Übergriffe in Bädern: Polizisten sollen Beweise besser sichern

[Update, 17.15 Uhr] Düsseldorf - Mit der Freibad-Saison in NRW steigt auch die Zahl der Straftaten in den Bädern. Schwer wird es für die Polizei vor allem bei Anzeigen gegen Migranten. Mit Verhaltenstipps hoffen Streifenbeamten auf mehr Erfolg bei Ermittlungen.

Nach zunehmenden Anzeigen wegen sexuell motivierter Übergriffe in Schwimmbädern haben Düsseldorfs Streifenpolizisten Verhaltenstipps erhalten, um Beweise besser sichern zu können. Es sei wichtig, Verdächtige in den Bädern zu fotografieren und wichtige Daten wie Telefonnummern und Aufenthaltsorte zu dokumentieren. Ein Polizeisprecher bestätigte am Montag einen entsprechenden Bericht der "Bild"-Zeitung. Darin wird aus einem internen Papier der Beamten zitiert. Die Polizisten schreiben von einer steigenden Zahl von Vorfällen, von Tätergruppen und von Problemen bei den Ermittlungen.

Angezeigt würden vor allem junge Männer, darunter viele Migranten, die vor allem in Gruppen aufträten und grapschten oder drängelten.

Die in dem Papier festgehaltenen Erfahrungen der Polizei beziehen sich allerdings nicht nur auf Vorfälle in Bädern, sondern laut Polizei auch auf die Kölner Silvester-Übergriffe. In der Domstadt waren zum Jahreswechsel Hunderte Frauen ausgeraubt und sexuell bedrängt worden.

Die Empfehlungen seien nun auch deshalb verfasst worden, weil man sich mitten in der Freibadsaison befinde. "Insbesondere die Tatbestände Vergewaltigung und sexueller Missbrauch von Kindern in den Badeanstalten schlagen hier ins Gewicht", heißt es in der Mail der Düsseldorfer Polizei, die alle Streifenpolizisten erhalten haben sollen.

Erschwerend komme hinzu, dass die Taten fast ausschließlich von Tätergruppen begangen würden und es den Opfern sehr schwer falle oder es geradezu unmöglich sei, Täter wiederzuerkennen. Deshalb sollten auch die Kleidung, Merkmale und Aufenthaltsorte der meist jungen Männer dokumentiert werden.

Nach Polizeiangaben wurden im Jahr 2014 sieben Anzeigen zu Vorfällen in Düsseldorfer Bädern erstattet, vor allem wegen Voyeurismus und Ansprache. Im vergangenen Jahr waren es 17, im laufenden bislang acht. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) rief die Betreiber der Bäder auf, ihre Mitarbeiter entsprechend zu sensibilisieren und zu schulen, um Zwischenfälle zu verhindern oder auch zu erkennen.

"Uns wundert die Zahl der angezeigten Delikte nicht angesichts der Tatsache, dass allein in Nordrhein-Westfalen mehr neue Zuwanderer gezählt wurden als die Großstadt Wuppertal Einwohner hat", sagte der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Erich Rettinghaus. Schwerer werde die Beweissicherung auch in Bädern vor allem, weil Flüchtlinge zu lange nicht zentral registriert worden seien und die Personalien deshalb kaum dokumentiert werden könnten.

Im Januar hatte in Bornheim bei Bonn ein mehrtägiges Hausverbot für männliche Flüchtlinge im Schwimmbad für Aufsehen gesorgt. Frauen waren belästigt worden. Die Stadt hatte dann in den Unterkünften über korrektes Verhalten in öffentlichen Bädern informiert. - dpa

Quelle: wa.de

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare