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VfS Warstein. Handball. SG TuRa Halden/Herbeck Bernd Grossmann. Michael Schorlemer

31:30 – Dramatische Schlusssekunde beim VfS

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WARSTEIN ▪ Drei Niederlagen in Serie: Dieses Horrorszenario schwebte am Samstagabend über den Handballmännern des VfS Warstein, die gegen die unberechenbare SG TuRa Halden-Herbeck zur Halbzeit mit vier Treffern in Rückstand lagen und weitere 15 Minuten benötigten, um zum Ausgleich zu gelangen. Am Ende einer Schlussminute, die VfS-Vizevorsitzender Andreas Kückmann mit den Worten „dramatisch, dramatisch, dramatisch“ beschrieb, durfte jedoch gejubelt werden.

Die Schlusssirene war bereits ertönt, feierten einige VfS-ler bei einer 31:30-Führung ihren achten Saisonsieg, als die Gestik der Schiedsrichter verriet: Hier war noch nicht Schluss. Es gab noch einen Siebenmeter – und zwar gegen die Warsteiner, die nach Zeitstrafen gegen Ristovic und Gericke die letzten Sekunden des Spiels in zweifacher Unterzahl bestritten.

Der starke TuRa-Linksaußen Ingolf Grebe übernahm die Verantwortung, donnerte den Ball zum vermeintlichen 31:31-Ausgleich ins Netz, als die Schiedsrichter die nächste Entscheidung fällten, die Zuschauer und Fans durch ein Bad der Gefühle zog. Denn nach Meinung von Referee Hübner soll Grebe bei der Ausführung des Strafwurfs mit dem Fuß übergetreten hatte – eine höchst seltene Entscheidung. So wurde sein Treffer nicht anerkannt, blieb es beim 31:30.

Riesenjubel beim VfS, pures Entsetzen bei den Gästen, die nicht glauben wollten, dass ihnen auf diese Weise ein Punktgewinn „geraubt“ wurde. Dem Unparteiischen aber vorzuhalten, er habe aus Kalkül gehandelt, weil er aus der Stadt von Mitabstiegskonkurrent Schalksmühle kommt, ging einigen Beteiligten zu weit. Schließlich hatten die Referees mit ihren späten Zeitstrafen-Entscheidungen gegen Ristovic und Gericke überhaupt erst für die Überzahl-Chance gesorgt, mit der Grebe den von vielen Warsteiner Fans im Schlusspfiff-Jubel gar nicht registrierten Strafwurfpfiff provozierte.

Das derart dramatische Finale entschädigte die 130 Besucher für eine über weite Strecken mäßige Partie. Zunächst schienen beide Teams nur aus je einem Akteur zu bestehen, markierten Schorlemer hüben und Kreisläufer Homberger drüben alle Treffer bis zum 3:4 (9.). Das in Überzahl erzielte 10:9 durch Rechtsaußen Ciya Aslan sollte für lange Zeit die letzte Warsteiner Führung bleiben, denn TuRa übernahm mit einer Dreierserie zum 10:12 das Kommando, zog sogar auf 11:15 davon, weil sich die Hausherren zu viele technische Fehler erlaubten.

Obwohl Haldens Keeper Wolff in der ersten Halbzeit nur vier Paraden zustande brachte, musste sich der Landesliga-Sechste VfS bis zum Seitenwechsel mit zwölf Toren begnügen.

Grund genug für Warsteins Trainer Michael Schorlemer, seine Schützlinge an ihr Versprechen zu erinnern, sich für die schwache Leistung in Hagen (27:37) rehabilitieren zu wollen. Und tatsächlich kam der VfS mit viel mehr Power aus der Kabine. Zwei Glanztaten von Keeper Michael Hölter, zwei wuchtige Würfe von Boban Ristovic sowie ein Kontertor von Aslan weckten die bis dahin ungewohnt ruhigen Fans.

Halden-Herbeck schaffte es zwar, noch einige Male auf zwei Tore zu erhöhen, doch man spürte den Warsteiner Willen zur Wende. Was Lino Gericke vom Kreis noch verwehrt war, nämlich der Ausgleich zum 21:21, holte der auf halblinks wesentlich effektiver als auf der rechten Seite abschließende Ristovic nach. Und weil Segreff nacheinander per Siebenmeter am Pfosten und dann an Hölter scheiterte, konnte sich der VfS auf 25:22 absetzen.

Eine Vorentscheidung? Mitnichten, denn die Flügelzange der Gäste blieb brandgefährlich. Neben Grebe nutzte Rechtsaußen Geisler die Lücken in der Warsteiner Deckung, so dass nach dem 30:28 durch Philipp Schmitt, der nach 20 Minuten für den indisponierten Benedikt Furmaniak eingewechselt worden war, nicht durchgeatmet werden konnte.

