Statistische Schönfärber?

Wohnungseinbrüche in NRW: Zweifel an Aufklärungsquoten

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Düsseldorf - Der Kriminologe Frank Kawelovski hat die Polizeistatistiken über Aufklärungsquoten bei Wohnungseinbrüchen scharf kritisiert. „Die Ehrlichkeit bei Erfolgen ist sehr kritisch zu sehen“, berichtete der Polizeiwissenschaftler bei einer Anhörung des Landtags-Innenausschusses.

Der Interpretationsspielraum werde sehr weit ausgelegt, um positive Meldungen bei der Verbrechensbekämpfung verbreiten zu können. Ursachen für dieses bundesweite Phänomen seien der politische Druck aus den Innenministerien sowie die Konkurrenz der Polizeibehörden um möglichst gute Ermittlungsergebnisse. 

„Aus Verzweiflung entstehende Verzerrungen“ führten zu falschen Lagebildern, aus denen wiederum unkorrekte Schlüsse gezogen werden könnten. „Das hat nichts mit einer Tataufklärung zu tun“, verwies der Wissenschaftler darauf, dass Unterstellungen – etwa ein verdächtiger Nachbar – ausreichten, um Ermittlungen als erfolgreich werten zu können. 

Bei Einbrüchen liege die Aufklärungsquote tatsächlich „im Promillebereich“. 

Dieser Einschätzung widersprach NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD), der auf bundeseinheitliche Kriterien zur Beurteilung der Fälle verwies. 

Die jährlich veröffentlichte Polizei-Kriminalitätsstatistik basiere auf umfangreichen Plausibilitäts- und Qualitätskontrollen durch die Polizeibehörden und das Landeskriminalamt (LKA). „Es gibt keine Hinweise auf Manipulationen“, berichtete LKA-Vertreter Joachim Eschemann. 

Der CDU-Landtagsabgeordnete und Ex-Kriminalbeamte Werner Lohn attestierte Kawelovski, „Einzelfälle aufgebauscht“ und daraus falsche allgemeingültige Schlüsse gezogen zu haben. „Es dürfen doch nicht alle Kriminalbeamten unter Generalverdacht gestellt werden“, rügte er.

Quelle: wa.de

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