Sikh-Prozession in Essen trotz Anschlags

+
Joginer Singh, ein Prediger des Sikh-Gemeindezentrums, zeigt den zerstörten Eingangsbereich des Gebetshauses. Am Samstag findet eine Prozession der Essener Sikh-Gemeinde durch die Innenstadt mit Kundgebung auf einem Parkplatz am Stadion von Rot-Weiß Essen statt. Die seit langem geplante Prozession findet nach dem Anschlag vor einer Woche unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt.

Essen - Trotz des Bombenanschlags auf ihr Gemeindezentrum vor einer Woche hält die Religionsgemeinschaft der Sikhs am Samstag in Essen eine seit langem geplante religiöse Veranstaltung ab. Die Gemeinde rechnet mit rund 1000 Teilnehmern.

Ursprünglich sollte die "Nagar Kirtan" genannte Veranstaltung als Prozession vom Gemeindehaus über mehrere Straßen zu einem Parkplatz an einem Fußballstadion führen. Nach Gesprächen mit der Polizei entschied sich die Gemeinde dann aber aus Sicherheitsgründen, nur auf dem Parkplatz eine Art stationäre Prozession abzuhalten und nicht durch die Straßen zu ziehen. Konkrete Hinweise auf eine Gefährdung hat die Polizei aber nach eigenen Angaben nicht.

Am Samstag vor einer Woche war nach einer indischen Hochzeit im Eingangsbereich des Sikh-Gemeindezentrums eine Bombe explodiert. Drei Menschen wurden verletzt, einer von ihnen schwer. Tatverdächtig sind zwei 16-Jährige aus Essen und Gelsenkirchen. Sie haben laut Essener Polizei klare Bezüge zur islamistischen Terrorszene.

Der Religionswissenschaftler Robert Stephanus hat allerdings Zweifel an einem religiösen Motiv für die Tat. "Natürlich gibt es historisch gewachsene Differenzen zwischen beiden Religionen, aber ich halte ein theologisches Motiv für sehr unwahrscheinlich", sagte der Sikh-Forscher der Deutschen Presse-Agentur. Stephanus arbeitet derzeit an einer Dissertation über die Sikhs in Deutschland und kennt auch die Essener Gemeinde.

Muslime und Sikhs unterschieden sich beispielsweise in der Gottesvorstellung, sagte Stephanus. Solche Differenzen würden aber eher von Gelehrten diskutiert, sagte Stephanus. Er könne sich nicht vorstellen, dass 16-Jährige deshalb im Alleingang eine Bombe bauten. Wahrscheinlicher sei, dass sie in einem hierarchisch strukturierten Gefüge beauftragt worden seien. Über mögliche Motive könne man nur spekulieren. So sei für gläubige Muslime ein Austritt aus ihrer Religion verboten. Wenn Muslime trotzdem ihren Glauben verlassen und zum Sikhismus übergetreten seien, könne das ein Anstoß gewesen sein, sagte Stephanus.

Bei "Nagar Kirtan"-Prozessionen, die Sikhs weltweit veranstalten, wird die Heilige Schrift der Religionsgemeinschaft mitgeführt. Gemeindeglieder singen religiöse Lieder und verteilen Speisen und Getränke an Zuschauer. In Essen soll es am Samstag auch eine Vorführung der "Gatka" genannten Sikh-Kampfkunst geben. Die Veranstaltung soll die Gemeinde in der Öffentlichkeit bekannt machen. Gleichzeitig erinnert sich die Gemeinde an bestimmte Ereignisse aus der Geschichte der Sikh-Religion.

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare