Wieder Schwierigkeiten an Großbaustelle auf A 44

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Werl - Die Großbaustelle auf der Autobahn 44 liefert weiter Schlagzeilen. Aktuell schien ein vermeintlicher Baustopp, begleitet von der Suche nach brisanten Kriegs-Relikten, sogar zum Politikum zu werden. Doch am Ende einer ereignisreichen Recherche wird klar: Die aktuelle Geschichte bietet keinen Anlass für Aufgeregtheiten.

Dabei sah es zunächst sehr wohl danach aus, hieß es doch, es sei im Vorfeld versäumt worden, die erforderliche Kampfmittelfreigabe bei der Bezirksregierung in Arnsberg anzufordern. Hintergrund: Die alte Fahrbahndecke aus Beton wird direkt an Ort und Stelle mit einem Fallbeil zertrümmert. Das löst gewaltige Erschütterungen aus. Logisch, dass vorab geklärt sein muss, dass im fraglichen Bereich keine Bomben oder andere Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg mehr im Boden liegen.

Was beim ersten Hinsehen für Verwirrung sorgt: Erwähntes Papier ist erst mit Datum vom 26. Juni von der Abteilung Sicherheit und Ordnung der Werler Stadtverwaltung bei der Bezirksregierung erbeten worden; dort ging der Brief am 30. Juni ein. Und dann sei das Anliegen mit erheblicher Eilbedürftigkeit vom Kampfmittelbeseitigungs-Dienst in Hagen bearbeitet worden, versichert der Pressesprecher des RP, Dr. Christoph Chmel-Menges. Bereits am 3. Juli sei die in fünf Abschnitte unterteilte Studie dem Werler Rathaus zugeleitet worden.

Die Werler Behörde kann mit Eingangsstempeln belegen: Sie trifft keinerlei Schuld an der zunächst vermuteten behördlichen Schlamperei. „Wir sind am 26. Juni von Straßen.NRW gebeten worden, die Kampfmittelfreigabe zu besorgen“, sagt Regina Matteikat, kommissarische Leiterin der Abteilung Sicherheit und Ordnung. Noch am selben Tag habe man diese Bitte Richtung Arnsberg und Hagen weitergeleitet.

Keine Sondierung nötig

Die Antwort der Kampfmittel-Experten sorgte auf den ersten Blick für Beunruhigung, wurde doch in einem der fünf untersuchten Abschnitte Hinweise auf Artillerie-Beschuss im Zweiten Weltkrieg entdeckt. Vor diesem Hintergrund empfahlen die Fachleute in Hagen, den fraglichen Bereich für den Fall gesondert zu untersuchen, dass dieser „nach dem Krieg nicht bebaut worden sein sollte“. Aufatmen bei allen Beteiligten: Die Autobahn dort ist bekanntlich erst Anfang der 70-er Jahre gebaut worden. Damit entfällt der Anlass für diese Sondierung.

Daher hat Regina Matteikat inzwischen dem Landestrieb eine Art Unbedenklichkeits-Empfehlung zugeleitet. Folglich können die Arbeiten kurzfristig fortgesetzt werden.

Die Verantwortlichen der Autobahnniederlassung Hamm waren immer davon überzeugt, dass es der Kampfmittelfreigabe aus zwei Gründen nicht bedurfte. „Als die Autobahn 44 vor 40 Jahren gebaut wurde, sind die Kampfmittelräumdienste vor Ort gewesen und haben alles untersucht. Und als 2007 neuer Beton aufgebracht wurde, ist bei der Beseitigung des alten Belages ein solches Fallbeil benutzt worden, wie es jetzt die Firma ebenfalls einsetzen will,“ sagt Dieter Reppenhorst, Abteilungsleiter Bau bei der Hammer Behörde.

Firma wollte Beton nicht zerkleinern

Umso überraschter war er, als die Chefs der Baufirma am 25. Juni plötzlich wissen ließen, ohne die Freigabe seien sie nicht bereit, den alten Beton zu zerkleinern. Warum ihnen dies erst zu einem solch späten Zeitpunkt einfiel, weiß Reppenhorst auch nicht. Seine Verwunderung wird verständlich, wenn man bedenkt, dass die Firma in den drei Wochen vorher auf der Baustelle nicht zu sehen war.

So ist die Geduld des Abteilungsleiters mittlerweile überstrapaziert. Natürlich sei er zunächst froh, „dass wir definitiv hier nichts versäumt haben“, sagt Reppenhorst. Das Vorgehen der Firmenchefs aber sorgt bei ihm für Kopfschütteln. „Wir haben dem Unternehmen das Ergebnis der neuerlichen, aus unserer Sicht völlig überflüssigen Kampfmittelfreigabe übermittelt, verbunden mit der Aufforderung, die Arbeiten unverzüglich fortzusetzen“, so Reppenhorst. Von abermals verlorener Zeit will er dabei nicht gleich sprechen, hätte die Firma doch in den vergangenen Tagen andere Arbeiten wie Vermessungen durchgeführt.

Baufirma ist in schwieriger wirtschaftlicher Lage

In der Tat läuft es auf der Baustelle zwischen Werl und Soest alles andere als rund. Die verantwortliche Firma ließ die Arbeiten zwischenzeitlich lange ruhen. Begleitet wurde diese Pause von beunruhigenden Nachrichten über die wirtschaftliche Situation der Betam-Gruppe mit Sitz in Bochum.

Deren Gesellschafter Dr. Roland Müller wird aktuell im Internet-Portal „Bauforum 24“ mit dem Satz zitiert: „Wir befinden uns in einer schwierigen Liquiditätslage.“ Eine Insolvenz sei allerdings nicht im Gespräch, dementiert er Gerüchte, die sich seit Wochen um Betam ranken.

Straßen.NRW denkt darüber nach, den Druck auf die Baufirma zu erhöhen und einen Bauzeitenplan anzufordern, aus dem hervorgeht, wie die im Juni verlorene Zeit aufgeholt werden soll. Vertragsstrafen scheinen nicht ausgeschlossen, selbst eine komplette Neuausschreibung der Maßnahme dann eine Alternative, sollte Betam ab jetzt nicht störungsfrei weiter arbeiten. Mehrkosten, das stellt Reppenhorst unmissverständlich klar, habe Betam ohnehin zu übernehmen.

Quelle: wa.de

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