RWE ruft Politik um Hilfe

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Der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende von RWE, Manfred Schneider (links), und sein designierter Nachfolger Werner Brandt.

Essen - Der Ausbau erneuerbarer Energien setzt die Betreiber konventioneller Kraftwerke unter Druck. RWE-Chef Terium sieht die Branche in einem gefährlichen Ausnahmezustand.

Der kriselnde Stromriese RWE ruft angesichts kräftiger Einbrüche wegen der Energiewende die Politik um Hilfe. "Weitere, massive Verluste unseres Kraftwerksgeschäftes können wir uns auf Dauer nicht leisten", sagte Vorstandschef Peter Terium am Mittwoch bei der Hauptversammlung des zweitgrößten deutschen Energiekonzerns in Essen laut Manuskript. "Wir haben nicht viel Zeit. Unsere finanzielle Situation ist angespannt", sagte er.

Börsenstrompreise von nur noch rund 20 Euro bedeuteten den Ausnahmezustand. Damit sei die Versorgungssicherheit in Deutschland in "höchster Gefahr". Die Bundesregierung müsse handeln.

Der Ökostrom-Boom hat die im Großhandel erzielbaren Strompreise auch dramatisch gedrückt. Die großen Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke verdienen kaum noch Geld.

Die Energiekonzerne verlangen von der Politik eine Entschädigung dafür, dass sie die großen konventionellen Kraftwerke als Puffer gegen die Schwankungen von Wind- und Sonnenstrom bereithalten. Das wird unter dem Stichwort "Kapazitätsmarkt" diskutiert. Bislang lehnt die Bundesregierung solche Hilfen ab.

Die Hauptversammlung fand unter starken Sicherheitsauflagen statt. Aktionäre mussten auf dem Weg zur Essener Grugahalle an einer Polizeikette vorbei. Klimaschützer forderten mit Plakaten und Flugblättern einen Ausstieg aus der Kohle.

Vertreter der kommunalen RWE-Aktionäre hatten vorab diskutiert, den RWE-Vorstand nicht zu entlasten. Das wäre ein heftiger öffentlicher Denkzettel für Terium gewesen. Die Kommunalaktionäre sind mit rund 24 Prozent Anteil am Unternehmen die größte Aktionärsgruppe.

Unmittelbar vor der Versammlung erklärte der Geschäftsführer des Verbandes der Kommunalaktionäre, Ernst Gerlach, aber im WDR-Hörfunk, die Mehrheit der Kommunen stehe hinter Terium.

Der RWE-Chef will die Zukunftsbereiche des Unternehmens in eine neue Firma ausgliedern, diese an die Börse bringen und so an frisches Geld für Investitionen kommen. - dpa

Quelle: wa.de

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