Interview mit Nabu-Expertin

Wespen in NRW: Plagegeister ja - aber noch lange keine Plage

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NRW - Ungebetene Gäste in schwarz-gelb sind derzeit überall unterwegs, wo es Süßes, Saures oder Salziges gibt – Wespen. Über die Plagegeister sprach WA-Mitarbeiterin Francina Herder mit Birgit Königs, Biologin vom Naturschutzbund (Nabu) NRW.

Denn obwohl die lästigen Insekten in diesem Jahr gefühlt so zahlreich unterwegs sind wie in kaum einem Sommer zuvor, kann von einer Plage auch in diesem Sommer nach Meinung der Nabu-Biologin noch lange keine Rede sein.

Sind im Sommer 2015 besonders viele Wespen unterwegs?

Birgit Königs: Nach Meinung unserer Experten ist es ganz normales Jahr. Jeden Sommer Ende Juli, Anfang August geht die Wespenzeit los. Dann haben die Völker ihre höchste Individuenzahl erreicht, es gibt praktisch keine Jung-Königinnen mehr oder nachkommende Brut, die noch groß gezogen werden muss. Das heißt, die Arbeiterinnen, die diesen Job bisher erfüllt haben, werden jetzt arbeitslos und ziehen durch die Gegend auf der Suche nach Nahrung für sich selbst. Bei Völkern mit bis zu 1000 Wespen pro Nest merkt man das natürlich, wenn die Arbeiterinnen durch die Gegend fliegen und sich an Kaffeetafeln einfinden.

Woher kommt die falsche Wahrnehmung?

Königs: Ich beschäftige mich seit 14 Jahren mit diesem Thema und jedes Jahr im August werde ich gefragt, warum es in diesem Jahr so viele Wespen gibt. 2015 ist ein gutes Insektenjahr, das kann man sagen. Als die Völker im Mai langsam wuchsen und die Königinnen gefüttert wurden, war es trocken und warm. Insekten können sich dann optimal entwickeln und finden genügend andere Insekten, die sie – wie im Fall der Wespe – jagen und verfüttern können. Aber es ist auch kein außergewöhnlich gutes Jahr, sodass man von einer Plage sprechen könnte. Sie sind einfach zahlreich vertreten, aber das ist im Sommer ganz normal.

Gefühlt haben wir sie jedes Jahr, aber gab es in den vergangenen Jahren mal eine echte Wespen-Plage?

Königs: Nein, in dem Sinne nicht. Die subjektive Empfindung der Menschen sieht jedoch zum Teil ganz anders aus. So weit ich weiß, sind die Anfragen bei den Schädlingsbekämpfern jedes Jahr höher als in den Jahren zuvor. Das darf man bezweifeln: Da Wespen wie alle anderen Insekten auch eher unter Nahrungsknappheit und den massenhaft eingesetzten Insektiziden in der Landschaft zu leiden haben, würde es mich sehr wundern, wenn sie seit Jahren als einzige Insektengruppe fleißig mehr werden würden. Das halte ich für eher ausgeschlossen.

Sind die Wespen im Moment besonders aggressiv?

Königs: Auch das nicht. Sie fallen einfach auf, wenn sie nicht mehr viel zu tun haben, durch die Gegend streunen und für sich Nahrung suchen. Dann gehen sie eben gerne auf Zucker oder auch auf Fleisch, da sind Wespen relativ wahllos. Dabei gehen sie zwar zielstrebig vor, aber sie sind nicht sonderlich aggressiv. Wespen stürzen sich auf den Kuchen, aber nicht auf denjenigen, der den Kuchen isst. Wenn Menschen dann hektisch reagieren, pusten und schlagen, fühlen sich Wespen allerdings angegriffen und wehren sich dagegen. Wenn es zu schlimm wird, und jemand draußen keine Ruhe findet, empfehle ich, das Kuchenessen ins Haus zu verlegen.

Wo bauen Wespen ihre Nester?

Königs: Wespen brauchen für ihre Nester einen Hohlraum und den können sie überall finden: In der Verschalung der Terrassentür, im Jalousienkasten oder in einer Baumhöhle. Die Deutsche und die Gemeine Wespe bauen auch Erdnester. Wenn sich unter einem alten Baumstumpf im Garten oder unter der Folie eines Gartenteichs ein Hohlraum gebildet hat, nutzen sie diesen. Nester in der Erde sind insofern allerdings gefährlicher, weil Wespen Erschütterungen im Erdreich viel heftiger wahrnehmen und sie dadurch in Alarmbereitsschaft versetzt werden. Geht man an einem Erdnest vorbei, kann es sein, dass die Wespen sich bedroht fühlen und meinen, sich verteidigen zu müssen. Das ist dann schneller der Fall, als bei Wespen, die in einem Vogelkasten oder einem Baumstamm nisten.

Gibt es Regionen, in denen Wespen besonders häufig vorkommen?

Königs: Das kann man so pauschal nicht sagen. Lokal ist das ganz unterschiedlich. Aber in den Städten fallen Wespen einfach mehr auf. Da gibt es viele Menschen, die in Ruhe draußen sitzen möchten und sich durch die Wespen gestört fühlen.

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Können Wespennester auch ohne die Hilfe des Schädlingsbekämpfers entfernt werden?

Königs: Das sollte man tunlichst sein lassen. Erstens können die wenigsten ein Wespenvolk zweifelsfrei bestimmen und so ausschließen, dass es sich beispielsweise um eine bedrohte Art handelt, die man gar nicht bekämpfen darf. Zweitens hätte jeder Versuch, Insekten mit freiverkäuflichem Insektengift zu töten unweigerlich die entsprechende Verteidigungsreaktion der Tiere zur Folge. Drittens: Wird das Nest jetzt erst entdeckt, gibt es auch kaum noch eine Möglichkeit, es umzusiedeln, weil es schon so individuenreich ist. Wenn das Nest an einer Stelle sitzt, an der es nicht wirklich stört, sollte man es lassen wo es ist. In zwei Monaten ist das Nest sowieso leer, das Volk stirbt ab und dieser Platz wird auch nicht nochmal genutzt. Wespen siedeln immer nur einmal an einer Stelle an. Befindet sich ein Nest an Ein- und Ausgängen, die häufig genutzt werden, oder im Dachstuhl mit Zugängen zu Schlaf- oder Kinderzimmern, kann es sinnvoll sein den Schädlingsbekämpfer anzurufen.

Ist die schlimmste Zeit wenigstens bald vorbei?

Königs: Bald vielleicht nicht, aber im Laufe des Septembers wird sich das Thema von selbst erledigen, wenn die Völker sterben. Das ist jedoch auch von der Witterung abhängig. Wenn die Völker viel Nahrung finden – und dazu zählen auch Insekten, denn Wespen denn Wespen jagen vor allem Fliegen, Mücken und ähnliches Getier – können einzelne Tiere es auch bis in den November hinein schaffen. Aber der große Andrang, der den Menschen so lästig ist, den haben wir jetzt im August, zur Pflaumenkuchen-Zeit und auch noch im September, danach wird es besser.

Was unterscheidet eine Biene von einer Wespe?

Berühren Sie die interaktiven Punkte auf dem Bild!

Quelle: wa.de

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