Ausblick auf ein Vorzeigeobjekt für das östliche Ruhrgebiet

Bergkamens "Wasserstadt Aden" - ein einzigartiges Projekt

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So soll ein Teil der Wasserstadt einmal aussehen, in der es als eine Besonderheit „schwimmende Häuser“ am Adensee geben wird. Im Hintergrund rechts die Halde Großes Holz, links befindet sich der Datteln-Hamm-Kanal.

Bergkamen - Es ist ein ambitioniertes Projekt: Auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Haus Aden am Datteln-Hamm-Kanal entsteht in den nächsten Jahren ein neues Stadtquartier – die „Wasserstadt Aden“. Ein Vorzeigeobjekt fürs östliche Ruhrgebiet, rund 45 Millionen Euro teuer.

Hans-Joachim Peters und Christiane Reumke von der Stadt Bergkamen präsentieren den Plan der Wasserstadt, die sich bis zum Fördergerüst (im Hintergrund) erstrecken wird.

Eine schmale Straße. Die Spundwand des Datteln-Hamm-Kanals ist nur wenige Meter entfernt. Es ist ein ungemütlicher Morgen in Bergkamen-Oberaden. Neben Dr. Hans-Joachim Peters, Erster Beigeordneter der Stadt, und Christiane Reumke, Sachgebietsleiterin Planung und Demographie, fällt das Gelände ab, ein breiter „Graben“ tut sich auf bis hin zum im Hintergrund erkennbaren Förderturm der ehemaligen Zeche Haus Aden. Ein Güterzug rattert vorbei, der Lkw-Verkehr auf dem Areal am Datteln-Hamm-Kanal ist – gelinde gesagt – lebhaft. Es ist eine ziemlich triste Szenerie.

Doch Peters lächelt. Denn er weiß, dass schon bald eine Vision Wirklichkeit wird. Dass aus dem riesigen Brachland, einst Zechengelände, ein Vorzeigeobjekt für das östliche Revier werden soll. Die „Wasserstadt Aden“ mit Wohnhäusern, Gracht – und einem gut sieben Hektar großen See. „Wasser“, sagt Peters, „hat eine unheimliche Strahlkraft.“ Schon jetzt – im imaginären Zustand.

Wie sehr, zeigt die Tatsache, dass Investoren über das Gelände fahren. Einer kommt aus den Niederlanden, Peters schüttelt ihm erfreut die Hand. Man kennt sich, das Interesse an dem ambitionierten Vorhaben ist schon jetzt immens. 54 Hektar groß wird die Wasserstadt, das entspricht etwa 75 Fußballfeldern.

Hier soll die Zufahrt zum Adensee entstehen: Statt des Wendebeckens wird es eine direkte Verbindung zwischen dem Datteln-Hamm-Kanal und der Wasserstadt geben.

Am 21. Mai erfolgt der erste Spatenstich für die Wasserstadt, dem zweiten großen Projekt am Kanal in Bergkamen nach der Marina in Rünthe. Vor diesem symbolträchtigen Auftakt stand bereits ein langer Weg durch die Behörden. Drei Genehmigungen waren nötig, der Entlass aus der Bergaufsicht „war noch die leichteste Übung“ (Peters). Die Zustimmung zum Bodenmanagement folgte, die wasserrechtliche Genehmigung zog sich zwei Jahre hin – und erwies sich aufgrund der hohen Auflagen als „schwierigster Akt“, so der Beigeordnete.

Denn zwischen Kanal und See wird es keine Schleuse geben, allenfalls ein Nottor im Falle eines Unfalls. Die Höhe des Wasserspiegels wird identisch sein, der direkte Zugang zum Kanal wird mit einer jährlichen Nutzungsgebühr in insgesamt vierstelliger Höhe an das Wasser- und Schifffahrtsamt zu Buche schlagen – entsprechend umgelegt auf die Anwohner.

„Das Spannende ist: Wir füllen den See mit Wasser aus dem Kanal. Es ist eigentlich tabu, Wasser aus einer Bundeswasserstraße zu entnehmen“, sagt Peters. 18 Tage wird es dauern, das Binnengewässer peu à peu zu befüllen, rund 160.000 Kubikmeter werden es am Ende sein.

