Missstände in "WC"

Ekliger Klokrieg in Kapstadt

Kapstadt - Ein skurriler "Klokrieg" tobt derzeit in der südafrikanischen Provinz Westkap, bei dem in den vergangenen Wochen wütende Bürger die Straßen und Regierungsbüros mit Fäkalien zupflasterten.

„WC“ ist das offizielle Kürzel der südafrikanischen Provinz Westkap. Zuletzt wurde die Provinz ihrem Akronym buchstäblich gerecht. Lokale Medien sprechen bereits vom „Toilettenkrieg“.

Durch das Township Gugulethu wandert eine Truppe von 180 Menschen: Toilettenreiniger, begleitet von Polizisten und Leibwächtern. Angeführt wird die Truppe von einer energischen Grauhaarigen, auf deren Warnweste „Bürgermeister“ steht. Stadtoberhaupt Patricia De Lille will davon überzeugen, dass die Regierung die Bewohner der Armensiedlung nicht vergessen hat.

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In einigen Townships, wie die Armenviertel genannt werden, wurden seit mehr als sechs Wochen die mobilen Toiletten nicht geleert: Die Reiniger streiken für höhere Löhne und blieben von der Arbeit fern. Nun hat die Stadt zusätzliche Arbeiter engagiert, die vorübergehend von einer Polizeieskorte vor den wütenden Bürgern beschützt werden. „Meine Sorge ist, dass die Reiniger nicht immer beschützt werden können. Es kostet zu viel“, sagte De Lille am Dienstag zu Journalisten.

Das Township Khayelitsha ist die Heimat von mindestens 1,5 Millionen Menschen. Eine saubere Toilette haben die wenigsten. Der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge haben nur 79 Prozent der Südafrikaner Zugang zu Sanitäranlagen. 2004 versprach der damalige Staatspräsident Thabo Mbeki sauberes Wasser und Toiletten für alle - binnen fünf Jahren. Doch davon ist das Land noch weit entfernt.

In Khayelitsha gibt es für drei bis sechs Wellblechschuppen ein mobiles Toilettenhäuschen. Die Provinzregierung versucht, die Lage mit der Verteilung kleiner, tragbarer WCs zu verbessern. Aber auch diese verschaffen den Bewohnern kaum Erleichterung: „Lieber grabe ich ein Loch im Boden. Das ist besser, als ein stinkendes Mobilklo in meinem Wohnzimmer zu haben“, zitiert die Tageszeitung „Cape Times“ einen Bürger. Eine andere klagt, sie müsse sich eine Toilette mit ihren sieben Enkeln teilen; der 21-Liter-Tank sei nach einem Tag voll.

Fäkalien auf Autobahn verstreut

Der „Toilettenkrieg“ begann vor zwei Wochen, als streikende Reiniger die Autobahn N2 sperrten und Fäkalien verstreuten. Weil die Toiletten weiter nicht entleert wurden, folgten die Townshipbewohner diesem Beispiel: In Kapstadt wurden mehrere Regierungsbüros mit Fäkalien beschmiert, und bei einer Rede der Premierministerin der Provinz wurde auch deren Konvoi mit der Brühe beworfen. Dutzende Demonstranten wurden festgenommen, als sie mit der Bahn eimerweise Fäkalien aus den Townships in die Stadt transportieren wollten.

Auch Ivan Meyer, Stadtrat für Kultur und Sport, wurde Opfer des „Klo-Kriegs“, als Vandalen Kot vor seinem Büro verteilten. Er glaubt an ein böses Spiel des regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC). Der Anführer der Kampagne sei ein bekannter ANC-Regierungsrat in Kapstadt, der bereits früher einmal festgenommen worden sei. Das Westkap ist die einzige Provinz Südafrikas, die von der oppositionellen Demokratischen Allianz (DA) regiert wird.

Im Auftakt zu den Wahlen 2014 entwickelt sich der Fäkalien-Disput zum Politikum. Die DA zeigt sich überzeugt, dass radikale Elemente der ANC-Jugendliga die Proteste anheizten; der ANC beschuldigt umgekehrt die DA, sie kümmere sich zu wenig um die Townships. „Sicher profitiert der ANC von den Protesten, weil er in den Augen der Wähler Schwachstellen der DA aufzeigt“, meint der Politologe Ralph Mathekga. Die Proteste seien darauf ausgerichtet, die DA zu schwächen.

International sorgte für Wirbel, dass die Vandalen auch ein Gebäude mit Büros des Hohen UN-Flüchtlingskommissariats UNHCR verunreinigten. „Das ist eine Attacke auf die Vereinten Nationen - der ANC muss sich entschuldigen“, fordert DA-Stadtrat Meyer. Die UN sollten gut beobachten, wie weit der ANC geht, wenn er die Provinzwahlen verliert: „Die Unterstützer versuchen, das Westkap unregierbar zu machen.“

KNA

Quelle: wa.de

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