Rekordausgaben bei der Sozialhilfe - Kommunen rufen um Hilfe

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Düsseldorf - Noch nie ist in Nordrhein-Westfalen so viel Geld für Sozialhilfe ausgegeben worden wie im vergangenen Jahr. Städte, Kreise und Landschaftsverbände zahlten nach Angaben des Statistischen Landesamtes um 6,8 Prozent mehr als 2013.

Die Träger gaben brutto rund 7,4 Milliarden Euro für Sozialhilfe aus, netto waren es rund 6,9 Milliarden Euro. Pro Einwohner investierte NRW somit umgerechnet 393 Euro für Sozialhilfeleistungen, 2013 lagen diese Ausgaben noch bei 369 Euro.

Zum Vergleich: Im ersten Jahr der neu gestaffelten Zahlungen zahlte das Land 2005 noch rund 233 Euro pro Kopf. Auch die Zahl der Empfänger von Sozialhilfe ist 2014 deutlich gestiegen, wie das Landesamt am Mittwoch in Düsseldorf mitteilte.

Gründe für den Anstieg bei Empfängern und Ausgaben dürften der demografische Wandel und Kostensteigerungen sein. "Die Sozialhilfeausgaben sind ein Spiegel des gesellschaftlichen Wandels", sagte NRW-Sozialminister Guntram Schneider (SPD). "Es gibt immer mehr ältere Menschen, und weil immer mehr in früheren Jahren prekär beschäftigt waren, wächst die Zahl derer, die Grundsicherung im Alter brauchen."

Wie schon in den Vorjahren wurde auch 2014 das meiste Geld für die Eingliederungshilfe für behinderte Menschen ausgegeben. Die Zahl der Menschen mit Behinderungen steige, sagte Schneider. Damit nehme auch die Zahl derer zu, die im täglichen Leben unterstützt werden müssten. "Hier brauchen wir endlich eine Gesetzgebung, die diese Menschen aus dem System der Sozialhilfe herausholt und ihnen eine eigenständige soziale Absicherung bietet", forderte der Minister.

Sozialhilfe wird nach Angaben des Bundessozialministeriums an Menschen in unterschiedlichen Notlagen gezahlt. Dazu gehören Menschen, die nicht arbeiten können, eine Behinderung haben oder pflegebedürftig sind. Die Ausgaben für Sozialhilfe steigen in NRW seit Jahren. In NRW erhalten rund 104 000 Menschen laufende Hilfe zum Lebensunterhalt, das sind 4,7 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Die meisten Bezieher hatten die deutsche Staatsbürgerschaft (92,3 Prozent). Insgesamt waren mit 52,4 Prozent etwas mehr Männer unter den Unterstützten als Frauen (47,6 Prozent). Nahezu zwei Drittel der nordrhein-westfälischen Empfänger (65,4 Prozent) lebte bei der Erhebung 2014 in Wohn- oder Pflegeheimen. Die Rekordwerte bei den Ausgaben bringen vor allem die Kommunen an die Grenzen, warnte der Landkreistag Nordrhein-Westfalen als kommunaler Spitzenverband der 30 Kreise und der Städteregion Aachen.

Die Kreise und kreisfreien Städte müssten 7,5 Prozent mehr Sozialhilfeleistungen aufbringen, teilweise gebe es zweistellige Steigerungen. "Trotz der nach wie vor bestehenden Hochkonjunktur mit Rekordsteuereinnahmen auch für die Kommunen öffnet sich die Schere zwischen kommunalen Ausgaben und Einnahmen immer weiter", sagte der Hauptgeschäftsführer des Landkreistages, Martin Klein.

Quelle: wa.de

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