Portugiesischer EX-UNHCR-Chef

Guterres soll neuer UN-Generalsekretär werden

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António Guterres im November vergangenen Jahres bei einer Preisverleihung in Düsseldorf.

New York - Monatelang wurde spekuliert, nun ist das Rennen um die Nachfolge Ban Ki Moons plötzlich beendet: António Guterres heißt der Mann, der dem Südkoreaner ins höchste UN-Amt folgen soll.

Der frühere Chef des UN-Flüchtlingshilfswerks und ehemalige portugiesische Ministerpräsident António Guterres wird mit großer Wahrscheinlichkeit der nächste Generalsekretär der Vereinten Nationen.

In einer Abstimmung im UN-Sicherheitsrat erreichte Guterres die meisten Stimmen - und auch die der fünf Veto-Mächte, wie Russlands UN-Botschafter Witali Tschurkin in New York sagte. Die Personalie, die von der Vollversammlung noch bestätigt werden muss, gilt damit als sehr sicher.

Die formelle Abstimmung im Sicherheitsrat über den Nachfolger von Ban Ki Moon soll an diesem Donnerstag stattfinden. Erst in diesem Schritt soll Guterres vom Rat offiziell nominiert werden, woraufhin die Vollversammlung den 67-Jährigen als Ban-Nachfolger bestätigen kann.

Blockiert hat das 193 Mitgliedstaaten zählende UN-Plenum eine solche Personalie in der 70-jährigen UN-Geschichte noch nie, und auch dieses Jahr wäre der Schritt äußerst außergewöhnlich. Guterres sei der "klare Favorit", sagte Tschurkin.

Bereits in den fünf vorigen Probeabstimmungen hatte sich Guterres durchgesetzt. Dabei waren allerdings die Stimmzettel der 15 Ratsmitglieder noch nicht farblich danach markiert, ob sie ein Veto-Recht haben oder nicht.

Ebenfalls gute Chancen hatten der ehemalige serbische Außenminister Vuk Jeremić sowie der slowakische Außenminister Miroslav Lajcak. Mehrere Stimmen hatten zuvor gefordert, dass erstmals in der UN-Geschichte eine Frau den Spitzenposten besetzen sollte.

Der 72 Jahre alte südkoreanische Amtsinhaber Ban gibt seinen Posten Ende des Jahres nach zehn Jahren an der UN-Spitze ab. Im Gespräch waren dieses Jahr auch die Vize-Präsidentin der EU-Kommission, die Bulgarin Kristalina Georgiewa, sowie die zuvor von der Regierung in Sofia favorisierte bulgarische Unesco-Chefin Irina Bokowa. Nach den ungeschriebenen Verteilungsprinzipien der UN wäre eigentlich ein Kandidat oder eine Kandidatin aus Osteuropa an der Reihe gewesen.

Wermutstropfen: Keine Frau nominiert

"Glückwunsch an António Guterres - der nächste Generalsekretär", schrieb Georgiewa bei Twitter. "Viel Erfolg dabei, für die UN eine ehrgeizige Agenda zu verfolgen." Christiana Figueres aus Costa Rica, die ihre Kandidatur für den Posten zurückgezogen hatte, zeigte sich etwas enttäuscht und sprach von einem "bittersüßen Ergebnis". Es sei tragisch, dass keine Frau nominiert worden sei, schrieb die frühere Chefin des UN-Klimasekretariats, aber Guterres sei dafür eindeutig der "beste Mann im Rennen".

Die UN-Botschaft Neuseelands gratulierte Guterres zu dem Ergebnis der Abstimmung auf Twitter. Das New Yorker Büro vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) schrieb: "Wir gratulieren dem neuen UN-Generalsekretär António Guterres und freuen uns sehr darauf, mit ihm in den kommenden Jahren zusammenzuarbeiten."

Das sind die bisherigen UN-Generalsekretäre

Der UN-Generalsekretär steht an der Spitze des Sekretariats, des Verwaltungsorgans der Vereinten Nationen. Er wird auf Empfehlung des Sicherheitsrates von der Vollversammlung für fünf Jahre ernannt.

Seit der Gründung der UN dienten acht Männer in diesem Amt:

BAN KI MOON (Südkorea): 1997 bis heute

KOFI ANNAN (Ghana): 1997 bis 2006

BUTROS BUTROS-GHALI (Ägypten): 1992 bis 1996

JAVIER PEREZ DE CUELLAR (Peru): 1982 bis 1991

KURT WALDHEIM (Österreich): 1972 bis 1981

U THANT (Myanmar): 1961 bis 1971

DAG HAMMARSKJÖLD (Schweden): 1953 bis 1961

TRYGVE LIE (Norwegen): 1946 bis 1952

dpa

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