Appetit auf Ausbildung machen

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Werben für verschiedene Aufgaben - so lief der Ausbildungsmarkt in Lippstadt ab

Kreis Soest - Zwei Tage lang traf in der Lippstädter Schützenhalle zusammen, was zusammengehört: Jugendliche, die einen Ausbildungsplatz im Kreis Soest suchen – und Unternehmen, die genau solche Plätze haben und junge Leute suchen, die sie besetzen könnten.

Dennoch: Beides zusammenzubringen ist längst nicht immer einfach. „Das ist oft sogar ziemlich schwer“, weiß Dietmar Stemann, Diplom-Sozialarbeiter der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe. „Die meisten Schüler können sich nicht mehr vorstellen, direkt in den Job einzusteigen. An die Regelschulzeit werden die Berufsschule und ein paar Semester Studium gehangen“, erklärt er den Trend bei Jugendlichen. 

„Wir plädieren dafür, es andersherum zu machen. Sprich: Erst eine Ausbildung als praxisorientiertes Fundament zu absolvieren.“ In diesen Kanon stimmen Michael Harzmann und Rainer Panke vom Lipperoder Sanitär- und Heizungsinstallateur Cöhsmeier ein; für sie ist die Messe eine Premiere: „Wir müssen Präsenz zeigen.“ 

Zwei Ausbildungsplätze will man jedes Jahr besetzen, auch beim „Durchschleusen“ der Schulklassen am Freitag habe es schon einige gute Gespräche mit wirklich Interessierten gegeben. Um die Begeisterung für eine betriebliche Lehre bei Jugendlichen zu erhöhen, bieten die Unternehmen nicht nur Info-Flyer und jede Menge Gespräche, sondern vor allem die Möglichkeit, selbst anzupacken: So setzen die Siepmann-Werke zusammen mit den Schülern Bauteile entsprechend einer Zeichnung zusammen, der Thermostathersteller IMI Heimeier hat eine kleine Version der großen Werksmaschine mitgebracht, und Automobilzulieferer Magna lässt Gewichte schätzen sowie Mini-Bewerbungstests ausfüllen. 

Ohne all diese Angebote und Gimmicks läuft nichts, weiß Magna-Ausbildungsleiter Elmar Schütte aus Soest. „Die Unternehmen sind in der Pflicht. Wir müssen auf die Auszubildenden zugehen, weil wir auf sie angewiesen sind. Die Jugendlichen sind zunächst schüchtern, aber es ergeben sich viele tolle Gespräche.“ Zum ersten Mal dabei ist Federn Brand. Der Betrieb aus Anröchte bildet unter anderem Umformmechaniker aus. 

„Dieser Beruf sagt den meisten Jugendlichen überhaupt nichts“, hat Personalreferent Hermann Norenkemper erkannt. Auf der Messe hofft er, einige Schüler für die Ausbildungswege des Unternehmens gewinnen zu können. Bei Tim (15) muss hingegen keine Überzeugungsarbeit mehr geleistet werden. Er weiß, dass er eine Lehre zum Elektroniker absolvieren möchte; ein Schnupperpraktikum in der Branche hat er bereits hinter sich. 

Bei Spenner Zement informiert er sich über die Inhalte der Ausbildung, Vergütung und langfristige Chancen. Um Kontakt auf Augenhöhe herzustellen, hat Ausbildungsleiter Manuel Hustermeier seinen Azubi Marc mitgebracht. Der 19-Jährige aus dem dritten Lehrjahr hat laut seinem Vorgesetzten „einen Draht zu den Jugendlichen. Die jungen Interessierten trauen sich eher, einen Azubi anzusprechen als gleich den Vorgesetzten“, so Hustermeier. Jessica (14) weiß noch nicht, welchen Beruf sie ausüben möchte und ob es überhaupt ins Handwerk gehen soll - über das selbst gehämmerte Herz aus Schiefer für ihre Freundin ist sie so oder so besonders stolz. 

Quelle: wa.de

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