A44-Baustelle bei Werl ruht: Bauunternehmen ist insolvent

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Werl - Das Bochumer Straßenbauunternehmen Betam, das die Betondecke auf der A44 zwischen Soest und Werl erneuern sollte und zwischenzeitlich die Arbeiten lange ruhen ließ, ist insolvent. Wie es mit der Baustelle weitergeht, ist noch ungewiss.

Die Bekanntmachung des Verfahrens vor dem Amtsgericht Bochum ist im Internet einsehbar (www.insolvenzbekanntmachungen.de). Muss der Landesbetrieb Straßen NRW die 7,1 Millionen Euro teure Sanierung der maroden Betonfahrbahn erneut ausschreiben, könnten Monate ins Land ziehen, bevor die Bautätigkeit wieder aufgenommen wird.

Andreas Roth, Sprecher von Straßen NRW, sagte am Sonntag auf Anzeiger-Anfrage, dass von den durch die Insolvenz betroffenen Baustellen im Land, diejenige auf der A 44 die kritischste sei, weil diese bereits komplett eingerichtet ist und erste Arbeiten erfolgt sind. „Wir müssen jetzt für jeden Vertrag einzeln prüfen, wie es weiter gehen kann“, sagte Roth.

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Betam hatte die Arbeiten zwischenzeitlich über Wochen ruhen lassen und war mehrfach von Straßen NRW gemahnt worden, den Rückstand gegenüber dem Bauzeitenplan wieder aufzuholen. Zuletzt hatte sich das Unternehmen geweigert, weiter zu arbeiten, bis eine Kampfmittelfreigabe für den Streckenabschnitt vorliegt. Straßen NRW hielt diese zwar nicht für notwendig, lieferte aber die geforderten Unterlagen nach. „Solange das Unternehmen für uns ein ganz normaler Auftragnehmer war, mussten wir ihm die Möglichkeit einräumen, seinen Vertrag zu erfüllen“, so Roth. „Doch jetzt können wir nicht mehr davon ausgehen, dass das Unternehmen in der Lage ist, seinen Verpflichtungen nachzukommen.“ Es gehe jetzt darum, die beste Lösung für alle Beteiligten zu finden.

Aus Sicht von Straßen NRW und wohl auch der Verkehrsteilnehmer wäre es die einfachste und schnellste Lösung, wenn Betam trotz Insolvenzverfahren in der Lage ist, die Arbeiten fortzusetzen. Der zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte Rechtsanwalt Rolf Weidmann war am Sonntag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Dem WDR sagte Weidmann allerdings, das Unternehmen sei willens, bestehende Aufträge reibungslos zu erfüllen. Insbesondere öffentliche Auftraggeber könnten einen Beitrag zur Sanierung des Unternehmens leisten, wenn sie die Aufträge bei Betam beließen.

Nach den Erfahrungen der vergangenen Wochen ist das Vertrauen in die Firma allerdings nicht mehr allzu hoch. In einem WDR-Bericht wird ein Betam-Mitarbeiter mit der Aussage zitiert, dass er seit zwei Monaten keinen Lohn mehr bekommen habe. Außerdem seien die Tankkarten der Firma gesperrt, weshalb man Firmenfahrzeuge mit Diesel aus den Baumaschinen betanke.

Ist Betam nicht in der Lage, die Arbeiten fortzusetzen, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder Straßen NRW findet ein anderes Unternehmen, das schnell einspringen kann, oder der Landesbetrieb muss die Baumaßnahme neu ausschreiben. Ein „Einspringen“ einer anderen Baufirma ist allerdings nur dann möglich, wenn dies nicht gegen das Vergaberecht verstößt. Dies wird zurzeit von Straßen NRW geprüft.

Eine neue europaweite Ausschreibung würde Monate in Anspruch nehmen. In einem solchen Fall, so Roth, müsse man abwägen, ob es nicht sinnvoller ist, die Baustelle vorübergehend wieder zurückzubauen. Die Autofahrer werden wohl wenig Verständnis für die Einschränkungen haben, wenn nicht gearbeitet wird. Wegen der Baustelle auf der A44 ist zurzeit auch die Anschlussstelle Werl-Süd gesperrt. Eigentlich sollte die Fahrbahnsanierung Ende Oktober abgeschlossen sein.

Laut WDR-Bericht hat die Betam Infrastructure GmbH 230 Beschäftigte am Standort Bochum, 50 in Ibbenbüren und 160 in Sachsen-Anhalt. Neben den Arbeiten auf der A 44 bei Werl seien unter anderem Baustellen auf der A1 bei Lotte, der A33 bei Halle und der A43 bei Marl vom Insolvenzverfahren betroffen.

Quelle: wa.de

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