Charlotte Eggert (19) ist für ein halbes Jahr in Kanada

HAMM - Die 19-jährige Charlotte Eggert hat sich nach ihrem Abitur am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium entschieden, ins Ausland zu reisen. Auf ihrem Blog, den sie seit ihrem Aufenthalt Anfang Oktober führt, berichtet sie von ihrer Reise. Mit ihr sprach Fidan Kalach.

In welchem Land bist du zurzeit und was machst du dort?

Charlotte: Ich beantworte diese Fragen aus einem Hostel in Seattle, im Moment mache ich nämlich einen Abstecher in die USA, um mir die Stadt anzuschauen, ein bisschen zu shoppen (hier ist es nämlich günstiger) und meine ehemalige Gastfamilie zu besuchen. Aber eigentlich habe ich mich dafür entschieden, circa ein halbes Jahr in Kanada zu verbringen, um dort viel zu reisen und ein bisschen zu arbeiten, typisch Work & Travel eben.

Warum hast du dich für Kanada entschieden? Warst du schon einmal dort?

Charlotte: Nach der Schule gleich zu studieren kam für mich eher nicht infrage, da ich mir erst sicherer sein wollte, in welche Richtung es gehen soll. Außerdem fühlte ich mich sowieso noch nicht bereit, mich so lange an etwas zu binden, ohne vorher genug gesehen, erlebt und ausprobiert zu haben. Da mich die typischen Work & Travel-Länder Australien und Neuseeland eher wenig reizen und es dort ziemlich sicher vor Deutschen nur so wimmelt (aber das ist in Vancouver nicht anders, habe ich jetzt gelernt), und weil ich gerne Snowboard fahre, ist es also Kanada geworden, und bis jetzt bin ich mit meiner Wahl mehr als zufrieden.

Welche Erfahrungen hast du bis jetzt sammeln können?

Charlotte: Ich bin jetzt seit etwas mehr als einer Woche in Nordamerika, und da ich schon mal ein Schuljahr in den USA verbracht habe, kann ich sagen, dass ich in Kanada äußerlich auf den ersten Blick kaum einen Unterschied zu den USA gesehen habe. Aber mir sind trotzdem einige Dinge aufgefallen: Kanadier sind unglaublich freundlich, es scheint viel Wert auf „local & organic products“ gelegt zu werden, Waffen werden eher abgelehnt, alles ist ziemlich teuer, und an wirklich jeder Ecke findet man einen Tim Horton’s! Damit sehe ich einige Klischees bestätigt. Ich war bis jetzt allerdings nur in Vancouver.

Was sind die Unterschiede zwischen Deutschland und Kanada?

Charlotte: Diese Frage habe ich mal an meinen Mitreisenden Lars weitergegeben, da er schon zwei Monate hier und mehr rumgekommen ist als ich. Er meint, es wäre vor allem auf dem Land so, dass die Menschen hier unglaublich offen, hilfsbereit und weniger distanziert sind. So ist man plötzlich kein Fremder mehr, sondern ein „Buddy“ oder „Bro“, wird zum Essen eingeladen oder bekommt einen Schlafplatz für die Nacht angeboten. Ich selber kann bestätigen, dass sich mir noch niemand mit Nachnamen vorgestellt hat, und dass man bei dem kleinsten Problem sehr schnell Hilfe angeboten bekommt.

Wie sind die Kanadier? Ist es schwierig neue Leute kennen zu lernen?

Charlotte: Grundsätzlich ist es super leicht, unterwegs Leute kennenzulernen. Reisende sind in der Regel sehr offen und kontaktfreudig, und haben viele tolle Stories zu erzählen. Richtige Kanadier habe ich in der kurzen Zeit, in der ich hier bin, leider noch nicht näher kennengelernt, da ich erst in einem typischen Backpacker-Hostel gewohnt habe, und dann bei zwei anderen Deutschen eingezogen bin, mit denen ich einen Trip hoch in die Provinz Yukon und in die Nordwest-Territorien plane. Wenn ich dort oben nicht einige waschechte Kanadier treffe, wäre das schon enttäuschend.

Hast du schon Heimweh?

Charlotte: Das schlechteste Gefühl hatte ich vor meiner Abreise. In den letzten Wochen und Tagen davor habe ich viel mit meinen Freunden und meiner Familie unternommen, habe noch einiges gemacht, was ich lange schon machen wollte, bin weggefahren, habe mich in neue Städte verliebt… das hätte eigentlich so weitergehen können, wäre da nicht dieser immer näher rückende Abflugtermin gewesen. Das Gefühl hat mich noch auf dem Flug begleitet, sich dann aber in Luft aufgelöst, als ich im Hostel in Vancouver angekommen bin. Wahrscheinlich war ich einfach zu müde, um weiter zu grübeln, und ab da wurde es toll und ist es immer noch. Die wunderschöne Natur, die lieben Leute und die Vorfreude auf unseren Yukon-Roadtrip, auf dem uns viele Bären, viel Schnee und die Nordlichter erwarten, lassen dem Heimweh kaum eine Chance.

Wie hältst du den Kontakt zwischen deiner Familie und deinen Freunden fest?

Charlotte: Über Skype, Facebook und meinen Blog. Ich melde mich eigentlich nur noch bei meinen Eltern und meinen besten Freunden halbwegs regelmäßig. Was ich so erlebe, halte ich aber in meinem Blog charliegoes.wordpress.com fest und lasse so auch andere daran teilhaben. Aus diesem Grund, und weil ich mit der Idee spiele, (Reise-) Journalismus zu studieren, ist die Idee entstanden, zu bloggen. Alle paar Tage erzähle ich dort, was so passiert ist und poste ein paar Fotos.

Bist du alleine nach Kanada gereist? Und wie finanziert man solch eine Reise?

Charlotte: Ja, ich bin alleine gereist, und allgemein ziehe ich zu solchen Abenteuern auch erstmal lieber alleine los. Auf so einer Reise möchte ich so unabhängig wie möglich und niemandem verpflichtet sein, das stelle ich mir eher belastend vor. Finanziert habe ich mir meine Trips zum Großteil selber, so habe ich seit ich 17 bin nebenbei gekellnert und diesen Sommer einige Wochen bei Volkswagen Autos zusammengeschraubt. Außerdem bin ich meinen Verwandten sehr dankbar, die mich durch kleine Finanzspritzen doch sehr bei meiner Reiserei unterstützen.

Was möchtest du machen, wenn du wieder zurück in Deutschland bist? Studieren oder noch ein Mal reisen?

Charlotte: Ich habe mein Rückflugdatum bewusst offen gelassen, damit ich frei entscheiden kann, ob ich doch länger als ein halbes Jahr bleiben möchte, falls es mir gut gefällt und gut läuft. Wenn ich wieder zurück bin, möchte ich zum Studieren in Deutschland bleiben, allerdings in einer anderen Ecke.

Hier geht's zu Charlottes Blog

Quelle: wa.de

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