Zwei 25 und 30 Meter lange, grandiose Wimmelbilder

Hammer Grafikerin Diana Köhne hat fürs Fußballmuseum gezaubert

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Die Hammer Grafikerin Diana Köhne.

Dortmund/Hamm - Es ist schon eine Herausforderung, Fans von Dortmund und Schalke nebeneinander auf ein Bild zu bekommen. Dann aber auch noch Fans von Bayern und 1860, Dresden, Jena und Erfurt in Eintracht dazu? Das ist echte Kunst. Die Hammer Grafikerin Diana Köhne hat ein solches Kunstwerk geschaffen. Entstanden ist ein grandioses Wimmelbild, das den Eingangsbereich des DFB-Fußballmuseums in Dortmund prägen wird. Eine wunderbar lebendige, detailreiche und witzige Reise durch Fußballland.

Die Maße des Bildes sind gigantisch – und die Herausforderungen waren es auch. Im Frühjahr 2014 bekam Diana Köhne, hauptberuflich Grafikerin bei unserer Zeitung, die Anfrage, ob sie nicht ein 30 Meter langes Wimmelbild fürs Fußballmuseum erstellen könnte.

Zwei Wimmelbilder hat Diana Köhne gezaubert: jeweils 2,80 Meter hoch, eines 30 und das andere 25 Meter lang.

Die Vorstellungen waren eher vage: Ins Stadion pilgernde Fans sollten drauf. Motto: „Wir sind Fußball.“ Diana Köhnes erste Reaktion: „Cool. Mache ich.“ Ihre zweite, nach etwas Nachdenken: „Das wird ganz schön groß. Und Schalker und Bayern müssen ja auch drauf...“ Nicht ganz so einfach für die 37-Jährige, deren Fußballherz schon seit vielen Jahren für Borussia Dortmund schlägt. Aber gut, dafür ist man ja Profi. Und Erfahrungen mit Fußballbildern hatte Diana Köhne schon einige gesammelt – etliche Illustrationen fürs Fußballmagazin „11 Freunde“ und ein Fußball-Wimmelbild („52. Minute“), das auf 3,24 Metern die Fans und den Fußballplatz des Vereins „Nullnoin“ zeigt. Letztlich die Arbeit, die die Macher des Fußballmuseums auf die Hammer Grafikerin aufmerksam machte.

Eine Reise durch Fußball-Deutschland

Ihre Idee hatte Diana Köhne schnell: Das Wimmelbild soll im Museum an beiden Seiten der Rolltreppe zu sehen sein, die Besucher hoch in den zweiten Stock bringt. Dorthin, wo die Ausstellung beginnt. Zwei Riesenbilder also, je 2,80 Meter hoch, eines 30 Meter lang und das andere rund 25 Meter.

Gegensätzlich Gleiche im Revier: Die Schauspieler Peter Lohmeyer und Dietmar Bär stehen für Schalke und den BVB im Wimmelbild. Die Schräge ist perspektivisch bedingt – an der Rolltreppe im Dortmunder Fußballmuseum wird alles schön gerade wirken.

Also plante Diana Köhne eine Reise durch Fußball-Deutschland, angefangen ganz unten in München bis hoch in den Norden. Und ganz oben, am Ziel, eine bunte Horde Deutschlandfans. Ein nur vermeintlich einfacher Plan. Denn wen packt man denn nun konkret rein? „Mein Ehrgeiz war, alle Vereine abzubilden, die jemals in der 1. Liga gespielt haben“, erzählt Diana Köhne. Geschafft hat sie es, natürlich in unterschiedlicher Gewichtung. Borussia Neunkirchen, Erstligist in den 1960er Jahren, findet sich zum Beispiel nur als Fahne. Da muss man schon genau schauen. Weiteres Problem: Der Osten wäre unterrepräsentiert. Also brachte die Künstlerin Hauptvereine wie Jena, Erfurt, Magdeburg mit auf den Platz. Und dann sind da noch persönliche Vorlieben, wie der VfL Osnabrück etwa – Diana Köhnes erste Fußballliebe: „Es geht doch nicht, Preußen Münster zu zeigen und Osnabrück nicht.“

Was folgte, war akribische Recherche. In Stadien und auf dem Weg dorthin schaute Diana Köhne „viel genauer hin“, und machte Unmengen Fotos von Fangruppen. Dazu wühlte sie sich durch Online-Fotoalben von Fanclubs und befragte Freunde und Bekannte.

