Jan Niklas Schwabecher lebt für ein Jahr in Nicaragua / Probleme merkt man Landsleuten nicht an

Jan Niklas Schwabecher in Nicaragua: Hochachtung vor der Lebensart

In Nicaragua unternahm der Lüdenscheider Jan Niklas Schwabecher (rechts) unter anderem eine Kayak-Tour. Der 18-Jährige absolviert dort derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr.

LÜDENSCHEID/CORINTO -  Der Lüdenscheider Jan Niklas Schwabecher (18) lebt seit August im zentralamerikanischen Staat Nicaragua. Dort absolviert er im Rahmen des Freiwilligenprogramms „Weltwärts“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ein Freiwilliges Soziales Jahr. Für yourzz berichtet er über sein Auslandsjahr.

Teil III: Gemeinsam mit meinen deutschen Mitfreiwilligen reiste ich auf die „Isla de Ometepe“. Das ist eine Insel mitten im größten See Mittelamerikas, dem Nicaraguasee. Ometepe besteht eigentlich aus zwei Teilen mit jeweils einem großen Vulkan. Dort kann man die Flora und Fauna Nicaraguas hautnah erleben. Denn es gibt keine wirklichen Städte, sondern nur kleine Dörfer mit einigen Hostels und ist daher besonders für abenteuerlustige Reisende, die nicht viel Wert auf Massentourismus und Komfort legen, interessant.

Nach der Überfahrt mit der Fähre fuhren wir mit einem kleinen Bus über unbefestigte Straßen ans andere Ende der Insel. Am selben Tag unternahmen wir eine fünfstündige Kayak-Tour zu einem kleinen Fluss, in dem wir viele Tierarten, wie zum Beispiel Vögel und sogar Kaimane, begutachten konnten. Die Anstrengung hatte sich echt gelohnt, denn ich habe diese Tiere noch nie in der freien Natur aus circa zwei Meter Entfernung gesehen.

Am Abend gingen wir früh ins Bett, da wir für den nächsten Tag eine Wanderung zu einem Wasserfall mitten im Dschungel geplant hatten. Der Weg stellte sich um einiges länger heraus, als wir angenommen hatten. Es war einfach so dermaßen schwül-heiß, dass unsere Kleidung komplett nass geschwitzt war. Dennoch war die Geräuschkulisse im Dschungel atemberaubend.

Nach einigen Stunden erreichten wir endlich den Wasserfall. Nach einer erfrischenden Dusche im eiskalten Wasser ging es auch schon wieder zurück. Auf der Rückkehr hielten wir noch beim „Ojo de agua“, einem Naturschwimmbecken, an. Erschöpft erreichten wir am Abend Moyogalpa, den größten Ort der Insel. Für den nächsten und letzten Tag planten wir eine Pferdetour.

Eigentlich wollten wir auch einen Vulkan besteigen, doch die veranschlagten 15 Stunden waren uns dann doch zu viel. Nach den sportlichen Aktivitäten vorher, waren wir eh schon ziemlich kaputt. Am Nachmittag ging es mit der Fähre und anschließend mit dem Bus zurück in meinen Ort Corinto.

Aber natürlich reise ich nicht nur. Meine Arbeit lässt sich als (Schul-)Sozialarbeit bezeichnen, die sehr abwechslungsreich und interessant ist. Im Dezember werde ich voraussichtlich in Schulen Erste-Hilfe-Kurse durchführen, da es hier keine obligatorische Breitenausbildung gibt.

Außerdem habe ich bereits viele nette Menschen kennengelernt und einen ersten Eindruck über das Entwicklungsland Nicaragua gewinnen können. Trotz der vielen Probleme, wie Armut, Arbeitslosigkeit oder der sich daraus ergebenen Chancenlosigkeit für viele Menschen, ist das Leben hier sehr wert- und liebevoll. Man sieht den Menschen ihre Probleme nicht unbedingt an. Sie laufen fröhlich durch die Straßen und nehmen ihr Schicksal so wie es ist. „Así es la vida, seguir adelante“ – so ist das Leben, man muss vorwärts gehen, hört man oft.

Ich habe echte Hochachtung vor dem stressfreieren und einfacheren, aber in vielen Bereichen auch glücklicheren Leben, als in Deutschland.

Quelle: wa.de

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