Weltbank: Risiken für Erholung der Weltwirtschaft

New York/Shanghai - Nach der Finanzmarktkrise wird die globale Wirtschaft noch über Jahre an den Folgen leiden. Dies gab die Weltbank am Donnerstag bekannt.

Zwar sei die “akute Phase“ der Krise vorüber, es gebe aber nach wie vor chronische Schwächen, warnte die internationale Finanzinstitution in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Konjunkturausblick. Vieles hänge vom Timing bei der Rückführung der massiven Programme zur Stimulierung der Wirtschaft und der Anpassung der Geldpolitik ab. Würden dabei Fehler gemacht, drohe 2011 eine neue Rezession, erklärte die Weltbank.

Für das laufende Jahr prognostiziert die Weltbank in ihrem Bericht ein globales Wirtschaftswachstum von 2,7 Prozent und für 2011 eines von 3,2 Prozent. Die Autoren des Berichts schränken aber ein, dass es bei der Prognose große Unsicherheiten hinsichtlich der Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte 2010 und darüber hinaus gebe. Im vergangenen Jahr schrumpfte die Weltwirtschaft um 2,2 Prozent. Die Wirtschaft in Europa dürfte nach Einschätzung der Weltbank in diesem Jahr um ein Prozent wachsen. Damit liegt Europa deutlich unter dem für die USA prognostizierten Wachstum von 2,5 Prozent für das Jahr 2010. Einen Spitzenplatz belegt weiterhin China mit einem prognostizierten Wirtschaftswachstum von 9 Prozent in diesem Jahr und im nächsten Jahr, nach 8,4 Prozent 2009.

Keine schnelle Konjunkturerholung

“Unglücklicherweise können wir nicht über Nacht mit einer Konjunkturerholung von der tiefen und schmerzhaften Krise rechnen, weil es viele Jahre dauern wird, um die Wirtschaft und die Arbeitsplätze wieder aufzubauen“, erklärte Chefvolkswirt Justin Lin. Die Experten rechnen weiterhin mit einer restriktiven Kreditvergabe der Banken und generell verhaltener Investitionsbereitschaft. Im vergangenen Jahr sanken die weltweiten Investitionen um nahezu 10 Prozent. Allerdings sieht die Weltbank auch Positives: Der Ölpreis dürfte stabil bleiben und um 76 Dollar je Barrel pendelt. Andere Rohstoffpreise würden moderat um 3 Prozent in diesem und im kommenden Jahr steigen.

Das Volumen des Welthandels, das 2009 um 14,4 Prozent einbrach, soll um 4,3 Prozent in diesem Jahr und um 6,2 Prozent 2011 steigen. Bereits am Mittwoch hatten die Vereinten Nationen ihre Einschätzung der Konjunkturentwicklung veröffentlicht. Danach verläuft die Erholung der globalen Wirtschaft holprig und bleibt instabil. Für 2010 rechnen die UN mit einer Wachstumsrate von 2,4 Prozent für die Weltwirtschaft. Gegenüber dem zweiten Quartal 2009 habe sich die Lage verbessert, heißt es im Jahresausblick der UN. Damals steckte die Weltwirtschaft in ihrer tiefsten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg.

Warnung vor Rückfall in Rezession

Die Aktienmärkte hätten sich erholt, Handel und Produktion würden wieder zunehmen, und Risikoprämien für Kredite seien gesunken. Die Trendwende zurück zum Wachstum sei zu keinem unerheblichen Teil auf die teils massiven Konjunkturprogramme zurückzuführen, schreiben die UN-Experten. Und warnen: Ein vorschnelles Ende der Wirtschaftsstimulierung könne zu einem Rückfall in die Rezession führen.

Am stärksten würden die Wirtschaften in diesem Jahr in Entwicklungsländern insbesondere aus Asien wachsen. “Die Weltwirtschaft ist auf dem Weg der Besserung“, resümiert der Bericht. Aber die Erholung werde holprig verlaufen und Bedingungen für eine Rückkehr zu nachhaltigem Wachstum blieben fragil.

apn

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