Aslans Ballverlust war Ausgangspunkt der Ristovic-Hinausstellung und des 30:30-Ausgleichs durch Grebe 25 Sekunden vor Schluss. Jetzt drohte sogar noch die Niederlage, aber Lars Schorlemer behielt gegen die offensive SG-Deckung die Übersicht und ermöglichte mit präzisem Pass den dritten Treffer des nur im Angriff eingesetzten Kreisläufers Sebastian Mues. Als auch Gericke auf die Strafbank musste, blieben noch vier Sekunden auf der Uhr, nahm der Gast seinen Keeper heraus und bediente in dreifacher Überzahl seinen Linksaußen Grebe, der dann von Björn Manderfeld in der allerletzten Spielsekunde strafwurfreif gefoult wurde.

Es folgte das dramatische Siebenmeter-Finale, das für Warstein noch zum Happy End wurde.

Landesliga: VfS 59 Warstein – SG TuRa Halden/Herbeck 31:30 (12:16).

VfS: Hölter im Tor; Ristovic (11), Schorlemer (8/3), Aslan (6), Mues (3), Schmitt (2), Gericke (1), Sobkowiak, Furmaniak, Manderfeld.

TuRa: Wolff, Mielke im Tor; Grebe (11/1), Homberger (7), Goebels (5), Geisler (3), Pelka (2), Segreff (2/1), Jeszusek, Appelbaum, Suhr.

Torfolge: 1:0 (3.), 1:3 (6.), 5:5 (12.), 7:6 (15.), 10:9 (22.), 10:12 (23.), 11:15 (26.), 12:16 (30), 15:15 (33.), 19:21 (41.), 22:21 (46.), 25:22 (49.), 27:25 (54.), 29:27 (57.), 30:28 (59.).

Zeitstrafen: VfS 2, SG 2.

Siebenmeter: VfS 3/3, SG 4/2.

Zuschauer: 130.

Schiedsrichter: Hübner/Krause (Schalksmühle/Kierspe).

Michael Schorlemer, Trainer VfS Warstein: „Ein Spiel auf so eine Art und Weise zu gewinnen, hat immer einen faden Beigeschmack, deswegen kann ich mich gar nicht so recht freuen, obwohl dieser Sieg für uns enorm wichtig für den weiteren Saisonverlauf war. Ich kann den Ärger der Haldener über den aberkannten Siebenmeter-Treffer verstehen, zumal vom gesamten Spielverlauf her ein Unentschieden das gerechteste Resultat gewesen wäre.

Wir wollten den starken Rückraum durch unsere 3-2-1-Formation ausschalten. Das ist uns weitgehend gelungen, allerdings haben wir zu viele Tore über den Kreis und von Außen bekommen, da muss auch unser Keeper einfach anders reagieren. Er darf sich nicht ständig durch Heber überlisten lassen. Erfreulich allemal, wie die Mannschaft nach einer ersten Halbzeit, die noch auf die Verunsicherung nach der Pleite in Hagen zurückzuführen ist, kämpferisch und von der Dynamik her zugelegt hat.

Ristovic hat seine Klasse demonstriert, mein Sohn Lars meinem Wunsch entsprochen, das Spiel mehr zu lenken und nicht immer selbst den Abschluss zu suchen. Aslan hat gezeigt, dass er torgefährlich ist, aber auch im Angriff gegen eine offensive Abwehr einige Fehler gemacht.

Rainer Woyck, Trainer Halden/Herbeck: „Ich hatte schon nach 40 Minuten prophezeit, dass wir das Ding mit einem Tor verlieren werden. In unserer Situation ist ein solcher Spielverlauf äußerst bitter. Hoffentlich fehlt uns dieser Punkt nicht in der Endabrechnung. Unser Linksaußen Grebe hat ein grandioses Spiel gemacht. Äußerst schade, dass ihm die Krönung verwehrt wurde. Selbst Warsteiner Spieler meinten, das Tor sei regulär gewesen, aber dafür können wir uns nichts kaufen. Uns fehlte wie so oft die Cleverness, einen soliden Vorsprung zu verteidigen.

Mit unseren Fehlern zu Beginn der zweiten Hälfte haben wir Warstein stark gemacht. Dass Ristovic so gut getroffen hat, lag auch an unserem Torhüter, der sich nicht darauf einzustellen vermochte. Bei uns hat der Druck aus dem Rückraum gefehlt, weil Segreff und Pelka nichts zustande gebracht haben.“ ▪ Bernd Großmann

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