Serie: Arbeitsplatz Dortmunder Airport

Harald Sadler aus Hamm ist oberster Tankwart am Flughafen

Dortmund - Gäbe es ein Reinheitsgebot für Kerosin, Harald Sadler hätte es eingerahmt über dem Schreibtisch hängen. Denn als Chef der Betankungs-Abteilung am Dortmunder Flughafen geht ihm – abgesehen von der Sicherheit für Personal und Passagiere – nichts über die Treibstoffqualität.

Überprüfungen der Airlines würden seinem Team auf diesem Gebiet regelmäßig gute Arbeit bescheinigen, sagt Sadler stolz: „Das Produkt am Dortmunder Flughafen hat eine absolute Reinheit.“ 

Sadler ist seit 24 Jahren am Flughafen Dortmund. Der gelernte Elektriker kommt gebürtig aus Castrop-Rauxel und wohnt inzwischen mit seiner Frau in Hamm. Der 56-Jährige arbeitete 16 Jahre bei der Ruhrkohle AG, entschied sich aber 1992 umzusatteln. „Ich habe im Bergbau einfach nicht die Zukunft gesehen – dann diesen Sprung gemacht und es nicht bereut.“

Temperatur und Dichte werden gemessen

Sadler begann im Bodenverkehrsdienst, heute ist seine zehnköpfige Fuel-Abteilung dort ein spezialisierter Unterbereich. Die Terminal-Tankwarte prüfen täglich vor Betriebsbeginn die Treibstoffqualität: Kondenswasser, das sich in den Tanks bildet und das Kerosin verunreinigt, wird herausgefiltert. Die Temperatur des Treibstoffs und seine davon abhängige Dichte müssen ebenfalls gemessen werden, denn die Kerosinmengen werden exakt mit den Airlines abgerechnet. Getankt wird immer nach Gewicht, erklärt Sadler. 

Eine Tonne Kerosin entspreche 1200 bis 1250 Litern. Wie viel Treibstoff ein Flieger benötigt, teilt dieser wenige Minuten vor Ankunft per Funk mit. Beim Rundgang um eine parkende Maschine öffnet er eine Klappe am Flugzeugbauch. An der Digitalanzeige dahinter lässt sich die Kerosinmenge exakt einstellen. Zur Betankung ist eine so genannte Hubeinheit, quasi eine Zapfsäule im Jumbo-Format, aus dem Boden ausgefahren, über einen dicken Schlauch ist sie mit einem Tragflächen-Tank verbunden.

900 Liter pro Minute

Ein großer Teil des Treibstoffs lagert unter Tage, in zwei Tanks mit 100.000 Litern Fassungsvermögen. Eine Unterflur-Betankungsanlage, wie sie 2000 mit dem neuem Terminal in Dortmund gebaut wurde, gibt es nur an wenigen Airports, sagt Sadler. Beim Betanken der Jets steht nicht nur das Fuel-Team selbst unter großem Druck, sondern die gesamte Zapfanlage. „Flugzeuge haben eine so genannte Druckbetankung“, erklärt Sadler. Das reduziere die Gefahr, dass Treibstoff verschüttet wird. Durch den schnellen Fluss – 900 Liter pro Minute – kommt es zu statischen Aufladungen. 

Deswegen müsse das Flugzeug vorm Tanken geerdet werden, erklärt Sadler und deutet auf ein ans Fahrwerk angeschlossenes Kabel. „Schon kleinste Stromschläge bedeuten auch Funken“, sagt Sadler, auch wenn sich Kerosin nicht so leicht entzünde wie der Treibstoff Avgas, mit dem das Fuel-Team Kleinflugzeuge betankt. Entflammbare Gase bildeten sich bei Kerosin erst bei 38 Grad, bei Avgas schon bei -40 Grad. „Es gibt also keine Wetterlage, bei der wir es nicht mit entzündlichen Gasen zu tun hätten.“

Lesen Sie hier weitere Teile unserer Porträt-Serie:

Jörg Tölke ist Schichtleiter im Bodenverkehrsdienst (28.05.16)

Vivian Klute absolviert eine Ausbildung zur Servicekauffrau im Luftverkehr (19.05.16)

Markus Schulze Aquack ist Feuerwehrmann am Airport (12.05.16)

Quelle: wa.de

Rubriklistenbild: © Opfermann

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