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Nach tödlichen Motorrad-Unfällen: Diskussionen über Sicherheit

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Artikel: Nach tödlichen Motorrad-Unfällen: Diskussionen über Sicherheit

Misano - Der Tod bleibt ständiger Begleiter im Motorrad-Rennsport. Zwei fatale Unfälle im Rahmen der WM innerhalb von nur einer Woche werfen erneut Fragen nach der Sicherheit für die Piloten auf.

© AP

Shoya Tomizawa wurde nur 19 Jahre alt

Doch sowohl der am 29. August in Indianapolis ums Leben gekommene Peter Lenz als auch der am Sonntag in Misano verstorbene Shoya Tomizawa wurden Opfer “normaler“ Rennunfälle. Der erst 13 Jahre alte Amerikaner und der 19-jährige Japaner wurden nach Stürzen von nachfolgenden Fahrern überrollt. An mangelnden Sicherheitsmaßnahmen lag es nicht.

“Der Unfall war einfach Pech. Da kann man die Sache drehen und wenden, wie man will“, urteilte die spanische Sportzeitung “As“ am Montag. Dass der WM-Lauf nicht abgebrochen wurde, sorgte jedoch für einhellige Medien-Kritik. “Niemand hatte den Mut, das Rennen zu stoppen“, empörte sich die italienische Zeitung “Il Giornale“.

Bereits seit Jahrzehnten bemühen sich engagierte Hersteller darum, ihre Lederkombis für Motorrad-Rennfahrer mit immer neuen Sicherheitsfeatures auszustatten. Auch deutsche Piloten wie die mehrfachen Weltmeister Dieter Braun und Toni Mang kooperierten mit den Firmen und brachten Erfahrungen ein. Ging es anfangs noch eher darum, den ledernen Sportdress bequemer zu gestalten und dem Athleten mehr Bewegungsfreiheit zu geben, wurde schon bald über den Einbau von Protektoren, Schutzpolstern für Wirbelsäule, Schultern, Ellbogen, Knie und andere bedrohte Körperteile diskutiert. Mit Mang wurde die in der Sitzhaltung des Piloten vorgeformte Kombi entwickelt, die sicherstellen soll, dass die Protektoren nicht verrutschen.

Mittlerweile haben Materialien wie Kohlefaser und Kevlar Einzug in die Lederkombis gehalten. Auch Airbags, die vor allem Hals und Kopf bei einem Aufprall schützen, gehören zur Ausstattung der Arbeitsbekleidung. “In die Entwicklung der Airbag-Kombi sind Daten über Motorradunfälle eingegangen, die wir in den vergangenen 15 Jahren gesammelt haben - aber es ist möglich, dass ein derartiger Sturz wie der von Tomizawa nicht dabei war“, sagt Dario Artico, Deutschland-Sprecher des italienischen Kombi-Herstellers Dainese.

Namhafte Unfallforscher, Hochschulen und Experten für Sicherheitssysteme aus dem Automobilbau sind ständige Gesprächspartner der Lederschneidereien. Denn zwischenzeitlich werden Errungenschaften aus dem Vierradbereich wie beispielsweise die für die Formel 1 entwickelte Nackenstütze HANS (Head- and Neck-Support) in die Zweiradwelt übertragen.

Mit Erfolg: In den bisherigen Trainingsläufen und Rennen der Motorrad-WM 2010 wurden 507 Stürze registriert, die meisten verliefen glimpflich. Seit 2003, als der Japaner Daijiro Kato in Suzuka seinen schweren Sturzverletzungen erlag, gab es keine solch folgenschweren Unfälle mehr. “Brust und Unterleib sind kritische Bereiche, wobei die Dainese-Fahrer über einen Brustpanzer verfügen und ihn auch meistens tragen. Für den Unterleib existiert allerdings noch keine Lösung, die für die Piloten auch praktikabel ist“, betont Artico, gibt aber auch zu bedenken: “Natürlich hätten wir gerne den 100-Prozent-Schutz für Motorradrennfahrer. Aber würden sich dann nicht alle Fahrer für unverwundbar halten und wie Supermann aufführen?“

dpa

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