Landgestüt-Affäre: Konkrete Vorwürfe gegen Gestütsleitung

+
Was genau ist am Landgestüt passiert? Es tauchen immer mehr Fragen rund um die suspendierten Personen auf. 

Warendorf - Was hat sich das Führungstrio des Landgestüts Warendorf zuschulden kommen lassen, so dass es vorläufig vom Dienst freigestellt wurde? Während die Staatsanwaltschaft Münster von einem Anfangsverdacht wegen Vorteilsnahme im Amt im Zusammenhang mit Reisen in den Wüstenstaat Katar spricht, verdichten sich die Hinweise auf Verfehlungen der Gestütsleiterin, des Finanzchefs und des Rittmeisters des weltweit renommierten Zentrums der Pferdezucht und des Reitsports in NRW.

Im Kern geht es um (viel) Geld. Für die Landesbediensteten, die dem Landwirtschaftsministerium unterstellt sind, gelten besondere Arbeitsbedingungen: Nebentätigkeiten bedürfen der Erlaubnis des Dienstherren. 

Deshalb haben die Beschuldigten vor längerer Zeit einen Antrag auf Zulassung von weiteren Aktivitäten gestellt, der aber vom Landwirtschaftsministerium abgelehnt wurde. Trotz des Verbots haben die drei Führungskräfte Geschäfte mit Pferden vermittelt, bei denen viel Geld geflossen sein soll. Dabei hätten die Margen der Provisionen weit über das übliche Ausmaß gelegen, heißt es. 

„Da wurde mit ganz anderen Rechnungssummen gehandelt“, lautet eine Einschätzung aus der Pferdesportszene. Demnach soll auf den Kaufpreis noch ein ordentlicher Aufschlag fällig geworden sein. Im nicht-öffentlichen Teil der jüngsten Sitzung des Landtagsfachausschusses wurde berichtet, dass bei den Reisen nach Katar unberechtigt Ehepartner der leitenden Gestütsbeschäftigten mitgereist seien. Wer deren Kosten konkret übernommen hat, ist zurzeit noch offen. Die Bezahlung durch vermögende Scheichs gilt als gewiss. Keine offizielle Bestätigung gibt es bisher zu Vorwürfen, demnach die Beschuldigten Turniere im Orient organisiert, dazu Equipment aus Deutschland mitgenommen und Startgebühren für die Teilnahme erhoben haben sollen. 

Mehr zu dem Thema lesen Sie hier. 

„Wer mitmachen wollte, musste zahlen“, sagt ein Reitsportexperte. Die aufgeführten Delikte könnten zwar unter strafrechtlichen Gesichtspunkten nicht als besonders gewichtig eingeschätzt werden, aber dienstrechtliche Konsequenzen wären unvermeidbar. Wegen des schwebenden Verfahrens gibt es keine weitergehenden Erläuterungen aus dem Ministerium von Johannes Remmel (Grüne). Offenbar hielt er es für erforderlich, die Notbremse zu ziehen. 

Um das gute Ansehen des Landgestüts nicht zu beschädigen, wurde umgehend nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen die bisherigen Verantwortlichen ein Ministeriumsmitarbeiter als kommissarischer Leiter des Landesunternehmens eingesetzt. „Völlig ahnungslos kann das Ministerium nicht gewesen sein“, kommentiert der CDU-Landtagsabgeordnete Thorsten Schick die Anfrage auf Nebentätigkeitserlaubnis. Es müsse geprüft werden, ob das Ministerium der Aufsichtspflicht im ausreichenden Maße nachgekommen sei. 

Zum Hintergrund: Das Emirat Katar hat bereits im Galopprennsport einen guten Namen. Jetzt sollen mit großem finanziellen Aufwand auch die Disziplinen Dressur und Springreiten salonfähig( er) gemacht werden. Deshalb werden große Summen investiert, um Wissen und geeignete Pferde zu erhalten. Beispiel: Die bekannte Springreiterin Meredith Michaels- Beerbaum hat vor zwei Jahren ihre Spitzen-Stute „Bella Donna“ nach Katar verkauft.

Danach war ein junger Reiter aus dem Emirat mit dem wahrscheinlich viele Millionen Euro teuren Pferd erfolgreich. Diese Bemühungen gehen mit dem Bestreben einher, das Emirat zu einem breit aufgestellten Sportzentrum weiter zu entwickeln. Nach der Ausrichtung der umstrittenen Fußball-WM 2022 bemühen sich die Scheichs weiter um die Organisation der Olympischen Sommerspiele.

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare