Turnhallen für Flüchtlinge: Schulen und Vereine in NRW vor Sportausfall

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Düsseldorf - In Nordrhein-Westfalen wird zum Schulbeginn in knapp zwei Wochen angesichts belegter Turnhallen teilweise der Sportunterricht ausfallen oder verlagert. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur in großen Städten.

Zahlreiche Turnhallen sind im Juli zu Notunterkünften für Flüchtlinge umgestaltet worden. "Wir rechnen damit, dass die Halle länger belegt wird", sagt Christiane Schmidt, Sprecherin der Stadt GLADBECK. In der Turnhalle einer Gesamtschule sind rund 150 Flüchtlinge untergebracht. Die Stadt sucht Möglichkeiten, Klassen für den Sport in anderen Turnhallen unterbringen zu können. Die Vereine müssen sich ebenfalls behelfen. "Es ist für uns kein Weltuntergang", sagt Schmidt.

In HERNE heißt es zur Belegung: Vier Wochen plus X. Das bedeutet, die Halle, die vier Schulen sowie Sportvereine nutzen, ist auch noch zum Schulbeginn belegt. Wie in Gladbeck gibt es große Außenanlagen. In KERPEN und WITTEN  sind die Verantwortlichen noch ratlos, weil die Hallen sehr wahrscheinlich belegt sein werden. "Wir hoffen, das ist nur für einige Wochen", sagte Kerpens Sprecher. Witten hat keinen "Plan B". Offen aussprechen will es zwar niemand. Aber die Stadtverwaltung rechnet damit, dass die eine belegte Halle über die Ferien hinaus belegt bleibt.

VIERSENS  Stadtsprecher formuliert vorsichtig: "Wir sind dabei zu versuchen, dass die Halle vielleicht wieder nach Ferienende für den Schulsport zur Verfügung steht." Wie das geschehen kann, ist offen. Ähnliche Antworten gibt es auch in HAGEN und in vielen anderen Städten.

Auch NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) ist nicht überzeugt, dass für alle Schulen der Sportunterricht pünktlich nach den Ferien beginnt: "Ob das gelingt, kann derzeit niemand sagen", sagte Jäger vor Journalisten. "Unser Ziel ist es aber, die Turnhallen so schnell wie möglich wieder frei zu bekommen." Derzeit kämen täglich rund 1000 Flüchtlinge nach NRW; 90 000 seien es bislang dieses Jahr.

Der NRW-Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, sieht auch Schulen in der gesellschaftlichen Pflicht. "Alle sind jetzt gefordert, ihren Beitrag zu leisten, auch die Schulen." Die Städte müssten aber nach Alternativen suchen. "Die Belegung der Sporthallen darf eine Notlösung, aber keine Dauerlösung sein."

DORTMUND hat gerade erst beschlossen, drei Turnhallen für Flüchtlinge freizugeben. "Kurzfristige Alternativen zu dieser Maßnahme stehen uns leider aufgrund der stetig steigenden Zuweisungen nicht zur Verfügung", sagt Stadtdirektor Jörg Stüdemann. Eine der Hallen eines Berufskollegs war im vergangenen Winter schon monatelang belegt. Geplant waren wenige Wochen. Vereine beschwerten sich, Flüchtlinge ebenso. In der Revierstadt kommen täglich neue Flüchtlinge an, weil dort eine der Erstaufnahme-Einrichtungen arbeitet.

Die Erstaufnahme in BIELEFELD ist seit Wochen überfüllt. In der Spitze sind 500 Menschen in zwei Turnhallen von Berufskollegs untergebracht - zeitweise auch in Klassenräumen. "Die klare Verabredung ist, dass auch die Turnhallen zum Schulbeginn wieder zur Verfügung stehen. Ich bin zuversichtlich, dass das machbar ist", sagte Anja Ritschel, Leiterin des Krisenstabs in der Stadt. Alternativen entstehen gerade: An der Erstaufnahme wurde angebaut. In den nächsten Tagen werden auf einen Schlag 200 Plätze geschaffen. "Und zwar nicht mehr behelfsmäßig in einer Turnhalle, sondern wieder völlig regulär", so Ritschel.

Mitte August soll auch ein ehemaliges Hotel mit 500 Plätzen als zentrale Unterbringung des Landes zur Verfügung stehen. "Man kann sagen: Die Sommerferien lagen optimal zur Überbrückung", sagt Ritschel. Der KREIS COESFELD  betreibt erneut ein Flüchtlingsquartier in der Sporthalle einer Berufsschule. "Wir gehen derzeit davon aus, dass die Notunterkunft nur bis Ende der Sommerferien bestehen wird", sagt Kreissprecher Christoph Hüsing. Er verweist auf gute Erfahrungen, die man mit der Belegung der Halle im Frühjahr mit 90 Flüchtlingen gemacht habe: "Der Schulbetrieb lief normal weiter. Der praktische Sportunterricht musste allerdings leider komplett ausfallen." Die Schüler hätten mit Solidarität und Offenheit reagiert. So habe es gemeinsame Aktionen von Schülern und Flüchtlingskindern gegeben. Die Situation sei auch Thema im Unterricht gewesen. In LENGERICH  (Kreis Steinfurt) wird seit März eine Zweigstelle der Ibbenbürener Berufsschule bewohnt. Der Platz für 170 Menschen war da, weil kaum noch Schüler unterrichtet werden - bis auf vier Klassen, die seither mit den Flüchtlingen den Schulhof teilen. In den Ferien wurden auch die restlichen Klassen sowie die Turnhalle belegt, wie Ordnungsamtsleiter Helmut Heuing sagt. "Wir haben auf insgesamt 350 Plätze aufgestockt. Diese Verdoppelung ist aber befristet auf das Ferienende. Wir sind jetzt schon dabei die Turnhalle zu räumen."

In DORMAGEN ist eine Turnhalle mit 150 Flüchtlingen belegt, die zum Schulbeginn nicht wieder frei sein wird. Für den Schulsport werde auf andere Turnhallen ausgewichen, sagte der Stadtsprecher. Die Turnhalle gehört zu einer auslaufenden Realschule, bei der bereits zwei Jahrgänge fehlen. Für Vereine werden Ausweichmöglichkeiten gesucht. In KÖLN Quelle sind in drei Turnhallen knapp 500 Flüchtlinge untergebracht, nächste Woche kommt eine vierte für 200 Menschen dazu. Zum Schulbeginn werde versucht, den Sportunterricht auf andere Hallen zu verteilen. "Es weichen aber auch Schulen in andere Objekte aus, zum Beispiel Fitnessstudios, Kletterhallen oder Tanzschulen", sagte der stellvertretende Leiter des Amtes für Wohnungwesen, Josef Ludwig. Dies werde dann von den Schulen selbst organisiert und aus schulischen Mitteln bezahlt. "Es wird auch Unterricht ausfallen müssen." In BOCHUM  sind mehrere Turnhallen belegt. Eine Halle wird auf jeden Fall wieder freigemacht. Die Flüchtlinge ziehen in ein leerstehendes Schulzentrum um, das vorbereitet wird.

Quelle: wa.de

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