Keine Altlasten im Boden

Davor allerdings müssen die Voraussetzungen geschaffen werden, eine erste ist die Kürzung der Spundwände. Eine von mehreren Aufgaben, die der Projektpartner der Stadt übernimmt, die RAG Montan Immobilien GmbH (RAG MI). Dazu zählen beispielsweise auch das Erstellen einer Grubenwasserleitung oder diverse Erschließungsbeiträge, beispielsweise für den „Aden-Boulevard“. Auch das Unternehmen sieht die Wasserstadt als „bedeutendes Projekt“ an, sagt ein Sprecher. Mit Investitionen „größer als zehn Millionen Euro“ kalkuliert die RAG MI.

Planungsskizze der Wasserstadt. (Bild anklicken zum Vergrößern.)

Ein Hemmnis bleibt den „Machern“ übrigens erspart: die Bekämpfung von Altlasten. Eine Kokerei oder dergleichen gab es auf dem Gelände der im Jahr 2000 geschlossenen Zeche nicht. „Das Grundstück ist völlig einwandfrei“, verweist Reumke auf eine Untersuchung des Bodens und darauf, dass durch das relativ geringe Alter der in den 1930er Jahren entstandenen und kurz vor der Jahrtausendwende im Bergwerk Ost aufgegangenen Zeche „alles super dokumentiert“ sei.

So wird kein Boden ausgehoben – auch nicht für den Adensee – sondern fremder angeschüttet. Knapp eine Million Kubikmeter Erde sind für die Modellierung nötig, dafür, das gesamte Gelände um rund acht Meter anzuheben, um eine natürliche Schutzwand zur Bahnlinie zu schaffen. Und um die Mulde zu bilden für den – übrigens schiffbaren – See. Verantwortlich dafür wird die RAG MI sein, die auch ein Drittel der Fläche behält. Dort entsteht ein Dienstleistungs- und Gewerbeband, die Vermarktung übernimmt das Unternehmen.

Variante für den Zugangsbereich.

Die der 300 bis 350 Wohneinheiten derweil die Stadt. Peters und Reumke versprechen sich einiges an Erlösen davon. Die braucht die Kommune auch, um das Projekt zu stemmen. Rund 45 Millionen Euro kostet sie die Wasserstadt, „nur“ 10,8 Millionen gibt es an Fördermitteln. Den Eigenanteil kalkuliert die Stadt mit 4,5 Millionen Euro. Den Großteil der Kosten will die Kommune durch die 2019 beginnende Vermarktung einspielen, 2020 soll das Bauen beginnen, rund sechs Jahre später soll das Projekt komplett umgesetzt sein. 230 potenzielle Bauherren haben ihr Interesse bereits schriftlich geäußert. Für Peters ein klares Indiz für das, was auch externe Gutachter und Berechnungen bestätigten: Das Projekt „ist marktfähig. Wir können uns die Wasserstadt tatsächlich leisten.“ Auch in Zeiten des Doppelhaushalts.

Nicht nur die Lage ist außergewöhnlich – auch manche der entstehenden Einheiten werden es sein. Schwimmende Häuser beispielsweise gehören zum Konzept, ebenso welche, die in den See „auskragen“. Dass Anfahren mit einem eigenen Boot wird so möglich sei.

Variante für den Zugangsbereich.

Klingt nach privilegiertem Wohnen. Klingt teuer. Und diverse Lagen, wie die entstehende und „sehr gefragte“ (Reumke) Halbinsel am See, werden ihren Preis haben. Doch irgendwo zwischen Grachtenviertel und Panoramakai soll jeder Interessent fündig werden, überall soll zumindest der Blick auf das Wasser gewährleistet sein. Reumke betont, dass sich in der Wasserstadt „unterschiedlichste Zielgruppen“ wohlfühlen sollen. „Wir werden rund zehn Prozent über dem normalen Bodenrichtwert in Oberaden liegen“, sagt Peters.

Zukunftsmusik. Noch. Doch der Optimismus in Bergkamen ist grenzenlos, beflügelt nicht zuletzt durch „den Hype um den Phönixsee in Dortmund“, sagt Reumke. „Wohnen am Wasser ist eine Nische, die man in dieser Region kaum findet.“ Und die eine Landschaft grundlegend verändert. So trist sie im Moment auch erscheint.

Quelle: wa.de

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