Autotuner aus Leidenschaft

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Yunus bei der Autopflege: „Die ist verdammt wichtig, damit der Wagen gut in Schuss ist und auch bleibt.“

Lüdenscheid - Seit sie ihre ersten Autos besitzen, sind Millo Specht und Yunus Pinar voll im Tuninggeschäft dabei. Beide erlernten in einem Lüdenscheider Autohaus den Beruf des KFZ-Mechatronikers.

Von Jan Lehmann

Im Rahmen ihrer Ausbildung erfuhren Millo und Yunus unter anderem auch, wie man ein Gefährt gekonnt und sicher pimpen kann. Millo begann im Jahr 2010 mit einem Ford Focus Ghia, stieg danach auf einen Audi A3 um, anschließend folgten ein Golf IV GTI und ein Golf V R32. Auch Yunus verfiel sehr schnell der kompakten Golf-Klasse, kaufte sich zuerst einen Golf III. Anschließend folgten vier Fahrzeuge – ein VW Polo 86C und drei Golf II.

Aktuell fahren die beiden 22-Jährigen beide einen Golf – außergewöhnlich sind sie aber trotzdem. Die prägnantesten Unterschiede sind hier nicht die PS-Zahlen, denn die liegen beide bei ungefähr 300 PS, sondern die Baujahre. Yunus ist eher auf etwas ältere Fahrzeuge wie den Golf II und III spezialisiert, während Millo mit seinem 2006er Golf V relativ aktuell im Trend liegt.

Beide tunten ihre Fahrzeuge, schraubten sehr viel selber mit Wagenhebern und eigenem Werkzeug auf einem verlassenen Betriebsgelände am Freisenberg, allerdings anders als die „typischen Tuner“. Denn Millo und Yunus geht es bei ihren Fahrzeugen mehr um die Leistung und die Endgeschwindigkeit. „Uns reizt besonders, dass man unseren Fahrzeugen nicht ansieht, wie viel PS sie haben. Es ist einfach ein Hammer-Gefühl, dass ein unscheinbarer Golf so unterschätzt werden kann. Wer meint, er könne mit Papas neuem BMW mit unseren 300 PS Karren mithalten, der hat sich getäuscht!“, schmunzeln die beiden Hobby-Tuner.

Yunus Pinar (l.) und Millo Specht schrauben an ihrem Auto.

Yunus veränderte seinen Gold III GTi an einigen Stellen: Er überarbeitete das Fahrwerk und die Auspuffanlage, außerdem kitzelte er mit einem Motor-Umbau aus einem 1.8 Turbo-Passat 3B knappe 300 PS heraus. Einige kleine Details wie Rückleuchten aus einem gewöhnlichem Golf III gaben dem Erscheinungsbild den gewünschten unscheinbaren Look. Veränderungen an der Bremsanlage und den Felgen sind noch in Planung. Auch Millos Golf V R32 wurde inzwischen mittels Einbau einer anderen Auspuffanlage und Luftansaugung auf rund 300 PS aufgestockt.

Letztendlich steckten Yunus und Millo mehrere tausend Euro in ihre Fahrzeuge, weinen aber dem Geld nicht hinterher, denn: „Wir überlegen uns jede Ausgabe sehr genau, sprechen uns mit Kollegen und anderen Tunern über jede Investition ab. Im Mittelpunkt steht für uns immer der OEM-Style (Original Equipment Manufacturer – Originalausrüstungshersteller). Das bedeutet, dass wir Originalteilen, zumindest markenverwandten treu bleiben. So kommen bei uns auch keine dicken, glänzenden Chromfelgen an die Karren, sondern eher größere Original-Felgen.“

Außerdem würden die beiden Lüdenscheider nur legal tunen. Alle Veränderungen an ihren Autos sind eingetragen. Yunus berichtet, er habe schon negative Erfahrungen mit seinem vorherigen Golf 2 gemacht, mit dem er in Dortmund bei einem Autotreffen rausgewunken wurde. Das Fahrzeug wurde stillgelegt, da einige Teile nicht eingetragen waren. „Ich gebe zu, dass ich dort noch unbedachter war, aber das war uns eine Lehre“, erklärt Yunus.

Tuner aus Überzeugung und Leidenschaft – aber immer legal und mit Blick auf die Sicherheit.

Ganz entscheidend sei auch die ordentliche und richtige Fahrzeugpflege. Die beiden Autotuner waschen ihr Fahrzeug regelmäßig, jedes halbe Jahr gibt es auch noch eine Hochglanzpolitur. Dass Tuner nur rasen und raudimäßig fahren, sei nur ein Vorurteil, erklären Yunus und Millo. Und zu solchen Vorurteilen haben die beiden eine ganz klare Meinung: „Wir halten gar nichts von Rasern, Dränglern und unvernünftigen Fahrweisen. Wir haben noch nie Punkte wegen zu schnellen Fahrens bekommen. Natürlich fahren wir auch mal schnell, um unsere Endgeschwindigkeiten (bis zu 275 Stundenkilometer) auszutesten- Das tun wir dann allerdings auf unbegrenzten und freien Autobahnstrecken!“ Außerdem sei es für die beiden unlogisch, bei der Liebe zum Hobby Unfälle oder Fahrverbote zu riskieren.

Für andere Tuner und solche, die es erst noch werden wollen, haben Yunus und Millo ein paar Tipps auf Lager: Wenn man nicht ausgelacht werden will, weil man seine Karre völlig „The Fast And The Furious“-mäßig aufgetunt hat, solle man lieber mit einfachen Veränderungen anfangen: „Wir beide empfehlen zum Start einen einfachen Golf. Je nach Investitionsgröße kann das natürlich total variieren. Hauptsache, er ist grundsätzlich gut in Schuss. Ersatzteile und dezente Tuningteile wie Verbreiterungen und originale Sportsitze aus einem GT/GTI, originale Stoßfänger mit roten Zierleisten und Rückleuchten von anderen Modellen kriegt man gut und einfach bei Autoverwertungshöfen, über Kleinanzeigen oder von anderen Tunern.

Informationen und Ideen für die eigene Fahrzeuggestaltung findet man in der Tuningzeitschrift „VW Speed“, „VW/Audi Szene“ oder auf Autotreffen. Millo und Yunus fahren oft und regelmäßig zu solchen Treffen, bei denen getunte Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Skoda und Seat zu sehen sind. „Hier trifft man viele Tuner, die man auf Treffen kennengelernt hat, kann sich andere Autos ansehen und neue Ideen für seine eigenen vier Räder sammeln und diese mit ‘Gleichgesinnten’ austauschen!“, erklären Millo und Yunus.

Quelle: wa.de

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