Bodypainterin Anna Hübsch: "Männer dauern länger"

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Nacktes Gesamtkunstwerk: Die Künstler Anna Hübsch und Marius Rogalski mit gepainteten Models, die mit dem Hintergrund zu verschwimmen scheinen.

HAMM -Es gibt Menschen, die machen ihren Körper durch eine Menge Tätowierungen zum Kunstwerk. Ein Kunstwerk, das für die Ewigkeit ist. Mit einer anderen Form der Körperkunst hat sich die Hammer Künstlerin Anna Hübsch auseinandergesetzt.

Im Interview mit yourzz-Reporterin Carolin Drees sagt die Betreiberin des Atelier "Arto" über das Bodypainting: „Der Körper wird zu einer großen Leinwand und man kann ihn mit Formen und Farben bis zur Unkenntlichkeit verändern.“

Wie kann der Körper zum Kunstwerk werden?

Anna Hübsch: Der Körper wird zu einem Kunstwerk, indem man ihm andere Farben und Formen gibt. Eine Bemalung verändert die typischen Körperumrisse. Man kann ihn sogar bis zur Unkenntlichkeit verändern. Der Mensch ist dann nicht mehr als Mensch zu erkennen.

 

Ist der Körper dabei eine große Leinwand?

Hübsch:Der Körper ist tatsächlich eine große Leinwand. Es dauert mindestens vier bis fünf Stunden, bis das Kunstwerk fertig ist. Komplizierte Motive dauern natürlich länger. Das bedeutet für Model und Künstler Ausdauer und Kraft.

Was ist denn das Besondere am Bodypainting?

Hübsch: Die Kunst passiert auf dem menschlichen Körper. Man arbeitet mit anderen Menschen zusammen und gestaltet seine Arbeit wesentlich interaktiver. Für gewöhnlich ist die künstlerische Arbeit nämlich eine recht einfache Geschichte, die sich im Kopf abspielt. Dabei ist man ziemlich alleine, vergleichbar mit dem Lesen eines Buches.

Ist das Bodypainting, das Sie betreiben, mit dem zu vergleichen, was man häufig bei Germanys Next Topmodel sieht?

Hübsch: Ja, auf jeden Fall. Das Konzept ist das gleiche: Man malt für den Auftraggeber und das Model wird anschließend für Kalender oder andere Projekte abgelichtet.

Wie kann ich mir ein Bodypainting vorstellen? Welche Utensilien braucht man?

Hübsch: Der Körper wird zunächst grundiert und danach mit spezieller, dermatologisch getesteter und durch Seife abwaschbarer Farbe bemalt. Dann beginnt für die Models die Arbeit. Die müssen die Zähne nämlich manchmal ganz schön zusammenbeißen. Vielen Models ist kalt, egal wie warm es ist.

Denken Sie sich Ihre Motive selber aus oder gibt es vorgefertigte Muster?

Hübsch: Das Bodypainting ist eine spannende Sache. Ich habe es anfangs an meinem Mann und einer Freundin ausprobiert. Mein Gedanke dahinter ist, dass ich den Menschen in der Natur oder einem anderen Muster verschwinden lasse.

Ist estraurig, dass das Kunstwerk nicht ewig währt?

Hübsch: Ich finde es durchaus traurig. Deshalb ist es mir auch wichtig, dass meine Werke professionell fotografiert werden. Man investiert Zeit und Kraft und wenn man am Ende nichts in der Hand hat, ist das traurig.

Gibt es Situationen, an die Sie sich besonders gerne erinnern?

Hübsch: Es gibt lauter spannende Momente. Wir haben einmal in einem Sumpf geshootet. Ein anderes Mal in einem Wald an einem See, dort mussten die Models in die Bäume klettern. Die Kanufahrer auf dem See fanden die Szene sehr interessant. In der Nähe des Baumes konnte man eine Kanu-Traube erkennen. Als Künstler steht man auch immer mit dem Pinsel daneben und malt hier und da nach. Man bekommt das volle Programm mit.

Das Bodypainting kann den Betrachter Glauben machen, dass die Person durchaus Kleidung trägt. So wirkt es zumindest im Fernsehen. Fühlen sich die Models trotzdem nackt und ist es ihnen unangenehm?

Hübsch: Manchmal ist es eine ziemlich peinliche Situation, da die Models fast vollkommen nackt sind. Ich versuche, beim Malen immer neutrale Themen zu finden, über die man sich unterhalten kann. Sobald die Farbe auf der Haut ist, schlüpfen die Models aber in eine andere Rolle und die Peinlichkeit ist verflogen. Allerdings spielt das Vertrauen zwischen Model und Künstler eine große Rolle. Soweit es geht, muss die Intimsphäre bewahrt bleiben. Danach sind viele Models euphorisch, weil sie eine Grenze überschritten haben.

Sind sowohl Männer als auch Frauen vertreten?

Hübsch: Das Verhältnis ist ziemlich ausgeglichen. Männer dauern jedoch deutlich länger, da sie eine wesentlich größere Körperoberfläche haben. Das unterschätzt man häufig. Es gibt auch Teil-Paintings, dabei sehen die Models dann so aus, als hätten sie Kleidung an. Das dauert natürlich nicht so lange.

Quelle: wa.de

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