WestLB-Nachfolgerin schreibt tiefrote Zahlen

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Auch in diesem Jahr rechnet die Portigon-Gruppe wieder mit einem Verlust "in der Größenordnung eines mittleren dreistelligen Millionenbetrags". Foto: Martin Gerten

Der Rückbau der einst größten deutschen Landesbank macht rasche Fortschritte. Doch die Zukunft von Hunderten Mitarbeitern der Service-Tochter PFS ist weiter ungeklärt.

Düsseldorf (dpa) - Die Abwicklung der einst größten deutschen Landesbank WestLB kostet auch fast drei Jahre nach ihrer Zerschlagung weiterhin viel Geld.

Durch die Aufräumarbeiten entstand bei der WestLB-Nachfolgerin Portigon 2014 ein Verlust von fast 237 Millionen Euro, wie Unternehmenschef Kai Wilhelm Franzmeyer berichtete. Auch in diesem Jahr rechnet die Portigon-Gruppe wieder mit einem Verlust "in der Größenordnung eines mittleren dreistelligen Millionenbetrags".

Dennoch zeigte sich Franzmeyer überzeugt, dass das verbliebene Eigenkapital in Höhe von zwei Milliarden Euro für die Aufräumarbeiten ausreichen wird. Ursprünglich hatten das Land Nordrhein-Westfalen, die NRW-Sparkassen und der Bund 4,1 Milliarden Euro Kapital bereitgestellt. Durch die Verluste der vergangenen Jahre wurde diese Summe inzwischen halbiert.

Die EU hatte Mitte 2012 die Zerschlagung der WestLB erzwungen. Teile übernahm die Helaba, andere Vermögenswerte wurden auf eine Bad Bank übertragen. Was übrig blieb - vor allem die Düsseldorfer Zentrale mit zahlreichen Mitarbeitern - wurde in der Portigon AG zusammengefasst. Doch tickt für Portigon die Uhr. Denn bis Ende 2016 muss das Herzstück des Unternehmens, das in der Tochter PFS zusammengefasste Servicegeschäft, entweder verkauft oder abgewickelt werden. Danach soll nur noch eine Rumpfmannschaft von 140 der ursprünglich über 4000 Mitarbeiter die letzten Aufräumarbeiten abschließen. Wobei dies wegen langfristiger Verpflichtungen bis 2042 dauern könnte.

Der rasche Rückbau des Finanzdienstleisters gemäß den EU-Auflagen spiegelt sich in den Zahlen wider. Die Bilanzsumme von Portigon verringerte sich im vergangenen Jahr um 37 Prozent auf 19,4 Milliarden Euro. Die Zahl der Vollzeitkräfte im Konzern sank um fast ein Drittel auf knapp 1400. Gleichzeitig schloss Portigon die Niederlassungen in Istanbul und Schanghai. Das Büro in Tokio wurde Anfang März aufgegeben. Hongkong und Singapur sollen noch in diesem Jahr folgen.

Knapp 600 Mitarbeiter der Service-Tochter PFS schauen allerdings noch in eine ungewisse Zukunft. Der Portigon-Vorstand will in diesem Jahr die Voraussetzungen für die von der EU geforderte Privatisierung der Tochter schaffen. Dafür müssten aber die Beziehungen zwischen der PFS und ihrem Hauptkunden. der WestLB-Bad-Bank EAA. auf eine langfristige Basis gestellt werden, sagte der Portigon-Chef. Die bisherigen Verträge laufen 2016 aus.

Mehr Schlagzeilen als mit dem Personalabbau machte Portigon allerdings zuletzt mit den Plänen zum Verkauf der noch aus WestLB-Zeiten stammenden Kunstsammlung, zu der neben Werken von August Macke, Günther Uecker oder Pablo Picasso auch wertvolle Musikinstrumente wie die Stradivari "Lady Inchiquin" gehören.

Portigon erwartet durch den Verkauf Einnahmen von mehr als 29 Millionen Euro. Doch hatten die Pläne einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Der Portigon-Chef betonte, das Unternehmen müsse sich an rechtliche Vorgaben halten und die Kunst wie alle anderen Vermögenswerte des Konzerns behandeln. Portion sei aber offen für alle konstruktiven Lösungen. "Ich bin ganz guter Dinge, dass am Ende etwas Vernünftiges herauskommt", betonte der Manager.

Portigon-Mitteilung

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