"Viele Facetten"

Voltigieren: Hammerin Lisa Freund war bereits Vize-Meisterin

HAMM – Handstand, Salto, Hebefigur: Was für den Otto-Normalbürger eine riesige Herausforderung darstellt, ist für Lisa Freund der ganz normale Alltag. Die 21-jährige Hammerin voltigiert beim VV Metelen und erreichte bereits 2009 den Titel der Deutschen Vize-Meisterin.

Neben ihrem Psychologie-Studium steigt sie aber auch heute noch am liebsten jeden Tag aufs Pferd. Marc Borgmann sprach mit der Athletin über ihr Hobby.

Wie bist du zum Voltigieren gekommen?

Lisa: Ich habe als ich klein war mit Kunstturnen angefangen. Irgendwann wurde mir das dann aber zu langweilig und meine Freundin hat mich mit zum Voltigieren genommen. Von da an habe ich Turnhalle gegen Reithalle getauscht und würde sie auch für nichts wieder hergeben. So habe ich zu dem perfekten Sport für mich gefunden und den übe ich jetzt seit bereits zehn Jahren aus.

Voltigieren bedeutet Turnen auf einem Pferd, kann man das so sagen?

Lisa: Voltigieren hat viele Facetten. Zum einen das Turnen und die Gymnastik auf und mit dem Pferd, richtig. Dazu gehört jedoch noch einiges mehr. Die Harmonie und Zusammenarbeit von Trainer, Pferd und Voltigierer ist eine weitere wichtige Komponente. Im Gruppenvoltigieren muss unter anderem eine besondere Vertrauensbasis sowohl zwischen den Teammitgliedern als auch zwischen Pferd und Team und Trainer und Team bestehen. Sich auf jedes Mitglied verlassen zu können ist eine wesentliche Grundlage für den späteren Erfolg. Voltigieren ist absolute Vielseitigkeit und das macht den Sport zu etwas ganz besonderem.

Braucht man für das Voltigieren ein speziell ausgebildetes Pferd?

Lisa Freund

Lisa: Ja. Nicht jedes Pferd eignet sich als Voltigierpferd. Es wird über mehrere Jahre ausgebildet und viel Mühe und Zeit investiert, um es zu einem entspannten und guten Voltigierpferd auszubilden. Ich habe großen Respekt vor der Leistung der Pferde, wenn ich sehe, wie entspannt sie in eine riesige Halle voller Menschen kommen und sich beste Mühe geben, alles richtig zu machen und dabei ruhig zu laufen.

Wie muss man sich deinen Trainingsplan vorstellen?

Lisa: Der Trainingsplan ist variabel, je nach Saisonzeitpunkt. Momentan arbeite ich an meiner körperlichen Fitness, um eine gute Grundlage für die nächste Saison zu erarbeiten. Im Frühjahr werden dann schon, in Vorbereitung auf die Saison und die Turniere, Kürelemente verstärkt trainiert und an den speziellen Pflichtübungen auf dem Pferd gearbeitet. Ein einzelnes Training variiert ebenfalls je nach Stundenziel. Das Wochenpensum liegt bei rund zwölf Stunden.

Was sind deine bislang größten Erfolge und schönsten Erinnerungen?

Lisa: Mein bisher größter Erfolg war der Titel bei der Europameisterschaft 2008 im tschechischen Brno mit der Mannschaft. Eine der tollsten Erinnerungen daran ist die sogenannte Kiss&Cry Area, in der die Noten direkt nach dem Start verkündet werden. Es ist ein unglaubliches Gefühl, einen solchen Erfolg und den langen Weg dorthin mit einer Mannschaft erleben zu dürfen - mit all seinen Höhen und Tiefen - und dann zu erfahren, dass ein Traum wahr wird und die eigene Meisterschaft gewonnen hat. Ein Weiterer toller Erfolg war die Deutsche Meisterschaft 2009 in Aachen im Einzelvoltigieren. In Aachen herrscht immer eine wahnsinnige Atmosphäre und es war ein großartiges Gefühl, dort einzulaufen. Dort wurde ich dann Deutsche Vize-Meisterin.

Wem würdest du vom Voltigieren eher abraten und welche Gefahren gibt es? Hast du dich schon mal verletzt?

Lisa: Grundsätzlich würde ich niemandem vom Voltigieren abraten. Je früher man jedoch anfängt, desto besser ist es. Ich habe mich schon das ein oder andere Mal verletzt. Das hält mich jedoch nicht davon ab, immer wieder aufs Pferd zu springen. Vor zwei Jahren habe ich mir beim Training mein Knie in alle Einzelteile zerlegt. Dank einer tollen medizinischen und physiotherapeutischen Behandlung und Nachbehandlung ist es wieder komplett einsatzbereit, worüber ich sehr glücklich bin.

Könntest du dir vorstellen dein Hobby zum Beruf zu machen? Wie könnte der Beruf dann aussehen?

Lisa: Ich könnte es mir überhaupt nicht mehr vorstellen, ohne Voltigieren zu leben. Deswegen hoffe ich, dass ich noch lange Zeit aktiv in dem Sport bleibe, sei es als aktive Voltigiererin oder vielleicht später auch als Trainerin. Jedoch freue ich mich genauso auf meinen späteren Beruf, der vermutlich irgendwo im Bereich der Psychologie liegen wird. Ich hoffe aber, dass das Voltigieren immer ein Ausgleich für mich bleibt.

Quelle: wa.de

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