"Wollten keinem schaden"

Prozessauftakt: Dirk D. und Marcel N. gestehen Brandanschlag in Altena

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Der 25-jährige angeklagte Feuerwehrmann sitzt am Dienstag in Hagen im Landgericht mit einem Aktenordner vor dem Gesicht im Gerichtssaal neben seinem Anwalt Andreas Trode.

[Update 18 Uhr] Hagen/Altena - Schwere Brandstiftung oder versuchter Mord? Das ist die Frage, die das Schwurgericht in Hagen zu klären hat. Es verhandelt seit Dienstag gegen die beiden Altenaer Marcel N. und Dirk D.

Beide gestanden zum Prozessauftakt, in der Nacht zum 3. Oktober 2015 den Dachboden eines von Flüchtlingen bewohnten Hauses im Stadtteil Buchholz in Brand gesetzt zu haben. Das hätten sie am 2. Oktober bei einem Treffen in der Innenstadt vereinbart. Abends füllten sie an einer Tankstelle einen Benzinkanister, anschließend zockten sie gemeinsam mit Bekannten an der Playstation. 

Gegen 23 Uhr drangen beide dann in das Haus ein, schlichen auf den Dachboden und legten dort Feuer. Die Folge war ein Schwelbrand, der erst Stunden später entdeckt wurde – von Nachbarn, die umgehend Ds. Vater, einen aktiven Feuerwehrmann, informierten. Der habe ihn dann angerufen, schilderte D. gestern vor Gericht. Er sei umgehend zu dem Haus geeilt und habe sich vergewissert, dass alle Bewohner in Sicherheit gewesen seien. Anschließend habe er den Notruf gewählt.

Ziel war es, das Haus unbewohnbar zu machen

Die Familie D. wohnt in unmittelbarer Nähe der Brandstraße, N. ist einige Kilometer entfernt zuhause. „Wir wollten keinem Menschen schaden“, betonten beide Angeklagten, deren Aussagen bis auf einige Nuancen übereinstimmten. Ihr Ziel sei es gewesen, das Haus unbewohnbar zu machen – aus Angst vor Flüchtlingen. In den Medien und im Internet sei so viel von Übergriffen durch Flüchtlinge zu lesen gewesen, dass sie Angst um ihre Freundinnen und um ihr Eigentum gehabt hätten. 

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Hier hakte die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschhagen nach: Ob es dann nicht naheliegender gewesen wäre, das Haus schon vor dem erst am Vortag erfolgten Einzug von zwei Flüchtlingsfamilien anzustecken, wollte sie von den Angeklagten wissen. Beide hatten angegeben, schon länger gewusst zu haben, dass das Objekt für Asylbewerber hergerichtet werde. Eine Antwort auf die Frage der Richterin blieben sie schuldig. 

Nebenklagevertreter nennt Einlassung "grotesk"

Angehörige einer der beiden Familien, die zur Tatzeit in dem Haus lebten, treten als Nebenkläger auf und werden unter anderem vom NSU-Opferanwalt Dr. Mehmet Daimagüler vertreten. Der nannte Dirk Ds. Einlassung „grotesk“. Der Angeklagte versuche, sich als Opfer darzustellen. Wer in einem alten Haus zündele, nehme den Tod der Bewohner billigend in Kauf. Die drei Mitglieder der Familie schilderten, dass sie bis heute unter Angstzuständen litten. 

Die Anklage lautet auf schwere Brandstiftung, erneut erteilte die Kammer den rechtlichen Hinweis, dass auch eine Verurteilung wegen Mordversuchs in Frage komme.

Quelle: wa.de

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