Flaschensammler und Wildpinkler mit im Bild

Gelernt hat die Grafikerin dabei vieles. Dass Fußballfans meist Jeans oder – im Sommer – Cargo-Shorts tragen. Dass man in NRW den Fußball viel intensiver lebt als anderswo. Und vor allem, dass Fußball niemals nur eine Nebensache ist: „Das Thema ist überaus ernst“.

Hier geht's zur Internetseite des Fußballmuseums

Beispiel Polizei: Die sollte ebenso mit aufs Bild wie Flaschensammler und Wildpinkler. Aber wo stellt man die Beamten hin, ohne den Verein daneben zu diskriminieren? Diana Köhne fand eine salomonische Lösung – und eine professionelle, mit ihren eigenen Antipathien umzugehen: „Die Blauen gingen ja noch, mit hoher Konzentration wurden die nicht so schlimm“, erzählt sie.

Probleme machten ihr die Bayern: „Es fehlt mir an Verständnis, wie man Fan von Bayern München sein kann.“

Eisern für Deutschland: Jubelkanzlerin Angela Merkel.

Und dann war noch der Wunsch des Museums, zum Verein passende Prominente ins Bild einzubauen. Kein Problem bei Düsseldorf (Campino), Köln (Wolfgang Niedecken) oder Bochum (Herbert Grönemeyer). Schon schwieriger bei Mainz (Kardinal Lehmann) oder Freiburg (Günter Grass). Heino (Wolfsburg) und Günther Jauch (Berlin) schlug das Museum vor. Nur bei den Bayern fiel die Promi-Auswahl schwer. Letztlich einigte man sich auf Bastian Schweinsteiger, der sich nun als einziger Spieler auf dem Bild findet und quasi als Brückenbauer von den Vereinen zur Nationalelf fungiert. Deren Fans übrigens „mehr Partypeople“ sind, wie Diana Köhne fein herausgearbeitet hat: „Deutlich mehr Frauen, Girlanden, Schminke – das sind andere Fans“.

Zwei Monate beurlauben lassen

Erste Skizzen machte die Grafikerin im Herbst 2014, dann folgten zwei Monate Beurlaubung vom Westfälischen Anzeiger – und echte Galeerenarbeit. „Ich habe täglich von früh bis in die Nacht gezeichnet, gezeichnet, gezeichnet.“

Diana Köhne fiebert nun gespannt der Eröffnung des Fußballmuseums entgegen.

Erst die Umrisse mit Fineliner, dann gescannt, am Rechner eingefärbt und aufgearbeitet, damit die Motive ohne Qualitätsverlust vergrößert werden können. Entstanden sind so rund 1200 Zeichnungen von Fans, Gebäuden, Stadien – akribische Kleinstarbeit, die sich zum mächtigen Werk summiert. Fließbandarbeit, „anstrengend, aber auch schön und irgendwie meditativ“. Im Museum wird ihr Bild nun auf Platten gedruckt und mit einer Schutzschicht überzogen, „damit man Schmähaufkleber auch wieder abbekommt“, wie Diana Köhne sagt. Gespannt wartet sie nun auf die Eröffnung des Museums, die am 25. Oktober erfolgen soll. Denn eine Ungewissheit hat die Künstlerin schon noch: „Ich weiß nicht, wie mein Bild in voller Größe wirken wird.“ Aber, so ist das ja immer im Fußball: Entscheidend is auf’m Platz.

Hier geht es zu Diana Köhnes Internetseite

Quelle: wa.de

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