NRW will Flüchtlinge zentral in Münster registrieren

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[Update, 19.45 Uhr] Düsseldorf - Die Kommunen in NRW sehen sich bei der Unterbringung von Flüchtlingen an den Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Zumindest die Asylverfahren sollen in NRW jetzt schneller starten. Eine zentrale Registrierungsstelle in Münster soll dafür sorgen.

Die Registrierung von Flüchtlingen soll in Nordrhein-Westfalen mit einer zentralen Einrichtung am Flughafen Münster/Osnabrück beschleunigt werden. Die zentrale Anlaufstelle soll noch im September ihre Arbeit aufnehmen und zeitlich befristet bis Sommer 2016 genutzt werden, teilte die Bezirksregierung Münster am Montag mit.

Für die Registrierungsstelle werden mobile Messehallen genutzt, die in der Nähe des Terminals stehen. Die Flüchtlinge sollen über eine eigene Zufahrt zum Flughafen gebracht, registriert und dann ohne weiteren Aufenthalt zurück in die Unterkünfte in Nordrhein-Westfalen gebracht werden. Das soll die Erstaufnahmestellen bei der Registrierung entlasten.

Der Flüchtlingsrat NRW kritisierte das Vorhaben. Mit der Anfahrt nach Münster hätten die Flüchtlinge "einen weiteren anstrengenden Transport auszustehen", sagte die Geschäftsführerin des Flüchtlingsrates, Birgit Naujoks, der in Bielefeld erscheinenden "Neuen Westfälischen" (Dienstagsausgabe). Die zentrale Anlaufstelle werde "nicht zwangsläufig zu Entlastungen der Erstaufnahmeeinrichtungen führen". Aus der Sicht der Flüchtlinge wäre es besser, die Registrierungsstellen direkt an den Notunterkünften anzusiedeln.

Die Kommunen in Nordrhein-Westfalen sehen sich bei der Unterbringung von Flüchtlingen an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. "Wir müssen klar sagen: Wir können nur eine begrenzte Anzahl aufnehmen", sagte der Präsident des Städte- und Gemeindebundes NRW, der Soester Bürgermeister Eckhard Ruthemeyer. Flüchtlinge vom Westbalkan, die nur eine verschwindend geringe Chance auf Anerkennung ihres Asylantrags hätten, sollten bereits vor Abschluss des Verfahrens in ihre Heimatländer zurückgeschickt werden.

Trotz der Wiedereinführung von Grenzkontrollen zu Österreich wurden in Nordrhein-Westfalen nach Angaben des Innenministeriums am Montag mehr als 3000 Flüchtlinge erwartet. In Dortmund waren in der Nacht zwei Sonderzüge mit rund 850 Flüchtlingen nach Dortmund gekommen. Im Laufe des Tages sollten weitere Züge nach Düsseldorf fahren. Von Freitag bis Sonntag waren insgesamt knapp 5600 Flüchtlinge in NRW angekommen. Allein sieben Sonderzüge und fünf Busse brachten 2483 Flüchtlinge nach Düsseldorf und Dortmund.

Die Landesregierung hatte bereits gewarnt, dass die Grenze der Belastbarkeit für NRW bald erreicht sei. Jeden Tag würden 1000 neue Schlafplätze in Notunterkünften geschaffen, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. "Wir wissen jedoch nicht, wie lange wir das noch durchhalten." Es werde immer schwieriger, weitere Plätze zu finden. In Düsseldorf steht unterdessen eine Messhalle für die kurzzeitige Unterbringung von rund 1000 Flüchtlingen zur Verfügung.

Quelle: wa.de

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