Neue Gefahren durch "Palcohol"

Symbolbild

Hamm - Alkohol in Pulverform - Palcohol genannt - kommt als neuer Trend aus den USA. Experten warnen vor Risiken und Gefahren für Jugendliche.

Toxikologen Dr. Michael Müller

Palcohol ist ein neuer Trend in den USA. Alkoholpulver sozusagen, das sowohl aufgelöst als auch trocken zu sich genommen werden kann. Für den Toxikologen Dr. Michael Müller besteht die größte Gefahr darin, dass es für Jugendliche ein cooler Einstieg in den Alkoholkonsum sein kann, den nur die wenigsten mit echten Gefahren verbinden. Wie es wirklich ist und ob Alkoholpulver in der Medizin hilfreich sein kann, erfuhr yourzz-Reporterin Carolin Drees im Interview.

Palcohol soll ein Pulver sein, das sowohl pur genommen als auch verdünnt oder aufgestreut auf Brote wie Alkohol wirken soll. Wie funktioniert das?

Müller: Alkohol in Pulverform existiert nicht. Bei Alkohol in Pulverform handelt es sich um gut lösliche Pulver, meist auf der Basis polymerer Zucker, die mit unterschiedlichen Mengen an Alkohol getränkt werden. Das angesprochene Produkt enthält in einer Packung 28 Gramm Pulver mit einem Alkoholgehalt von etwa zehn bis zwölf Volumenprozent Trinkalkohol. Eine Packung Pulver entspricht damit einem guten Schnapsglas voll Wein.

Auch die Zugabe zu festen Arzneimitteln ist ein Anwendungsbereich des Alkoholpulvers. Kann es in der Medizin nützlich sein?

Müller: Gemäß der Webseite des Herstellers soll das Pulver zum Desinfizieren von Wunden geeignet sein. Hierfür bräuchte man aber eigentlich höhere Konzentrationen wie man sie zum Beispiel in Desinfektionstüchern, die mit Alkohol getränkt sind, findet. Außerdem kann das Pulver die Wunde mechanisch reizen und verkleben und damit die Wundheilung stören.

Wo sehen Sie die größten Gefahren?

Müller: Von der Nutzung als Schnupftabakersatz ist gänzlich abzuraten, das Pulver als Träger des Alkohols kann dabei den Nasen-Rachenraum verkleben, es wird auch vom Hersteller davon abgeraten.

Ist Palcohol gefährlicher als Alkohol?

Müller: Problematisch ist die Nutzung als Pulver zum Schlecken. Hier kann die geringe Menge Alkohol „Lust auf mehr machen“ und einen Einstieg zum regelmäßigen Konsum alkoholischer Getränke bedeuten und dies stellt eine nicht zu unterschätzende Suchtgefahr dar.

Wenn es zu einer ähnlichen Wirkung wie Alkohol kommt, ist die Suchtgefahr dann genauso groß?

Müller: Stellt man den Drink nach Anleitung der Verpackung her, entstehen für deutsche Konsumenten keine relevanten Trinkmengen und wahrscheinlich ist es ein sehr teures Vergnügen im Verhältnis zu den „richtigen“ Getränken. Um einen Rauschzustand zu erreichen, müsste man schon erhebliche Mengen konsumieren.

Sähe der Entzug genauso aus wie bei einer „normalen“ Alkoholsucht?

Müller: Toxikologie ist immer einer Frage der Dosis. Alkohol birgt jedoch immer eine gewisse Suchtgefahr, die nicht zu unterschätzen ist. Demnach könnte man in die Sucht rutschen und einen Entzug machen müssen. Gerade bei Menschen, die bereits alkoholabhängig waren, sehe ich eine Gefahr des Rückfalls.

Was können die möglichen langfristigen Folgen sein?

Müller: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät vom Alkoholkonsum generell ab. Es gibt keinen wirkungsfreien Konsum.

Wie sieht die rechtliche Lage aus? Ist Alkoholpulver legal?

Müller: Auf der Website des Herstellers finden sich Hinweise auf Zulassungsschwierigkeiten mit den amerikanischen Behörden, ich gehe davon aus, dass das Getränkepulver noch keine Zulassung in Europa und damit auch Deutschland hat.

Quelle: wa.de

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