Skandal in Flüchtlingsheim Burbach: Ermittlungen bald beendet

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Burbach - Die Bilder von Wachleuten, die Flüchtlinge in einem Heim in Burbach misshandeln und demütigen, gingen um die Welt. Später kommen weitere Vorwürfe gegen mehr als 50 Beschuldigte ans Licht. Jetzt scheint ein Ende der Ermittlungen in Sicht.

Handyfotos und ein Video von gedemütigten und misshandelten Flüchtlingen in einem Heim in Burbach sorgten im September 2014 für einen Schock. Auch fast zwei Jahre nach Bekanntwerden des Skandals um Übergriffe privater Sicherheitsleute ist der Gesamtkomplex nach Auskunft der ermittelnden Staatsanwaltschaft in Siegen noch nicht abschließend aufgearbeitet. Aber ein Ende der Ermittlungen kommt nun in Sicht. "Die Auswertung der zu den einzelnen Sachverhalten angelegten umfangreichen Fallakten steht kurz vor dem Abschluss", sagte ein Sprecher der Behörde.

Neben den auf den Mobiltelefonen von Wachleuten dokumentierten Fällen stießen die Ermittler auf eine Vielzahl weiterer möglicher Übergriffe durch das Sicherheitspersonal des Heimes. Mehr als 50 Verdächtige hat die Staatsanwaltschaft im Fokus. "Die Hauptakte hat mittlerweile mehr als 50 000 Blatt", sagte der Sprecher.

Inwieweit die Vorwürfe strafrechtlich relevant seien und wie viele Taten man nachweisen könne, will die Staatsanwaltschaft derzeit nicht sagen. Bevor man die Öffentlichkeit über Ergebnisse informiere, sollten die Beschuldigten die Möglichkeit zur Stellungnahme bekommen. "Wir arbeiten aber daran, die Ermittlungen möglichst noch in diesem Jahr komplett abzuschließen."

Im Herbst 2014 hatten die Bilder von Mitarbeitern des privaten Sicherheitsdienstes, die in einem "Folterzimmer" in der ehemaligen Siegerlandkaserne Flüchtlinge misshandeln und auf eine mit Erbrochenem verschmutzte Matratze zwingen, Entsetzen ausgelöst. Die Posen der Uniformierten, die ihrem Opfer einen Fuß in den Nacken stellen, erinnern an Bilder aus dem US-Militärgefängnis Abu Ghoreib. Im Laufe der Untersuchungen gerieten neben dem Wachpersonal auch Betreuer und Mitarbeiter und die Chefetage des damaligen Heimbetreibers European Homecare aus Essen in den Fokus. Einige als mutmaßliche Täter, andere sollen geschwiegen oder weggesehen haben.

Es sei allerdings schwer, alle Opfer zu befragen, weil sie das zur Erstaufnahme des Landes genutzte Heim schon wieder verlassen hätten und teilweise vermutlich nicht einmal mehr in Deutschland seien, sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde. "Außerdem haben wir ja erst etwa ein Jahr nach den ersten Fällen Kenntnis davon bekommen."

Die zum Teil also schon drei Jahre zurückliegenden Übergriffe von Burbach hatten eine Diskussion um die Qualität und Standards in den Flüchtlingsunterkünften des Landes ausgelöst und zu besseren Kontrollen geführt. Der Heimbetreiber wurde kurzfristig durch das DRK abgelöst. Seitdem läuft der Betrieb in der Erstaufnahme-Einrichtung des Landes mit 500 Plätzen weitgehend problemlos. - dpa

Quelle: wa.de

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