Ausbildungsreihe: Justizvollzugsbeamte

Karsten Passmann bildet in der JVA Hamm Justizvollzugsbeamten aus

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Karsten Passmann

HAMM - Justizvollzugsanstalten: Die Gebäude mit den Gittern vor den Fenstern, die keiner gerne von innen sehen möchte. Und trotzdem befanden sich im November 2013 insgesamt 15099 Gefangene und Verwahrte aus unterschiedlichsten Gründen in den JVAs Nordrhein-Westfalens. Sie müssen von ausgebildetem Personal versorgt und betreut werden.

Karsten Passmann bildet in der JVA Hamm Justizvollzugsbeamten aus. Im Interview mit yourzz-Reporterin Carolin Drees erzählt der 49-jährige Ausbildungsleiter, welche Voraussetzungen man mitbringen muss und wie gefährlich der Beruf tatsächlich ist.

Was bewegt die meisten Menschen dazu, eine Ausbildung bei der Justizvollzugsanstalt zu machen?

Passmann: Viele reizt das Beamtenverhältnis und die damit verbundene sichere berufliche Zukunft. Der Job ist abwechslungsreich und man arbeitet im Team. Das sind die häufigsten Gründe, die von den Anwärterinnen und Anwärtern genannt werden, wenn man fragt, warum sie sich für den Beruf des Justizvollzugsbeamten interessieren.

Welche Voraussetzungen muss man mitbringen?

Passmann: Man muss zunächst die gesetzlichen Voraussetzungen zur Ernennung ins Beamtenverhältnis erfüllen. Das heißt man muss Deutsche/r im Sinne des Grundgesetzes sein, in wirtschaftlich geordneten Verhältnissen leben, keine Vorstrafen haben und das 20. Lebensjahr vollendet haben, aber noch nicht älter als 38 Jahre sein. Zudem sind ein Hauptschulabschluss und eine Ausbildung oder die Fachhochschulreife oder ein gleichwertig anerkannter Abschluss unumgänglich. Wichtig ist außerdem, dass man charakterlich, geistig, körperlich und gesundheitlich für die Laufbahn geeignet ist.

Wie ist der Ablauf der Ausbildung?

Passmann: Die Dauer der Ausbildung liegt bei zwei Jahren und beginnt immer zum ersten Juli jedes Jahres. Die Anwärterinnen und Anwärter gehen neun Monate in die Justizvollzugsschule Wuppertal. Die restlichen 15 Monate sammeln sie praktische Erfahrungen, unter anderem auch im Jugendvollzug und im offenen Vollzug. Im letzten Trimester wird die schriftliche Laufbahnprüfung abgelegt. Haben die Auszubildenden die mündliche Prüfung im Juni des letzten Ausbildungsjahres bestanden, werden sie in das Beamtenverhältnis auf Probe berufen.

Wie sieht der Arbeitsalltag während der Praxisblöcke aus?

Passmann: Der Alltag sieht genauso aus wie der eines ausgelernten Justizvollzugsbeamten. Im Grunde genommen versorgen und betreuen sie die Insassen unter Anleitung. Dazu gehören die Kostausgabe, die Kontrollen der Hafträume und auch die Gespräche mit den Gefangenen.

Wie gefährlich ist die Arbeit in der JVA? Gibt es manchmal brenzlige Situationen zwischen Auszubildenden und Insassen?

Passmann: Die Arbeit in einer JVA birgt genauso Gefahren wie zum Beispiel die bei der Feuerwehr oder der Polizei. Sie bringt ein gewisses Risiko mit sich, aber das bleibt bei der Klientel nicht aus. In Hamm sitzen Menschen mit vielfältigen Nationen, unterschiedlichen Charakteren und ganz verschiedenen Delikten ein. Auseinandersetzungen gibt es nicht mehr so viele wie früher. Es finden regelmäßig Schulungen in Deeskalations- und Sicherheitstechniken statt. Das bringt eine gewisse Sicherheit und Routiniertheit für solche Situationen. Unsere Auszubildenden sind außerdem nicht alleine, sie haben immer einen Praxisanleiter an ihrer Seite.

Wem würden Sie zu einer Ausbildung bei der JVA raten?

Passmann: Man muss auf jeden Fall mit dem Wechsel- und Schichtdienst klarkommen. Gerade dadurch ist es kein leichter Beruf und kann manchmal belastend sein. Spaß an der Arbeit im Team und auch schon gewisse Erfahrungen damit sind unerlässlich. Außerdem muss man charakterfest sein.

Welche Aufstiegschancen hat man nach der Ausbildung zum Justizvollzugsbeamten?

Passmann: Die Justiz bietet intern die Möglichkeit, an Aus- und Fortbildungen teilzunehmen. Interessierte können sich auf die Plätze bewerben und daran teilnehmen. Möchte man in eine Führungsposition wechseln, so muss man sich auf ausgeschriebene Stellen wie in der freien Wirtschaft bewerben und an Auswahlverfahren teilnehmen.

Was würden Sie Menschen, die überlegen bei der JVA anzufangen oder vielleicht sogar schon in der Ausbildung sind, gerne mit auf den Weg geben?

Passmann: Für mich persönlich fängt der Dienst dann an, wenn ich meine Schlüssel in Empfang nehme, und endet, sobald ich sie wieder abgebe. Man lernt irgendwann, die Ereignisse, die drinnen passieren, auch drinnen zu lassen und sie nicht mit raus zu nehmen. Das ist das, was ich meinen Anwärterinnen und Anwärtern auch immer wieder sage.

Quelle: wa.de

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