Marta Chmielnicki Martinez: Von Valencia nach Deutschland

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Marta an ihrem Arbeitsplatz, dem Lüdenscheider Brauhaus, während der Fußballweltmeisterschaft.

Lüdenscheid - Von einem Tag auf den anderen das gewohnte Leben aufgeben und nur mit dem Nötigsten in ein völlig fremdes Land auswandern. Was für viele unvorstellbar ist, wurde für die 18-jährige Marta Chmielnicki Martinez und ihre Familie Realität. Sie zog vor einem Jahr aus Valencia in Spanien nach Lüdenscheid.

Von Julia Chodkowska

Als Martas Vater Bohdan, der 20 Jahre ein eigenes Bauunternehmen führte, dieses aufgrund der Krise der spanischen Baubranche schließen musste, lebte die vierköpfige Familie nur noch von den Ersparnissen und dem Geld, das Martas Mutter Mirabel als Aushilfe in einer Bäckerei verdiente. Da die Arbeitssituation in Spanien sehr schlecht ist und gerade junge Leute nach ihrer Schulausbildung kaum noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, war der Umzug nach Deutschland ein letzter Hoffnungsschimmer. „Als wir uns entschieden haben, nach Deutschland auszuwandern, hatte ich große Angst. Ich wusste nicht, was mich erwartet, wie es mit der Schule weitergehen soll. Ich konnte ja nicht einmal die Sprache. Außerdem war es nicht einfach alles aufzugeben und zu wissen, dass ich in Deutschland mein Leben von vorn aufbauen muss. Der Abschied von meinen Freunden war besonders traurig, mir war allerdings auch klar, dass ich immer wieder nach Spanien zurückkommen und sie wiedersehen kann. Es gab keinen anderen Ausweg, als von dort wegzuziehen. Hier in Deutschland haben wir viel mehr Möglichkeiten“, erzählt Marta.

Gepackt wurde nur das Nötigste. Bohdans Cousine, die ebenfalls in Lüdenscheid lebt, mietete für Martas Familie eine Wohnung an. Endlich angekommen, gab es gleich zu Beginn gerade für Marta einige Hürden zu überwinden. „Anfänge sind nie leicht. Als wir hier in Lüdenscheid angekommen sind, wurde der Kontrast zwischen dem sonnigen Wetter in Spanien und dem verregneten hier in Lüdenscheid direkt deutlich. So niedrige Temperaturen zur Sommerzeit kannte ich bisher nicht. In Valencia war unsere Wohnung nur 500 Meter vom Strand entfernt – und Lüdenscheid ist eine Bergstadt. Für mich sind das enorme Unterschiede, an die ich mich erstmal gewöhnen musste. Die Sprache konnte ich auch nicht. Im Vergleich zu Spanien ist so vieles hier anders. Das wirkte zuerst bedrückend, aber schnell nahm ich die Umstellung und die neue Situation als Herausforderung an“, erklärt Marta.

Nach ersten Rückschlägen, besonders aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse, ging es wieder bergauf. Marta schrieb sich in Lüdenscheids Basketballmannschaft „Baskets“ ein und fand schnell Anschluss. Sie besucht nun schon seit zehn Monaten einen Deutschkurs, und das macht sich mehr und mehr bemerkbar. „Die Schule gefällt mir. In den zehn Monaten habe ich viel Deutsch gelernt.“ Martas Lehrerin Cornelia Pfitzer kann sich dem nur anschließen: „Marta fällt immer positiv auf. Klar, jeder macht hin und wieder mal Fehler, aber gerade vor denen sollte man beim Lernen einer neuen Sprache keine Scheu haben und die hat Marta auch nicht. Mit ihrer lebendigen, herzlichen Art belebt sie den Kurs.“

Doch ganz sorgenfrei ist die Familie noch nicht. Unklar ist bis jetzt, ob Martas Schulabschluss in Deutschland anerkannt wird und wie es nach dem Sprachkurs für sie weitergehen soll. Martas 14-jährige Schwester Ines besucht die Hauptschule Stadtpark und hat sich mittlerweile sehr gut integriert. Martas Vater hat einen Arbeitsplatz in der Baubranche, und ihre Mutter arbeitet als Aushilfe in einem Restaurant.

Heute kann Marta gelassen auf den Umzug zurückblicken. Nach dem Motto „Wer in Deutschland arbeiten will, findet Arbeit!“ –, hat auch sie sich in Eigeninitiative um einen Nebenjob als Kellnerin im Lüdenscheider Brauhaus bemüht und diesen bekommen. Ein großer Motivationsschub und immer wieder eine Möglichkeit, sich selber zu beweisen, findet sie. „Mir macht die Arbeit wirklich Spaß. Ich mag den Kontakt mit Menschen und kann nebenbei noch an meiner Sprache feilen. Gerade jetzt während der WM ist immer viel los. Ich hätte mir vor einem Jahr nie ausgemalt, dass ich mal Deutschland die Daumen drücke. Jetzt, da Spanien ausgeschieden ist, fällt es mir besonders leicht.“

Quelle: wa.de

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