Schulfach Brände löschen: Feuerwehr sucht Nachwuchs

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Haan - Die Feuerwehren brauchen mehr Nachwuchs. Jungen und Mädchen können deshalb in Nordrhein-Westfalen jetzt bei einer Kinderfeuerwehr mitmachen. So soll frühe Bindung an das Ehrenamt gelingen.

"Und los!", ruft Oberbrandmeister Michael Kleinsteinberg über das Gelände der Feuerwehrwache. Acht Jungen mit gelben Helmen und roten Jacken setzen sich in Bewegung. Denn statt Mathe und Deutsch haben sie Feuerwehrunterricht. Die wichtigsten Handgriffe sitzen bereits: Ratternd öffnen sich die Jalousien am Einsatzwagen, mit einer Trage wird Person geborgen, Schläuche werden ausgerollt und dann ist es endlich so weit: "Wasser marsch!" Alles wie bei einem richtigen Feuerwehreinsatz.

Oberbrandmeister Kleinsteinberg unterrichtet die Schüler der Emil-Barth-Realschule auf der Haaner Feuerwache. Zweimal im Monat trifft er sich mit den acht Schülern aus der neunten Klasse. In der Feuerwehr-AG lernen die Schüler nicht nur wie sie einen Brand richtig löschen, sondern werden auch im Umgang mit den Gefahren bei einem Brand geschult.

"Ich wusste vorher zum Beispiel noch nicht, dass man bei einem Brand im Haus nicht aufrecht gehen, sondern am besten kriechen sollte", sagt Matthias. Der 14-Jährige belegt in diesem Schuljahr Feuerwehrunterricht im Wahlpflichtbereich. Matthias hätte auch Informatik, Spanisch oder Hauswirtschaft wählen können, aber ihn hat vor allem das Praktische gereizt: "Wir sind auf der Wache immer in Aktion und lernen im Team - das finde ich richtig gut."

Wasser schießt in die Schläuche. Matthias und Maurice packen beim Löschschlauch jetzt richtig fest an. Sie sind heute im Angriffstrupp und mit gelben Sauerstoffflaschen, die an eine Taucherausrüstung erinnern, unterwegs. Der Angriffstrupp ist vor allem für die Bergung der Person und für die Löschung zuständig. "Das ist natürlich die schönste und spannendste Aufgabe", sagt Maurice und richtet die Wasserfontäne auf den Brandherd.

"Die Idee zur Zusammenarbeit kam uns in mehreren Gesprächen", sagt der stellvertretende Schulrektor Heinz Wemmer. Die Schüler lernten beim Feuerwehrunterricht, Verantwortung zu übernehmen: "Man muss ständig Entscheidungen treffen. Das ist ein gutes Training für jeden jungen Menschen." Für Mirko Braunheim, stellvertretender Leiter der Feuerwehrwache in Haan, steht noch etwas anderes im Vordergrund: "Es wäre toll, wenn sich die Schüler dazu entscheiden bei uns weiter mitzumachen. Wir brauchen Nachwuchs."

Fast 90 000 aktive Freiwillige bilden das Rückgrat der Feuerwehr in Nordrhein-Westfalen. Sie unterstützen die etwa 13 000 hauptberuflichen Feuerwehrleute. Aber der demografischer und gesellschaftliche Wandel könnte langfristig Lücken in die Trupps reißen. "Und andere Vereine schlafen schließlich auch nicht", sagt Braunheim. Im Fußballverein gebe es beispielsweise keine Altersbeschränkung wie bei der Feuerwehr. Sie könnten Kinder und Jugendliche frühzeitiger an sich binden.

Doch das soll sich jetzt ändern. Der Landtag hat Ende vergangenen Jahres ein neues Brand- und Katastrophenschutzgesetz erlassen. Städte und Gemeinden können nun Kinderfeuerwehren für Jungen und Mädchen im Alter von sechs bis zehn Jahren einrichten. Vorher war das Mindestalter zehn Jahre. "Natürlich können wir so viel früher Bindung herstellen. Mit zehn Jahren haben die meisten Kinder nämlich schon ihre Interessen festgelegt", sagt Kleinsteinberg.

In Bornheim-Walberberg bei Bonn gibt es die Kinderfeuerwehr schon seit gut einem Jahr. Dort ist die Warteliste voll. Auch die Feuerwache in Haan will jetzt eine Kinderfeuerwehr ins Leben rufen: "Wir haben uns schon etwas für 2016 überlegt", sagt Kleinsteinberg. Und wenn der Andrang zu groß wird? Kleinsteinberg lacht: "Wir nehmen jeden auf. Zu viele werden, das können wir nie!"

