Hammer gegen Facebook-Kontaktverbot für Lehrer und Schüler

HAMM - Anna Zumbusch ist Schülerin am Galilei-Gymnasium. Auf Facebook ist die 16-jährige Hammerin mit Musik- und Sportlehrer Björn Grote sowie vier weiteren Lehrern befreundet. Was in NRW noch funktioniert, hat das Schulministerium in Rheinland-Pfalz nun offiziell verboten. 

Während das Schulministerium in NRW noch auf eine „pädagogische Distanz zu den Schülern und eine Trennung von dienstlicher und privater Kommunikation” vertraut, ist das Kontaktverbot von Lehrern und Schülern in sozialen Netzwerken in Rheinland-Pfalz nun beschlossene Sache. Der „Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schule“ sei nicht mit dem „Geschäftsmodell von Facebook – einer Auswertung persönlicher Daten für kommerzielle Zwecke“ vereinbar, heißt es vom Ministerium. Auch müsse man darauf achten, „dass die Bedingungen für alle Schüler gleich sind“. 

Björn Grote (37) ist Lehrer am Galilei-Gymnasium.

Lehrer Björn Grote führt das Facebook-Verbot auf die nicht verantwortungsvolle Nutzung einiger Anwender zurück. Für das Verbot als solches hat er kein Verständnis: „Generell sollen Schülerinnen und Schüler dort abgeholt werden, wo sie stehen und auch die Medienerziehung gehört zum Auftrag von Lehrerinnen und Lehrern.“, so der 37-Jährige. Seiner persönlichen Meinung nach sei es durchaus möglich „ein relativ anonymes Lehrer-Profil ohne genaue Angaben zur Person zu erstellen“, so dass Facebook keine persönlichen Daten abgreifen kann. „Die ideale Kommunikationsplattform ist immer diejenige, die von den meisten Menschen einer Zielgruppe genutzt wird. Deshalb wird beispielsweise eine Kommunikation mit Schülern per E-Mail immer schwieriger, da diese zunehmend nur noch in sozialen Netzwerken ‚unterwegs’ sind.“ Die Vorteile eines Systems wie Facebook, das bereits ein fester Bestandteil der modernen Kommunikation ist, zu nutzen, findet Grote wichtig: „Anstatt die Nutzung solcher Plattformen zu verbieten, sollte hierfür vielmehr ein Verhaltenscodex für unerfahrene Anwender erstellt werden.“ 

Die 16-jährige Anna Zumbusch ist auf Facebook mit fünf ihrer Lehrer befreundet. 

Aber auch Schüler sehen im Kontakt mit ihren Lehrern über das virtuelle Netzwerk viele Vorteile. „Wenn Lehrer krank oder auf Klassenfahrt sind, können sie Aufgaben über Facebook an die Schüler schicken. Das kommt immer häufiger vor, da so niemand mehr sagen kann ‚Ich habe die Aufgaben nicht bekommen’, wie es zum Beispiel bei Emails der Fall ist.“, weiß Anna Zumbusch, die die zehnte Klasse am Galilei-Gymnasium besucht und sich durch die Nachrichten ihrer Lehrer „immer bestens informiert“ fühlt. Auch Facebook-Gruppen für die einzelnen Kurse sind laut der Schülerin an der Tagesordnung. „Dort kann man Sachen austauschen oder etwas erfragen, wenn man es nicht verstanden hat.“ 

Kiram Chatha (18) kann sich ein Facebook-Verbot für NRW nicht vorstellen. 

Für den Vorsitzenden der Bezirksschülervertretung, Kiram Chatha, liegt das Problem auf der Hand: „Wenn schon im Unterricht kein klares Verhältnis geschaffen wird, dann kann das im Internet erst recht nicht klappen“, sagt der 18-jährige Schüler des Hammonense. Er glaubt, dass alle Lehrer wissen müssen, wie man sich in sozialen Netzwerken im Kontakt mit Schülern verhält. „Die Schülergeneration lebt nun mal in einem Zeitalter, in dem der Umgang mit sozialen Netzwerken kaum noch wegzudenken ist. Durch den Kontakt mit Lehrern lernen viele vielleicht auch, sich im Internet vernünftig auszudrücken. Ob Lehrer jetzt mit ihren Schülern Kontakt über Facebook oder E-Mails aufnehmen, spielt für mich keine Rolle, solange dies nicht von Lehrern oder Schülern missbraucht wird“, sagt der Hammer, der sich ein Verbot für NRW nicht vorstellen kann.

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Quelle: wa.de

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