WARSTEIN/RAMSBECK ▪ Zweiter ADAC Sauerland Bergpreis, diesmal nicht in Nuttlar, sondern in Ramsbeck. Es ist Mittag: Warsteins Bernhard P. Jühe lässt seinen Ford A Roadster von Anno 1929 mit viel Gefühl zur Gleichmäßigkeitsprüfung an und rollt zum Start. Einer von vier Wertungsläufen steht an. Von Ulrich Nolte

Das Schnauferl den knapp zwei Kilometer langen Bergparcours hinauf zu pilotieren, grenzt an Kraftsport. Servolenkung? Fehlanzeige. Knapp zwei Kilometer lang ist die Strecke. Erlaubt ist eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 (!) Sachen. Für den Vorkriegs-Ford eine gerade noch lösbare Aufgabe. 40 PS werden aus guten drei Liter Hubraum generiert.
Nur gut, dass es letzten Endes darum geht, das Ziel in immer der exakt gleichen Zeit zu erreichen. Bernhard Jühe braucht zwei Minuten, neun Sekunden und ein paar Zehntel. Exakt drei Zehntel mehr als beim letzten Mal. Wenn das mal nicht gleichmäßig ist.
Durchschnittstempo 50. Da bleibt auch während der Fahrt noch Zeit für ein Pläuschchen. Sechs Vereine organisieren den Bergpreis mit starker Warsteiner Beteiligung. Da sind zunächst die Motorsportfreunde Warstein, dann das Warsteiner Oldtimer Team. Von den mehr als 100 Organisatoren und Helfern an der Strecke, kommen rund 25 aus Warstein; der Allagener Horst Schöne vom MSC Oberruhr ist Veranstaltungsleiter.
„Wir wollen hier ein Event etablieren, mit schönem Rahmenprogramm, kulinarischem Angebot und vor allem Autos zum Anfassen“, erklärt Bernhard P. Jühe.
Nur ein bisschen Reifenquietschen
Aber nur ein bisschen. Denn bei einer Spitzengeschwindigkeit von 50 „ist ja auch schnell Ende mit Gummi geben“. Und um die Tachonadel bei 50 einzufrieren, verlangen Porsche, Cobra, und Ferrari ihren Fahren vor allem eines ab: Disziplin. So sieht am Start alles nach Rennen aus, und es hört sich auch nach Rennen an. Die Vokabel „Rennen“ indes geht den Organisatoren hier und heute nur sehr schwer über die Lippen.
Rennen, das war damals. Bis 1984 flogen die PS-Bilden einmal im Jahr die Nuttlarer Rennstrecke hinauf. „In der Spitze 40 000 Zuschauer“, erinnert sich Bernhard Jühe. „Sogar Formel 1-Renner gingen an den Start, Fahrer wie Mass, Stommelen, Rosberg. Der Endlauf zur damaligen Deutschen Tourenwagen Meisterschaft wurde bei uns um Sauerland ausgetragen.“
Die Zeiten haben sich geändert. Die Welt wurde öko und NRW ganz besonders grün. Für den Motorsport gab’s weniger Platz und Akzeptanz und für Bergrennen keine Genehmigungen mehr. „Erstmal sind wir froh, dass wir im letzten Jahr den Neuanfang geschafft haben. Und wir müssen umdenken“, meint Jühe. Schließlich sei Motorsport ein Hobby mit vielen Facetten. Die Teilnehmer am Bergpreis zeigten ihre Autos gern, träfen sich gern zum Fachsimpeln. Für nicht ganz so attraktiv wie ehedem halten das die Zuschauer am Streckenrand: „Für viele war das in Nuttlar im letzten Jahr frustrierend“, berichtet Jühe. Dieses Jahr kamen aber immerhin zwischen 2 000 und 3 000.
Freundliches Auge des Gesetzes wacht
Aber 50 Sachen? Im Ferrari 308? Im Sauerland? Da fährt ja der viel verfluchte sonntagsfahrende Opa mit Hut auf der Heckablage zügiger – jedenfalls dann, wenn gerade kein Bergpreis ist. Seitens der Veranstalter ist man da in der Kommentierung ziemlich zurückhaltend. Natürlich sei ein wenig Entgegenkommen seitens der Behörden wünschenswert, merkt Bernhard Jühe an. Schließlich werde in den Motorsportvereinen einiges geleistet, man investiere in Jugendarbeit, in Fahrsicherheit. „Unsere Mitglieder sind in der Regel die letzten, die zu schnell durch die Stadt fahren“, sagt Jühe.
Dass genau so schnell wie sonst innerorts auch auf der doppelt beplankten „Gleichmäßigkeitsfahrtrecke“ gefahren wird, darüber wachte am Wochenende das Auge des Gesetzes akribisch aber stets freundlich. Hatte es im letzten Jahr noch die ein oder andere Meinungsverschiedenheit gegeben, bescheinigten sich Uwe Gersthagen als Chef der Ordnungshüter und Horst Schöne als Veranstaltungsleiter gegenseitig ein „gutes partnerschaftliches Miteinander“.
Was soll auch schon passieren mit maximal 50? „Vielleicht bekommen wir es ja hin, im nächsten Jahr den Maximalschnitt für die Vorkriegsautos auf 60 und für die anderen auf 80 anzuheben“, wünscht sich Horst Schöne. „Ich bin ein Racer“, sagt Schöne über Schöne. Die anderen wären es auch – wenn man sie nur ließe.



Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!
Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.
Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.
Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.