Rotkäppchens Erbe - Deutsche müssen sich wieder an Wölfe gewöhnen

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Symbolfoto

Düsseldorf - Rotkäppchen wirkt lange nach in den Köpfen der Deutschen. Der Wolf hat hier einen schweren Stand. Er kommt aber zurück. Auch vor den Toren Kölns könnte es ihm gefallen, meinen Umweltschützer. 

Die Deutschen haben ein Problem mit dem Wolf - das steht für Umweltschützer Josef Tumbrinck fest. Woran es liegt? Der nordrhein-westfälische Landeschef des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) rätselt. Urängste, Rotkäppchen, Nahrungskonkurrenz, männliche Jagd-Instinkte - alles Mögliche. "Das ist nichts Rationales", stellt der langjährige Naturschützer am Dienstag bei der Vorstellung des Nabu-Jahresberichts in Düsseldorf fest.

In anderen Ländern gingen die Menschen mit der Rückkehr des Wolfes "normal" um. "Wir müssen uns noch daran gewöhnen." Das sei allerdings zwingend, denn die Indizien seien klar: "Noch zwei bis drei Jahre - dann ist NRW Wolfsland."

"Wir sind Wolf-Erwartungsland"

1835 wurde in NRW im westfälischen Ascheberg-Herbern der letzte Abschuss eines Wolfes dokumentiert. 180 Jahre später wurden nun aber gleich zwei Wölfe innerhalb eines Monats aktenkundig: Im Januar tappte Meister Isegrim im Siegerland in eine Fotofalle. Ein weiterer Artgenosse wurde im ostwestfälischen Stemwede nachgewiesen.

"Im benachbarten Niedersachsen haben sich innerhalb von nur drei Jahren fünf Rudel gebildet", berichtet Tumbrinck. "Allein im vergangenen Jahr mit 22 Jungtieren." Damit steht auch für das Düsseldorfer Umweltministerium fest: "Wir sind Wolf-Erwartungsland."

Es gibt schon einen Wolfsmanagement-Plan

Und Deutschland wäre nicht Deutschland, wenn sich die Behörden nicht generalstabsmäßig auf die Rückkehr des Raubtiers vorbereiten würden. So gibt es im NRW-Umweltministerium bereits einen Wolfsmanagement-Plan, eine "Arbeitsgruppe Wolf" beim Landesamt für Naturschutz und einen "Lux-und-Wolf-Berater" beim Landesbetrieb Wald und Holz.

"NRW ist derzeit in der Wolf-Stufe 1", hatte der Leiter der "Arbeitsgruppe Wolf" bereits vor einigen Monaten angekündigt und einen Maßnahmenkatalog vorgestellt. Dazu gehört die Regelung praktischer Fragen wie Herdenschutzzäune für Schafe und Entschädigungspflichten des Ministeriums "im Falle Wolfs-verursachter Haustierverluste".

Wölfe im Stadtgebiet

Im Prinzip biete ganz NRW attraktive Lebensräume für Wölfe, erklärt Tumbrinck. "Er ist kein Waldtier. Er sucht auch die offene Kulturlandschaft." Damit komme auch die Wahner Heide oder der Königsforst vor den Toren der Millionenstadt Köln infrage. "Es sind auch schon Wölfe auf Berliner Stadtgebiet gesichtet worden."

Im großen Flächenland NRW wären "mindestens zehn Rudel tragfähig fürs Land", meint Tumbrinck. "Das wären bis zu 80 Tiere." Auf der Speisekarte ganz oben stehen bei Wölfen junge Wildschweine. Auch Schafe und Rehe werden gern gerissen. "Ganz effektiv mit einem Kehlenbiss", erklärt Tumbrinck. "Der Wolf wird das Öko-System verändern." Das sei aber erwünscht, denn seit Jahren fehlten Raubtiere wie Bären, Wölfe oder der Lux als Regulatoren an der Spitze der Nahrungskette.

Das führt zu Überpopulationen bei Tieren ohne natürliche Feinde. "Wir Menschen gehören nicht ins Beute-Spektrum der Wölfe", beruhigt Nabu-Wolfsexperte Thomas Pusch im aktuellen Jahresbericht des Verbands.

Sorge um den Feldhamster

Ganz unten in der Nahrungskette macht derzeit ein ganz kleines Tier den Umweltschützern Sorgen: der Feldhamster. Vor Jahrzehnten noch als Plage gejagt, werde die Art voraussichtlich bis zum übernächsten Jahr aussterben, wenn nicht kräftig gegengesteuert werde.

Die einzige nennenswerte Hamsterpopulation gebe es noch in der Zülpicher Börde, berichtet Tumbrinck. Nach dem Willen der Stadt solle nun aber der letzte Lebensraum des possierlichen Wühlers bebaut werden.

Der grüne Umweltminister Johannes Remmel müsse sicherstellen, dass Zülpich für das Bauvorhaben keine Ausnahmegenehmigung erhalte. Für die Landesregierung ist der Feldhamster ein alter Bekannter. In den vergangenen 20 Jahren rot-grüner Koalitionen in NRW war er oft das Kampftier erbitterter Auseinandersetzungen um Artenschutz contra Industrieprojekte.

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Quelle: wa.de

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