen. Zum anderen haben sie in der Öffentlichkeit auch eine bedeutende Orientierungsfunktion. Dies zeigen uns die zahlreichen Zuschriften von Zuschauern, welche sich mit den Freigaben auseinandersetzen. Jugendschutz ist eben keine exakte Wissenschaft, sondern lebt von einem ständigen Diskurs und der Notwendigkeit, sich immer neu an veränderte Umweltbedingungen anzupassen.

Wie reagieren Jugendliche, wenn sie merken, dass sie einen Film aufgrund ihres Alters noch gar nicht gucken dürfen, es aber unbedingt wollen?

Linz: Es kann natürlich ärgerlich für Jugendliche sein, wenn sie einen interessanten Film aufgrund der Altersfreigabe nicht sehen können. Manchmal erreichen uns Mails, in denen Jugendliche um eine Ausnahme bitten. Das ist leider nicht möglich, da die Altersfreigabe eines Filmes ja den Sinn und Zweck hat, Jugendliche vor Inhalten zu schützen, welche sie im Zweifelsfall vielleicht auch lieber nicht sehen würden.

Wie stellt die FSK sicher, dass ihre Freigaben noch up to date sind?

Linz: Die FSK hat regemäßig Besuch von Schulklassen und Kinder- beziehungsweise Jugendgruppen, mit denen wir aktuelle Filme sichten und gemeinsam über die Altersfreigaben diskutieren. Darüber hinaus hat die FSK zusammen mit dem Jugendministerium Rheinland-Pfalz die Forschungsreihe „Medienkompetenz und Jugendschutz“ ins Leben gerufen. An der Forschungsreihe über die Wirkung von Filmen haben in den letzten zehn Jahren fast 2000 Kinder und Jugendliche im Alter von drei bis 17 Jahren teilgenommen. Die Ergebnisse werden bei künftigen Freigabeentscheidungen berücksichtigt und sind im Internet veröffentlicht.

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare