Wer fällt denn auf sowas rein?

55-Euro-Scheine und 300er: Die dreisten Tricks der Fälscher

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Kaum zu glauben: Aber selbst ein 55-Euro-Schein oder ein 300-Euro-Schein finden Abnehmer.

Frankfurt -  An den verbesserten Sicherheitsmerkmalen der neuen Euro-Scheine beißen sich Geldfälscher bislang die Zähne aus. Doch oft finden besonders plumpe Blüten Abnehmer.

Das aufgeklebte Hologramm glitzert wie bei einem echten 50-Euro-Schein - doch besonders ordentlich hat es der Fälscher nicht ausgeschnitten. Fast zwei Dutzend solcher Blüten nutzte ein 29-Jähriger Anfang Juni bei einem Musik-Festival im emsländischen Haren zum Bezahlen kleinerer Getränkebestellungen - und sackte das üppige Wechselgeld ein. Doch weil er das auffällig oft tat, alarmierte ein aufmerksamer Wirt die Polizei. Der 29-Jährige konnte auf frischer Tat ertappt und gefasst werden.

Eigentlich sind falsche Banknoten und echte Scheine sehr gut zu unterscheiden. „Fälscher konzentrieren sich meist auf ein Sicherheitsmerkmal. Wenn ein Merkmal gut gefälscht ist, sind die anderen in der Regel nicht gelungen“, schildert der stellvertretende Leiter des Nationalen Analysezentrums der Deutschen Bundesbank, Horst Werner Hofmann. Kriminelle bringen Blüten daher vor allem dort in Umlauf, wo nicht ganz genau hingeschaut wird: Auf Märkten, bei kleineren Einzelhändlern.

Neue Scheine bringen mehr Sicherheit

Was den Währungshütern Hoffnung macht: Mit der zweiten Euro-Generation seit Einführung des gemeinsamen Bargeldes 2002, der „Europa-Serie“, tun sich Geldfälscher deutlich schwerer als mit den bisherigen Scheinen. Seit dem 2. Mai 2013 ist der runderneuerte Fünfer im Umlauf, am 23. September 2014 folgte der Zehner, am 25. November 2015 der Zwanziger. Vor allem das durchsichtige Porträtfenster, das erstmals in den neuen 20-Euro-Schein eingebaut wurde, scheint kaum nachzuahmen zu sein. Auch dass der Wert der neuen Scheine als glänzende Smaragdzahl aufgedruckt ist, die beim Kippen die Farbe wechselt, lässt sich nicht einfach kopieren.

„Die ersten Fälschungen des neuen Zwanzigers, die im März auftauchten, sind von bescheidener Qualität. Die Zahl der Blüten hält sich hier bisher in Grenzen“, konstatiert Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele. „Das durchsichtige Porträtfenster und die Smaragdzahl sind schwer nachzumachen. Bislang ist uns keine Fälschung bekannt, die dieses durchsichtige Fenster erfolgreich nachahmt.“

Auch der runderneuerte Fünfziger, den die Notenbanken ab dem 4. April 2017 unters Volk bringen wollen, hat ein solches Porträtfenster. „Wir sind der festen Überzeugung, dass wir mit den Sicherheitsmerkmalen, die bei der Europa-Serie eingeführt wurden, Banknoten herstellen, die ein hohes Sicherheitsniveau gewährleisten“, betont Bundesbankdirektor Matthias Callen aus dem Zentralbereich Bargeld.

Die Zahl der entdeckten Blüten steigt 

Schon jetzt ist die Gefahr, mit Falschgeld in Berührung zu kommen, äußerst gering: „Rechnerisch dauert es 900 Jahre, bis alle Bundesbürger ein Mal eine gefälschte Banknote in der Hand halten“, erklärt Hofmann. Im ersten Halbjahr wurden in Deutschland 45.625 Blüten aus dem Verkehr gezogen. Das waren zwar 1,7 Prozent mehr als im zweiten Halbjahr 2015, aber deutlich weniger als im Vorjahreszeitraum mit dem Rekordwert von rund 50.500 Fälschungen. Rechnerisch entfielen in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres in Deutschland elf falsche Banknoten auf 10 000 Einwohner.

Weltweit wurden nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres rund 331 000 gefälschte Euro-Banknoten aus dem Verkehr gezogen - Tendenz sinkend. Zugleich waren mehr als 18,5 Milliarden echte Euro-Scheine im Umlauf.

Viele Fälschungen kommen aus Italien

Gedruckt werden viele der Blüten in Italien. Ihre Rohstoffe besorgen sich Fälscher nach Erkenntnissen von Ermittlern und Währungsexperten zunehmend über dunkle Kanäle im Internet. Mit ein paar Klicks kann sich im Grunde jeder zum Beispiel glitzernde Hologramm-Sticker besorgen und billige Farbkopien damit zu vermeintlich echten Geldscheinen veredeln.

Doch auch besonders plumpe Fälschungen finden bisweilen Abnehmer: Etwa ein 55-Euro-Schein, der vor einigen Jahren in der Nähe von Nürnberg im Einzelhandel angenommen wurde, oder 300-Euro-Scheine, die es in echt ebenfalls nicht gibt: Im März 2016 tauschte in Köln ein Mann vor einer Bankfiliale einem Passanten gutgläubig einen gerollten grünen Schein, den er für einen Hunderter hielt. Beim Entrollen blickte der Geschädigte auf barbusige Frauen und den Aufdruck „www.300euroschein.de“ - der unbekannte Passant war derweil mit dem echten Geld über alle Berge.

dpa

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