Von Marie Ludwig, dpa (Foto - aktuell) Die Feuerwehren brauchen mehr Nachwuchs. Jungen und Mädchen können deshalb in Nordrhein-Westfalen jetzt bei einer Kinderfeuerwehr mitmachen. So soll frühe Bindung an das Ehrenamt gelingen.

Haan (dpa/lnw) - "Und los!", ruft Oberbrandmeister Michael Kleinsteinberg über das Gelände der Feuerwehrwache. Acht Jungen mit gelben Helmen und roten Jacken setzen sich in Bewegung. Denn statt Mathe und Deutsch haben sie Feuerwehrunterricht. Die wichtigsten Handgriffe sitzen bereits: Ratternd öffnen sich die Jalousien am Einsatzwagen, mit einer Trage wird Person geborgen, Schläuche werden ausgerollt und dann ist es endlich so weit: "Wasser marsch!" Alles wie bei einem richtigen Feuerwehreinsatz.

Oberbrandmeister Kleinsteinberg unterrichtet die Schüler der Emil-Barth-Realschule auf der Haaner Feuerwache. Zweimal im Monat trifft er sich mit den acht Schülern aus der neunten Klasse. In der Feuerwehr-AG lernen die Schüler nicht nur wie sie einen Brand richtig löschen, sondern werden auch im Umgang mit den Gefahren bei einem Brand geschult.

"Ich wusste vorher zum Beispiel noch nicht, dass man bei einem Brand im Haus nicht aufrecht gehen, sondern am besten kriechen sollte", sagt Matthias. Der 14-Jährige belegt in diesem Schuljahr Feuerwehrunterricht im Wahlpflichtbereich. Matthias hätte auch Informatik, Spanisch oder Hauswirtschaft wählen können, aber ihn hat vor allem das Praktische gereizt: "Wir sind auf der Wache immer in Aktion und lernen im Team - das finde ich richtig gut."

Wasser schießt in die Schläuche. Matthias und Maurice packen beim Löschschlauch jetzt richtig fest an. Sie sind heute im Angriffstrupp und mit gelben Sauerstoffflaschen, die an eine Taucherausrüstung erinnern, unterwegs. Der Angriffstrupp ist vor allem für die Bergung der Person und für die Löschung zuständig. "Das ist natürlich die schönste und spannendste Aufgabe", sagt Maurice und richtet die Wasserfontäne auf den Brandherd.

"Die Idee zur Zusammenarbeit kam uns in mehreren Gesprächen", sagt der stellvertretende Schulrektor Heinz Wemmer. Die Schüler lernten beim Feuerwehrunterricht, Verantwortung zu übernehmen: "Man muss ständig Entscheidungen treffen. Das ist ein gutes Training für jeden jungen Menschen." Für Mirko Braunheim, stellvertretender Leiter der Feuerwehrwache in Haan, steht noch etwas anderes im Vordergrund: "Es wäre toll, wenn sich die Schüler dazu entscheiden bei uns weiter mitzumachen. Wir brauchen Nachwuchs."

Fast 90 000 aktive Freiwillige bilden das Rückgrat der Feuerwehr in Nordrhein-Westfalen. Sie unterstützen die etwa 13 000 hauptberuflichen Feuerwehrleute. Aber der demografischer und gesellschaftliche Wandel könnte langfristig Lücken in die Trupps reißen. "Und andere Vereine schlafen schließlich auch nicht", sagt Braunheim. Im Fußballverein gebe es beispielsweise keine Altersbeschränkung wie bei der Feuerwehr. Sie könnten Kinder und Jugendliche frühzeitiger an sich binden.

Doch das soll sich jetzt ändern. Der Landtag hat Ende vergangenen Jahres ein neues Brand- und Katastrophenschutzgesetz erlassen. Städte und Gemeinden können nun Kinderfeuerwehren für Jungen und Mädchen im Alter von sechs bis zehn Jahren einrichten. Vorher war das Mindestalter zehn Jahre. "Natürlich können wir so viel früher Bindung herstellen. Mit zehn Jahren haben die meisten Kinder nämlich schon ihre Interessen festgelegt", sagt Kleinsteinberg.

In Bornheim-Walberberg bei Bonn gibt es die Kinderfeuerwehr schon seit gut einem Jahr. Dort ist die Warteliste voll. Auch die Feuerwache in Haan will jetzt eine Kinderfeuerwehr ins Leben rufen: "Wir haben uns schon etwas für 2016 überlegt", sagt Kleinsteinberg. Und wenn der Andrang zu groß wird? Kleinsteinberg lacht: "Wir nehmen jeden auf. Zu viele werden, das können wir nie!" - dpa

Quelle: wa.de

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