NRW sieht Belastungsgrenze bei Flüchtlingsaufnahme bald erreicht

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In den vergangenen Tagen sind mehrere tausend Flüchtlinge in Deutschland angekommen. Ihr erstes Ziel ist meist München, von dort werden sie weiter verteilt.

Düsseldorf - NRW ist am Limit: Jeden Tag werden 1000 neue Schlafplätze in Flüchtlings-Unterkünften geschaffen - doch das könne nicht endlos so weitergehen, warnt die Landesregierung. 

Nordrhein-Westfalen hat am Wochenende erneut Tausende Flüchtlinge aufgenommen - doch allmählich sieht die Landesregierung die Grenze der Belastbarkeit erreicht.

Jeden Tag würden 1.000 neue Schafplätze in Notunterkünften geschaffen, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. "Wir wissen jedoch nicht, wie lange wir das noch durchhalten." In Wiehl ermittelt die Polizei nach einem möglicherweise fremdenfeindlichen Brandanschlag. Gleichzeitig haben sich in Münster und anderen Städten Hunderte Menschen an Flashmobs beteiligt und den Anti-Nazi-Song "Schrei nach Liebe" gesungen.

Innerhalb einer Woche sind nach Angaben des Innenministeriums ungefähr 10.000 Flüchtlinge in Sonderzügen aus Bayern nach NRW gekommen. Auch die Zahl der Menschen, die selbstständig auf der Flucht nach NRW seien, steige weiter, sagte der Sprecher.

Turnhallen oder leere Gebäude seien kurzfristig zu Unterkünften umfunktioniert worden. Inzwischen drohe hier dasselbe Problem wie in Bayern. "Dann wissen wir einfach nicht mehr, wo wir die Menschen unterbringen sollen."

Weil weiterhin sehr viele Flüchtlinge aus Ungarn in der bayerischen Landeshauptstadt ankommen, hat sich die Lage dort am Wochenende zugespitzt. Mehrere Sonderzüge brachten die Menschen aus München auch nach Nordrhein-Westfalen. NRW stehe aber weiterhin an der Seite der Kollegen in Bayern, versicherte der Sprecher.

Nach Auskunft der Stadt Düsseldorf waren am Samstagabend 1.000 Menschen am Flughafenbahnhof der Landeshauptstadt angekommen. Dort seien sie von Helfern mit Essen und Kleidung versorgt worden, bevor sie auf mehrere Notunterkünfte im Land verteilt wurden. 100 von ihnen reisten weiter nach Hessen.

Am Sonntagmittag erreichten 1.000 weitere Flüchtlinge den Dortmunder Bahnhof. Die Bundespolizei rechnete mit einem weiteren Zug am Sonntagabend. Unterstützung kam aus Belgien: Nach Angaben des Innenministeriums folgten 50 Flüchtlinge einem Angebot, dort einen Asylantrag zu stellen.

Regierungsvertreter des Nachbarlandes waren dafür in eine Bielefelder Flüchtlingsunterkunft gekommen, um dafür zu werben, nach Belgien zu kommen. Hintergrund ist nach Angaben der Stadt Bielefeld eine Absprache zwischen der Bundesregierung und Belgien. Wie die "Neue Westfälische" in ihrer Samstagsausgabe berichtete, sei "auf höchster Bundesebene" ausgehandelt worden, dass Belgien insgesamt 250 Flüchtlinge aus deutschen Aufnahmeeinrichtungen bekomme.

Das Land begrüße diese Unterstützung sehr, in der derzeitigen Lage sei jede Entlastung hilfreich, hieß es aus dem NRW-Innenministerium. Während die Flüchtlingskrise bei vielen im Land weiterhin zu großer Solidarität führt, muss die Polizei in Wiehl seit Samstag einem möglicherweise fremdenfeindlichen Brandanschlag nachgehen.

Unbekannte hatten Feuer in einem leeren, abgestellten Eisenbahnwaggon gelegt und fremdenfeindliche Parolen hinterlassen. Es sei nicht auszuschließen, dass sich der Brandanschlag gegen Flüchtlinge richte, sagte ein Sprecher der Polizei. Die Gemeinde Wiehl verhandele derzeit mit Bahnbetreibern, in Zügen eine Notunterkunft für Flüchtlinge einzurichten.

Solchen Einstellungen stellten sich bei bundesweiten Flashmobs Hunderte Teilnehmer entgegen: So sangen etwa in Münster nach Polizeiangaben 700 Menschen in der Innenstadt den Anti-Nazi-Song "Schrei nach Liebe". Mit dem Song der Ärzte wollten sie ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit setzen.

dpa

Quelle: wa.de

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