Baustelle A 44

Arbeiten bis 2016: Straßen NRW hat insolventer Firma gekündigt

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Ein einsamer Betam-Bagger steht auf der gesperrten A 44-Fahrbahn Richtung Kassel. Die Baustelle wird noch bis zu zwei Monate ruhen. Der Verkehr in beide Richtungen wird in dieser Zeit weiter komplett über die Gegenfahrbahn geführt.

Werl - Autofahrer müssen bis ins kommende Jahr hinein mit Behinderungen durch die Baustelle auf der A 44 zwischen Werl und Soest rechnen. Straßen NRW hat den Vertrag mit der insolventen Baufirma Betam gekündigt. Das teilte Straßen NRW am Freitag auf Anfrage mit.

Die Behörde will nun in einem „verkürzten Verfahren“ neu ausschreiben. Bis die Arbeiten fortgesetzt werden könne es dennoch ein bis zwei Monate dauern. Die Baustelle bleibe solange eingerichtet.

„Wir haben den Vertrag nicht aufgrund der Insolvenz, sondern aufgrund der Leistungsverweigerung in den Wochen davor gekündigt“, sagte Udo Mattigkeit, Projektleiter bei der Autobahnniederlassung des Landesbetriebs in Hamm.

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Wieder Schwierigkeiten an Großbaustelle

Auf einer Strecke von 5,3 Kilometern soll auf der A44in beiden Fahrtrichtungen die marode Betonfahrbahn erneuert werden. Die Arbeiteten starteten Anfang Mai. Knapp einen Monat schien alles nach Plan zu laufen, dann geriet die Baustelle ins Stocken. Seit Anfang Juni seien keine nennenswerten Fortschritte zu erkennen gewesen, so Mattigkeit.

Dabei sei die Firma mehrfach ermahnt worden, die Arbeiten wieder aufzunehmen und den zeitlichen Rückstand durch verstärkten Personaleinsatz aufzuholen. Erst reagierte die Firma gar nicht, dann wollte Betam nicht ohne Kampfmittelfreigabe weiterarbeiten. Bei Straßen NRW bewertet man dies inzwischen als Hinhaltetaktik, mit der Betam das letzte Vertrauen verspielt hat. Schließlich war die Fläche bereits beim Bau der Autobahn in den 70er-Jahren auf Kampfmittel untersucht worden.

Straßen NRW hat keinen Kontakt zur Firma Betam

Straßen NRW kam der Forderung trotzdem nach. Kurz darauf stellte Betam den Insolvenzantrag. Seitdem, so Mattigkeit, habe das Unternehmen überhaupt nicht mehr versucht, mit Straßen NRW in Kontakt zu treten. Die Autobahnniederlassung Hamm hat deshalb auch einen zweiten Vertrag über eine Autobahnbaustelle auf der A43 bei Marl gekündigt.

Nach Absprache mit dem Verkehrsministerium geht man bei Straßen NRW inzwischen davon aus, dass man die Baumaßnahme nicht noch einmal europaweit ausschreiben muss. Doch auch ein verkürztes Verfahren könne bis zu zwei Monate Verzögerung bedeuten, so Mattigkeit. Eigentlich sollte die Baustelle Ende Oktober fertig sein, nun reichen die Arbeiten in die Schlechtwetterperiode hinein. Erstes Quartal 2016 sei ein realistischer Termin, so Mattigkeit.

Außerdem sei damit zu rechnen, dass die Bauarbeiten teurer werden. Mit 7,1 Millionen werde man wohl nicht mehr hinkommen. Schließlich war Betam der billigste Anbieter.

Mehrkosten werden bei Betam geltend gemacht

Die Mehrkosten, die durch die Verzögerung und die Neuausschreibung anfallen, werde man als Schaden bei Betam geltend machte, sagte Mattigkeit. Doch die vor dem Bau eingeforderte Bürgschaft reiche dafür bei weitem nicht aus und was an Geld aus der Insolvenzmasse fließen könne, sei völlig offen.

Die Baustelle soll bis zur Wiederaufnahme der Arbeiten eingerichtet bleiben, sagte Mattigkeit. Allein der Abbau würde rund 80 000 Euro kosten. Das würde sich erst ab einem sehr langen Stillstand lohnen. Auch die Anschlussstelle Werl-Süd wird länger gesperrt bleiben, weil mit vertretbarem Aufwand keine ausreichend lange Beschleunigungsspur eingerichtet werden könne, erläuterte Mattigkeit.

Wie dringend die Sanierung eigentlich ist, zeige die fortschreitende Alkali-Kieselsäure-Reaktion, die für Risse und Abplatzungen sorgt, so Mattigkeit. An drei Stellen auf der derzeit befahrenen Seite seien die Schäden so stark, dass Straßen NRW Einzelaufträge vergibt, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.

Der Insolvenzverwalter der Firma Betam war für eine Stellungnahme am Freitag nicht zu erreichen.

Quelle: wa.de

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