Wenn Vivaldi auf Hip-Hop trifft: "Voll der Violinen-Checker"

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Rapper MoTrip lässt mit Schülern Vivaldi aufleben

Köln - Der Komponist Antonio Vivaldi hat der Menschheit "Die vier Jahreszeiten" hinterlassen. Der Rapper MoTrip und der WDR verpassen dem Meisterwerk nun ein Update. Das Schulprojekt "Das Vivaldi-Experiment" zeigt: Klassik und Rap sind sich gar nicht fern.

Als alles vorbei ist, ist sich Rapper MoTrip immer noch nicht ganz sicher, ob er gerade eine Heldentat oder musikalische Gotteslästerung begangen hat. "Ich habe mich gefragt, ob er sich eben im Grab herumgedreht hat", gibt der Musiker zu. 

"Oder ob er vielleicht zufrieden aus dem Himmel zu uns herunter geblickt hat und gesagt hat: Das war schön." Der Mann, von dem der Aachener Rapper ("So wie du bist") ehrfürchtig spricht, ist Antonio Vivaldi (1678-1741). Der italienische Komponist ist seit mehr als 250 Jahren tot, wird aber heute noch verehrt, vor allem für seine "Vier Jahreszeiten". MoTrip hat sich nun genau diese Komposition vorgenommen und ihr ein Update verpasst. Das Projekt heißt "Das Vivaldi-Experiment" und wurde seit rund einem Jahr federführend vom WDR vorbereitet. 

Am Freitag haben es viele Fernseh- und Radiosender live übertragen, auch im Internet lässt sich das Ergebnis anschauen. Im Kern geht es darum, Kinder und Jugendliche mit klassischer Musik in Berührung zu bringen. Viele Schulen haben sich an der bundesweiten Aktion der ARD beteiligt und Hunderte Schüler kleine Videoclips eingeschickt. Darauf rappen sie den Refrain von MoTrips neuem Song "Auserwählt", der auf Vivaldis Musik basiert. 

Begleitet vom WDR Funkhausorchester verschmilzt beim Abschlusskonzert all das: MoTrips Rap, Vivaldis Komposition und ein virtueller Schülerchor, der aus den eingeschickten Videos entsteht und eingespielt wird. MoTrip ist Jahrgang 1988. Auch er gehört einer Generation an, die nicht unbedingt mit klassischer Musik aufgewachsen ist. Ein bisschen im Musikunterricht vielleicht, wie er erzählt. Sonstige Anknüpfungspunkte in der Jugend: Handyklingeltöne und die bedeutungsschwangere Eröffnungsmusik bei Champions-League-Spielen. Viel mehr ist es nicht. 

Das eindrucksvolle Ergebnis zeigt allerdings, das vielleicht gerade der Hip-Hop, der die Popkultur der vergangenen Jahrzehnte geprägt hat, in der Lage ist, eine Verbindung zwischen den Altmeistern der Klassik und der Jetzt-Zeit herzustellen. Versatzstücke aus anderen Kompositionen zu nehmen und sie in eigenen Songs zu verwenden ist eine eingeübte Technik im Rap. "Man sampelt etwas, das ist ganz klassisch", sagt MoTrip. Ob dafür nun Vivaldi Pate steht oder ein anderer Künstler ist da gar nicht so ein großer Unterschied. Wie man das Leben und das Werk des italienischen Komponisten ins Hier und Jetzt holen kann, wird bei dem "Vivaldi-Experiment" auch noch auf andere Weise demonstriert. 

Breakdancer tanzen zu "Der Sommer", die Geschichte der Vivaldi-Schülerin Anna Maria dal Violin wird als Hörspiel inszeniert. Und zwei YouTuberinnen versuchen, die Biografie des Musikers in die Sprache der Generation Snapchat zu übersetzen. Ein Kernsatz: "Er zeigte schon früh, dass er voll der Violinen-Checker war."

dpa/lnw

Quelle: wa.de

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